Kultur

Altar von Heinrich Papen in der Stiftskirche Obermarsberg

Hermann Runte beschreibt in seiner neuen Broschüre den Hochaltar der Stiftskirche zu Obermarsberg.

Hermann Runte beschreibt in seiner neuen Broschüre den Hochaltar der Stiftskirche zu Obermarsberg.

Foto: Annette Dülme

Obermarsberg.  In seiner neuen Broschüre beleuchtet Hermann Runte den Hochaltar der Stiftskirche Obermarsberg. Geschaffen wurde er in der Papenwerkstatt.

Vor 300 Jahren verstarb Heinrich Papen. Er war der Meister einer der führenden Barockwerkstätten um die Wende des 17. und 18. Jahrhunderts, deren Kunstwerke sich in einem großen Verbreitungsgebiet befinden. In seinem Todesjahr 1619 wurde der Hochaltar in der Stiftskirche zu Obermarsberg von ihm, seinem Sohn Christophel und der Barockwerkstatt insgesamt fertig- und aufgestellt.

„Aus diesem Anlass soll auch an diesem Ort an sein Schaffen erinnert und der Altar in besonderer Weise hervorgehoben und dargestellt werden“, sagt Hermann Runte. Er kennt sich in der Stiftskirche aus, wie kein Zweiter und lässt die Besucher regelmäßig bei Führungen daran teilhaben. Jetzt hat er in einem DIN-A-5-Heftchen eine interpretierende Betrachtung des Altars durchgeführt. Die WESTFALENPOST blättert mit dem ehemaligen Ortsheimatpfleger von Obermarsberg und ehemaliger Leiter des Museums der Stadt Marsberg vorab kurz durch die Broschüre.

Was erwartet die Leser Ihrer 27 Seiten starken mit vielen Fotografien bestückten Heftchens?

Runte: Zunächst bin ich auf die wechselvolle Geschichte der Stiftskirche eingegangen, die in ihren Anfängen auf Karl den Großen zurückgeht. Sie steht auf dem höchsten Punkt des Eresberges. Mit der Zerstörung dieser Kirche im 30-jährigen Krieg und mit der Vernichtung der gotischen Altäre und der vielen Dotationen durch Zünfte und reiche Bürger wurden die Wiederherstellung der Kirche und eine völlig neue Gestaltung der Inneneinrichtung notwendig.

Und damit wurde vor mehr als 300 Jahren die Barockwerkstatt Papen in Giershagen beauftragt?

Ganz genau. Papen hatte grundlegende Erfahrungen bei der Barockisierung des Paderborner Doms gemacht. Dort wurden die aktuellen und namhaften Künstler ihrer Zeit eingesetzt. Großen Einfluss übte dabei die Peter-Paul-Rubens-Schule aus. Von Rubens Atelier und seiner Werkstatt in Antwerpen aus verbreiteten sich seine Ideen und seine Werke und wurden von Künstlern in ganz Nord- und Mitteleuropa vor allem in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts aufgenommen. Papen arbeitete mit den damals bekannten flämischen Brüdern Willemssens in der Domkirche zusammen.

In einem Kapitel beschreiben Sie das Leben und Wirken der Familie Papen.

Ja. Die Bildhauer Heinrich (1644-1719) und sein Sohn Christophel (1676–1735) waren Meister einer der führenden Bildhauerwerkstätten ihrer Zeit. Sie waren auch noch als Gewerke an einer Schaftanlage bei Giershagen beteiligt. Ein weiterer Sohn, Jacob, war ebenfalls Bildhauer und arbeitete mit in der Werkstatt. Auf ihn geht das qualitätsvoll geschnitzte Chorgestühl im Chorraum der Stiftskirche zurück. Die Steinbrüche von Giershagen bis hin zu den Brüchen um Adorf lieferten den Alabaster, Marmor und Mehlstein. Ein Brand vernichtete das Haus mit Werkstatt.

Den Altar in der Stiftskirche in all seiner barocken Pracht beschreiben Sie als Ausdruck der Liebe Jesu Christ zu den Menschen.

Betrachten wir den Altar zunächst einmal in seiner Gesamtheit, so wird er hervorgehoben durch eine große Farbenpracht, durch Gold, das überall hindurchschimmert, durch pralle Blüten und Fruchtgehänge, geschwungene Festons, bunte Blumenstränge und Blütenkörbe. Mächtige Apostelfiguren und wohlgenährte Putti fassen den Altar ein. Rund 70 Jahre nach dem Ende des 30-jährgien Krieges scheinen Elend und Leid vergessen zu sein und die Freude der Menschen am Leben wird in all der Pracht deutlich. Gedacht aber ist der Altar in erster Linie zur Ehre und Verherrlichung Gottes. Dazu setzten die Künstler alle verfügbaren gestalterischen und künstlerischen Mittel der damaligen Zeit ein.

Wie sind sie bei der Beschreibung des Altares vorgegangen?

Zunächst einmal gehe ich von den Gegebenheiten aus, von der Gliederung, den Darstellungen, den Farben und der künstlerischen Gestaltung. Zum Verständnis und zur Deutung habe ich Texte aus der Bibel hinzugezogen. Wesentliche Details habe ich durch Bilder hervorgehoben. All das soll dazu beitragen, das Gesamtwerk in seinem Wesen und seiner Aussagekraft zu erfassen. Gleichzeitig soll die Deutung dem Besucher Anregung geben, seinen eigenen Gedanken nachzugehen, sich individuell ergreifen zu lassen und eine spirituelle Verbindung zu diesem Altar einzugehen.

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