Krawietz/Mies

Zwei Deutsche wirbeln die French Open durcheinander

Kevin Krawietz (l) und Andreas Mies aus Deutschland jubeln.

Kevin Krawietz (l) und Andreas Mies aus Deutschland jubeln.

Foto: Jean-Francois Badias / dpa

Paris  Als erstes deutsches Tennis-Doppel seit 26 Jahren sind Kevin Krawietz und Andreas Mies bei den French Open in das Endspiel eingezogen.

Vor ziemlich genau zehn Jahren hatte Kevin Krawietz schon mal einen ganz großen Moment. Oder besser gesagt: Zwei. Denn nach dem Sieg im Juniorendoppel in Wimbledon 2009, zusammen mit dem Franzosen Pierre-Hugues Herbert, kam es beim traditionellen Abschlußdinner im Nobelhotel Intercontinental zu einem denkwürdigen Rendezvous. Krawietz wurde bei der Ehrungszeremonie von einem gewissen Roger Federer begrüßt, es kam sogar zu einem Smalltalk vor laufenden Kameras – und zu einem gemeinsamen Erinnerungsfoto mit dem Schweizer Giganten. „Da haben mir schon ein bisschen die Knie gezittert damals“, sagt Krawietz, „es war eine verrückte Sache.“

Aber die French Open 2019 haben nun das Zeug, noch ein bisschen verrückter zu werden in der Karriere von Krawietz (27). Und in der seines Doppelpartners Andreas Mies (28). Gut anderthalb Jahre, nachdem sie sich erstmals zum gemeinsamen Aufschlag im Wanderzirkus verabredet haben, stehen der Coburger Krawietz und der Kölner Mies vor einem geradezu unwirklichen Erfolg. Noch ein Sieg, am Samstag auf dem Centre Court gegen die Lokalmatadoren Jeremy Chardy und Fabrice Martin, und die beiden krassen Außenseiter wären tatsächlich die Champions der „Internationaux de France“ – die Titel-Helden der Grand Slam-Ausscheidungsspiele im roten Sand. „Wie diese Welle ins Rollen gekommen ist, das ist einfach nur Wahnsinn“, sagt Mies, die Kölner Frohnatur. Und Wahnsinn ist es wirklich, denn bisher bewegten sich die deutschen Tennis-Alliierten ganz überwiegend auf den kleineren Bühnen der Challenger-Serie umher. Selbst ein Sieg beim ATP-Wettbewerb in New York in dieser Saison war eher eine Randnotiz im Nachrichtenfluß des Welttennis. „Auf der Rechnung hatte uns in Paris ja keiner. Wir uns wohl auch nicht“, sagt Krawietz, einst einer der hoffnungsvollsten deutschen Nachwuchsspieler auch im Einzel.

Mies, der Logistiker im Team, hatte für den Trip nach Paris zunächst auch nur mit einer Woche Aufenthalt kalkuliert. Doch nach dem Siegeszug in der Pärchenkonkurrenz mussten er und Krawietz sich eine weitere AirBnB-Unterkunft in der Millionenmetropole suchen. Dort herrscht inzwischen Hochbetrieb, aus zwei Bewohnern seien „sage und schreibe neun“ geworden, sagt Mies, „alle wollen irgendwie dabei sein, Familie, Freunde.“ Auch bei den Shuttlefahrten zur Turnieranlage werde es „ziemlich eng“, man könne sich gerade noch „so reinquetschen“ in den Wagen. Aber egal, sagt Krawietz, „es ist gerade ein geiles Gefühl, das alles mitzuerleben. Auch für alle Bekannten und Verwandten.“

Abenteuer im Grand-Slam-Wunderland

Paris, diese French Open, es ist für Krawietz und Mies wie ein Märchen, ein Abenteuer im Grand Slam-Wunderland. „Plötzlich stehst du auf diesen riesigen Courts und denkst dir: Wo bist du eigentlich gerade“, sagt Mies. Der Rheinländer ist der emotionalere, engagiertere der beiden Überraschungstypen, die gerade als Nummer 49 und Nummer 50 der Rangliste die Hackordnung in der Doppelwelt durcheinander wirbeln. Krawietz ist der ruhigere, entspanntere, gelassenere Akteur. „Die Mischungs macht´s“, findet Krawietz, „wir passen perfekt zusammen.“ Mies sieht es genau so: „Kevin bringt die nötige Ausgeglichenheit mit, wenn es mal zu hitzig wird“, sagt der 28-jährige, „und wenn es zu beschaulich wird auf dem Court, gebe ich richtig Gas, sorge für Energie.“

Natürlich steht auch Geschichte auf dem Spiel – im letzten Spiel des Doppelwettbewerbs. Vor 26 Jahren rückten Marc-Kevin Goellner und David Prinosil als letztes deutsches Doppel in ein Grand Slam-Finale, sie scheiterten in Paris aber am amerikanischen Brüderpaar Luke und Murphy Jensen. Letzte deutsche Sieger zu zweit waren 1937 Gottfried von Cramm und Henner Henkel, in jenem Jahr in Paris und bei den US Open. „Es war eine verrückte Reise bis jetzt“, sagt Mies, „ich bin gespannt, ob wir dem Ganzen noch die Krone aufsetzen können.“ Also sich selbst.

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