Leichtathletik

Sprint-Star Julian Reus verlässt den TV Wattenscheid

Julian Reus.

Julian Reus.

Foto: Getty Images

Bochum.   Er lief die 100 Meter in 10,01 Sekunden. Jetzt wechselt er nach Erfurt. Der TV Wattenscheid verliert damit seinen prominentesten Athleten.

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Als Julian Reus vor drei Jahren in Ulm die 100 Meter in 10,05 Sekunden lief, da applaudierte auf der Tribüne Armin Hary, der große alte Mann der deutschen Leichtathletik, Olympiasieger des Jahres 1960. Reus hatte es geschafft, den deutschen Sprint aus einem Zustand leichter Dämmerung zu reißen. Nicht zuletzt, weil er den knapp 30 Jahre alten deutschen 100-Meter-Rekord des Magdeburgers Frank Emmelmann gleich mehrere Male verbesserte und mit seiner 10,01 im vergangenen Jahr der 10-Sekunden-Marke gefährlich nahe rückte. Doch jetzt diese Nachricht: Der schnellste Mensch Deutschlands verlässt die Region, um sein Glück im Osten zu finden. Julian Reus wechselt vom TV Wattenscheid 01 zum LAC Erfurt Top-Team.

„Für mich war das eine ganz seltsame Entscheidung”, sagt der 29-Jährige. „Normalerweise geht man, wenn etwas schlecht läuft oder nicht funktioniert. Das ist beim TV Wattenscheid aber nie so gewesen. Deswegen ist mir die Entscheidung sehr schwer gefallen. Ich bin so dankbar für all die Jahre.”

Schon 2008 nach Wattenscheid

Acht an der Zahl waren es im kräftigblauen Trikot der Wattenscheider. Bereits 2008 hatte der Traditionsverein tief im Westen Bochums das Talent des jungen Sprinters entdeckt und ihn von Erfurt an die Lohrheide gelotst. Abgerissen ist Reus’ Verbindung nach Erfurt allerdings nie. Der gebürtige Hesse verbrachte viel Zeit in Thüringen, wo er mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in der Nähe des Erfurter Steigerwaldstadions lebt. Hier hat er auch die meiste Zeit über trainiert.

Man gehe, das betont Wattenscheid-Manager Michael Huke, im Guten auseinander. „Sportlich und privat kann ich seinen Schritt absolut verstehen“, sagt Huke. In den vergangenen Jahren sei der TV Wattenscheid immer offen mit Julian Reus und dem Wechselthema umgegangen. „Es war klar: Wenn Erfurt dazu in der Lage ist, Julian so zu fördern, wie wir das konnten, dann werden wir ihm keine Steine in den Weg legen.“

Der harmonische Abschied ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass einer der bekanntesten Leichtathletikvereine Deutschlands einen sehr wichtigen Mann verliert. Keine andere Disziplin zieht im internationalen Geschäft so viel Aufmerksamkeit auf sich wie der Sprint. Bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften ist der 100-Meter-Lauf der Klassiker. Und Reus ist ein Mann, der zwar selbst nicht gerne über die magische 10-Sekunden-Marke sprechen mag, dem Experten aber durchaus zutrauen, als erster deutscher Sprinter diese knacken zu können.

Am stärksten auf deutschem Boden

Am stärksten war Julian Reus immer, wenn er auf deutschem Boden unterwegs war: Zwölf nationale Titel über 100 und 200 Meter stehen auf seiner Habenseite, dazu kommen fünf Titel in der Halle. International stieß Julian Reus allerdings an seine Grenzen. Zweimal Silber und einmal Bronze – jeweils mit der deutschen Staffel – bei Europameisterschaften können sich zwar sehen lassen und wurden von den Leichtathletik-Funktionären anerkennend zur Kenntnis genommen, aber in der Einzelkonkurrenz musste Reus doch fast immer recht früh die Segel streichen. Zuletzt bei den Olympischen Spielen in Rio 2016. Einzig bei der WM 2015 erreichte er das Halbfinale – als erster deutscher 100-Meter-Sprinter seit 1983.

In Erfurt wird Julian Reus mit offenen Armen empfangen. Das Top-Team wurde dort vor zwei Jahren gegründet, um die besten Athleten optimal fördern zu können. Ab dem 1. Januar auch Julian Reus.

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