Biathlon-Skandal

Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel: "Das wäre ein Totalschaden"

Unter Verdacht: Alexey Volkov gewann mit der Staffel bei den Weltmeisterschaften 2017 in Hochfilzen Gold.

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Unter Verdacht: Alexey Volkov gewann mit der Staffel bei den Weltmeisterschaften 2017 in Hochfilzen Gold.

Salzburg/Essen.   Biathlon-Weltverband soll Dopingfälle vertuscht haben. Präsident tritt vorläufig zurück. Generalsekretärin suspendiert. Hausdurchsuchungen auch in Deutschland.

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Der Biathlon-Weltverband IBU wird von einem Skandal erschüttert. Österreichische Behörden ermitteln gegen die IBU wegen Betrugs und Bestechlichkeit im Zusammenhang mit Doping. Konkret geht es um Schmiergelder in Höhe von 300 000 US-Dollar (242 000 Euro) und „erschwindelte Preisgelder“ von 35 000 Euro. Im Zentrum stehen der norwegische IBU-Präsident Anders Besseberg und die deutsche Generalsekretärin Nicole Resch (42) aus Thüringen. Der 72-jährige Besseberg ist für die Dauer der Ermittlungen von seinem Amt zurückgetreten, Resch wurde vorläufig suspendiert. Sollten die Vorwürfe stimmen, droht beiden Verantwortlichen sogar eine Gefängnisstrafe.

Wie norwegische Medien aus Ermittlerkreisen erfahren haben wollen, soll der 72-jährige Besseberg seit dem Jahr 2011 insgesamt 65 Dopingfälle von russischen Athleten verschwiegen haben. Dafür, das legen die bisherigen Ermittlungen nahe, soll Geld geflossen sein.

Am Dienstag hatte das Bundeskriminalamt den IBU-Sitz in Salzburg und den Wohnsitz von Besseberg in Norwegen durchsucht. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt wegen „der Anwendung verbotener Substanzen sowie Methoden zum Zweck des Dopings, schweren Betrugs im Zusammenhang mit Doping und der Geschenkannahme von Bediensteten“ gegen die beiden IBU-Funktionäre und Mitglieder aus dem russischen Team.

Im Blickpunkt steht die WM 2017 in Hochfilzen, wo die russische Männer-Staffel Gold und die Mixed-Staffel Bronze geholt hatte.

Die IBU steht seit längerem wegen des Umgangs mit dem russischen Dopingskandal in der Kritik. Das Weltcup-Finale im sibirischen Tjumen hatten deshalb einige Nationen boykottiert. Deutschland zählte nicht dazu.

„Vergleichbar mit dem Radsport“

„Man muss schon die Frage stellen, ob wir nicht konsequent hätten sein müssen, denn gerochen hat es doch damals schon“, sagt der Nürnberger Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel im Gespräch mit dieser Zeitung. Bereits bei Olympia seien Informationen an die Öffentlichkeit gelangt. Biathlon sei „keine Sportart von Entwicklungsländern in warmen Regionen mit hohem Korruptionsskandal“, sondern in Zentraleuropa sehr erfolgreich. „Jetzt zeigt sich, dass ein Weltverband ganz tief drinsteckt. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, wäre das vergleichbar mit dem Radsport. Das wäre diesmal ein Totalschaden für Biathlon.“

Die französische Zeitung Le Monde zitierte aus einem Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, wonach die IBU „alles getan habe, um Ermittlungen gegen Russland zu verhindern“. Hauptziel sei es gewesen, gedopte russische Athleten zu schützen.

Während sich Resch zurückhält, wies IBU-Präsident Besseberg die Vorwürfe von sich. „Ich meine, wir haben die Regeln eingehalten“, sagte er dem norwegischen TV-Sender NRK. Er habe deshalb den Ermittlern „alles“ gesagt, was er wisse. Der Norweger ist seit 1993 im Amt. Er hatte bereits angekündigt, im September nicht mehr kandidieren zu wollen. Soweit „nur“ Doping vorgeworfen wird, drohen Besseberg und Resch nach Angaben der WKStA Freiheitsstrafen bis zu sechs Monaten oder Geldstrafen bis zu 360 Tagessätzen. Für die Betrugsvorwürfe könnte es eine Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren geben, für Korruption bis zu fünf Jahren.

Auch in Deutschland kam es zu Hausdurchsuchungen, die im Zusammenhang mit denen in Österreich und Norwegen stehen. Der Deutsche Ski-Verband (DSV) zeigte sich entsetzt von den Entwicklungen. „Wir wurden komplett davon überrannt“, sagte DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach dieser Redaktion.

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