Tennis

Oberschenkelblessur stoppt Alexander Zverev im Viertelfinale

Ausgeschieden: Alexander Zverev.

Foto: Getty Images

Ausgeschieden: Alexander Zverev. Foto: Getty Images

Paris.  Was für ein bitteres Grand-Slam-Viertelfinale für Alexander Zverev. Gegen den Österreicher Dominic Thiem war er chancenlos, biss sich aber durch.

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Es wirkte schon wie ein Alarmzeichen, als sich Alexander Zverev im dritten Spiel des ersten Satzes an den linken Oberschenkel griff. Zverev wirkte irritiert, verunsichert, auch ein wenig ratlos. Er ahnte wohl schon, welchen Ausgang dieser Viertelfinal-Tag, dieses Match im grauen Paris nehmen würde, das größte Grand Slam-Match seiner Karriere gegen Dominic Thiem, den Freund und Kollegen. Und tatsächlich wurde nichts mehr besser für Zverev von diesem sehr frühen Moment an, es wurde nur immer schlimmer auf dem Centre Court, Spiel für Spiel, Satz für Satz. Nicht mal zwei Stunden dauerte es schließlich, bis der am Oberschenkel verletzte und gehandicappte Zverev ans Netz schreiten musste, als 4:6, 2:6, 1:6-Verlierer gegen Thiem. Die abenteuerliche Reise des Deutschen unterm Eiffelturm war zu Ende, mit einem bitteren Abschied und letzten dramatischen Sequenzen.

Zverev konnte nicht mehr Zverev sein

Verloren hatte Zverev zwar schwarz auf weiß gegen Thiem, aber verloren hatte er eigentlich gegen sich selbst – gegen die teils unnötigen Strapazen, die er sich in den Matches in der ersten Turnierwoche aufgeladen hatte. Drei Mal musste der 21-jährige Hamburger über die volle French Open-Distanz gehen, drei Mal musste er einen 1:2-Satzrückstand noch in einen schweißtreibenden Triumph verwandeln. Es war ein wiederholter Kraftakt, eine Ressourcenausbeutung, die ihm sein Körper dann doch übel nahm. Zverev konnte nicht mehr Zverev sein, als es in die zugespitzte Grand Slam-Phase ging – mit nur noch acht Anwärtern auf den Pariser Silberpokal. „Es sollte ein Lerneffekt für Sascha sein, Matches in der Startphase noch konzentrierter und effektiver zu spielen“, befand Boris Becker, nicht nur Herren-Abteilungsleiter des DTB, sondern auch ein Mentor Zverevs.

Fünfzehn Sätze lang, von der zweiten bis zur vierten Turnierrunde, war Zverev wie ein Wirbelwind über die Pariser Sandplätze gefegt, oft genug hatte er das Unmögliche möglich gemacht – und sich endlich, endlich auch auf einer der großen Tennisbühnen Respekt und Anerkennung verschafft. Aber es war des Guten zu viel, was Zverev da in der roten Erde veranstaltet hatte, dieses Zauberwerk an Comebacks – es fiel im schwersten Match, gegen den kompakten, klugen und konzentrierten Thiem auf ihn zurück. Gegen Thiem wäre es auch für einen beschwerdefreien Zverev äusserst schwierig geworden mit einem Erfolg, aber für einen angeschlagenen Zverev war es ein utopisches Vorhaben. „Es war natürlich hart für Sascha in dieser Verfassung. Er ist zwar einer der Fittesten überhaupt, aber diese Matches vorher, die kannst du nicht einfach so abschütteln“, sate Thiem.

Thiem spielte professionell abgeklärt weiter

Thiem blieb allerdings auch extrem cool und souverän in einer Situation, in der mancher Profikollege schon den Kopf und die Nerven verloren hat. Der Österreicher spielte professionell abgeklärt weiter, als befinde sich ein fitter und nicht ein angeschlagener Gegner auf der anderen Seites des Netzes. Es war wohl auch der größte Respekt, den er Kumpel Zverev erweisen konnte. In seiner gegenwärtigen Form scheint der 24-jährige Wiener ohnehin der einzige zu sein, der einen Siegeslauf von Rafael Nadal zum elften Roland Garros-Titel verhindern kann. Mit seiner dritten Halbfinal-Teilnahme bei den French Open in Serie hat er seine Rolle als Nadal-Kronprinz im Sandrevier jedenfalls beeindruckend unterstrichen und gefestigt. „Man kann nur den Hut ziehen vor Thiem. Er spielt hier schon wieder ein glänzendes Turnier“, sagte Schwedens früherer Superstar Mats Wilander.

Und der geschlagene Zverev? Er verschaffte sich Respekt bei diesem Grand Slam, es war ein Karriereschritt nach vorn für ihn, es war ein Durchbruch bei den Leuchtturm-Turnieren des Wanderzirkus. Dort, wo das Profil eines Spielers entscheidend aufgewertet werden kann, hat Zverev als French Open-Viertelfinalist erste wichtige Spuren hinterlassen – und angedeutet, dass er auch den ganz langen Weg gehen kann, bis hin zum Triumph und zur Nachfolge von deutschen Grand Slam-Siegern wie Becker oder Michael Stich. Auf den allerletzten Metern sammelte er auch Sympathien in Paris ein, die noch einmal wichtig werden können. Er gab nicht auf gegen Thiem, trotz Schmerzen und der Sorge, diese Verletzungsprobleme noch in den nächsten Saisonabschnitt auf Gras mitschleppen zu müssen. Er hatte auch als Verlierer noch etwas gewonnen, nämlich Anerkennung.

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