Super-Bowl-Sieg

Jetzt überragt Football-Legende Tom Brady sie alle

Tom Brady.

Tom Brady.

Foto: dpa pa

Houston.  Dieser Super-Bowl-Sieg macht den Quarterback endgültig zur Football-Legende. Historische Aufholjagd seiner Patriots. Jetzt kann Boston etwas erleben.

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Menschen wie Fleischberge hatten sich während des Spiels auf ihn geworfen, doch den effektivsten Angriff gegen seine Person bekam Tom Brady gar nicht mit. Es war ein heimtückischer Akt gegen den Quarterback der New England Patriots, weshalb er nach dem nicht minder als episch einzuordnenden 51. Super Bowl gegen die Atlanta Falcons auch ganz schnell wieder in die Realität zurückgeholt schien.

So, als wäre ihm gerade nicht das größte Comeback in der Geschichte der National Football League (NFL) gelungen, so, als hätten ihm die Falcons die fünfte Meisterschaft zunichte gemacht, stapfte der 39-Jährige aus der Umkleide im NRG-Stadion zu Houston und beklagte den Verlust seines weißen Trikots mit der blauen Zwölf. „Ich weiß, wo ich es hingetan habe“, grantelte Brady, „und jetzt ist es weg.“ So sah kein Mann aus, der sich soeben zum Besten aller Besten seiner Sportart aufgeschwungen hatte und zynisch bemerkte, das Meisterhemd vermutlich bald in einem Internet-Auktionshaus in den ursprünglichen Besitz zurückführen zu können.

24 Rekorde in einem Spiel

Der Football-Beau hat Geschichte geschrieben an diesem langen texanischen Sonntagabend. Ist Thomas Edward Patrick Brady nach dem 34:28-Sieg in der Verlängerung über die Falcons der beste Quarterback aller Zeiten? Darauf legte sich der „Boston Globe“ bereits fest, als er vor dem Spiel eine seitenfüllende Huldigung veröffentlichte – im Ressort Religion. Und zu dieser Erkenntnis kommt man auch, nachdem er nun fünf Super-Bowl-Ringe und damit einen mehr als sein Idol Joe Montana sowie Terry Bradshaw sein Eigen nennen darf. Zudem schenkte er dem Football eine noch nie gesehene Aufholjagd. Nie zuvor hat eine Mannschaft im NFL-Finale einen Rückstand von mehr als zehn Punkten aufgeholt – nur einer von 24 Rekorden in diesem Spiel. New England lag gegen Atlanta zur Pause mit 3:21, später sogar mit 3:28 scheinbar aussichtslos hinten.

„Es war unglaublich, es war spektakulär“, erklärte Brady mit rot-weiß-blauem Konfetti im verschwitzten Gesicht, nachdem er erneut nach 2002, 2004, 2005 und 2015 die Vince-Lombardi-Trophäe in Empfang genommen hatte, „jeder Titel war anders, aber jeder war zuckersüß.“ Der Gefolgschaft in Boston kündigte er einen Ausnahmezustand an: „Jetzt bringen wir das Ding nach Hause.“ Am Dienstag werden die Patriots in großen Wagen durch ihre Heimatstadt ziehen und feiern. Die Einwohner der Ostküstenstadt haben darin Routine, in diesem Jahrtausend sind ihre Profimannschaften Bruins (Eishockey), Red Sox (Baseball), Celtics (Basketball) und eben Patriots bereits zehn Mal als Champion heimgekehrt.

Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich Tom Brady immer wieder in den entscheidenden Phasen der Saison zu Höchstleistungen pushen kann. Bereits zu Collegezeiten fand der Ehrgeizling einen Weg, höchste Ansprüche und komplizierte Umstände in selbstmotivierende, aber doch aufs Einfachste reduzierte Phrasen umzuwandeln. „Ich habe nicht viel nachgedacht – nur, dass wir noch punkten müssen“, lautete sein Erfolgsrezept in Houston. Und sein Patriots-Trainer Bill Belichick bestärkte ihn in 17 gemeinsamen NFL-Jahren nur darin.

Vor dem 51. Super Bowl wurde Atlantas Matt Ryan als wertvollster Spieler der Saison ausgezeichnet. Der 31-Jährige lieferte auch gegen die Patriots anfangs eine an Perfektion grenzende Leistung, die Patriots wurden gedemütigt. Als den Finaldebütanten aber ein Ballverlust und eine schwerwiegende Fehlentscheidung aus dem Konzept gebracht hatten, führte Brady (466 Yards Raumgewinn, einer der 24 Rekorde) sein Team mit 19 Punkten im letzten Viertel in die erste Verlängerung eines NFL-Finals überhaupt. Die 70 000 Zuschauer, die im Schnitt 4000 Dollar für ihre Karte berappen musste, waren aus dem Häuschen.

Schwerkranke Mutter live dabei

„Er liebt es, genau das zu tun“, sagte der stolze Tom Brady senior über den Junior, „wenn die Zeit gekommen ist, steht er auf und legt los.“ Der Sohnemann, der noch zwei Jahre bei New England unter Vertrag steht und nicht als Aufhören denkt, war überwältigt davon, neben seiner Gattin Gisele Bündchen und den beiden Kindern auch den Vater und die schwer kranke Mutter Galynn im Stadion zu wissen, der er den Sieg widmete.

So blieb der Abschluss einer politisch sehr brisanten Super-Bowl-Woche den sportlichen Höchstleistungen vorbehalten. Lady Gaga ließ sich bei ihrer an sich beeindruckenden Halbzeitshow nämlich nur zu einem Protestchen gegen den von ihr wenig geschätzten US-Präsidenten Donald Trump hinreißen. Patriotische Lieder wie „God Bless America“ oder „This Land Is Your Land“ stimmte die Pop-Diva an. Es war nur ein leiser Versuch, die Zerrissenen Staaten von Amerika wieder zusammenzuführen. Aber das Getöse sollte an diesem Rekordabend ja nun auch berechtigterweise einem anderen Mann gelten: Tom Brady.

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