Tischtennis

Die Parallelen zwischen Boll und Federer sind erstaunlich

So jubelt die Nummer eins:  Timo Boll.

Foto: imago

So jubelt die Nummer eins: Timo Boll.

Essen.  Mit 36 hat Timo Boll es noch einmal an die Spitze der Tischtennis-Welt geschafft. Ähnliches gelang auch Tennis-Legende Roger Federer.

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Als der Schweizer Roger Federer am Dienstagabend in Monaco bei den Laureus World Sports Awards auf der Bühne stand, in Smoking und Fliege, um den Preis als Sportler des Jahres entgegen zu nehmen, schickte Timo Boll aus Deutschland eine Nachricht in die Welt. „Meinen Glückwunsch und großen Respekt“, schrieb Boll via Facebook. Ein Gruß der neuen Nummer eins im Tischtennis an die Nummer eins der Tennis-Welt.

Die Parallelen der Ausnahmesportler sind erstaunlich: Beide wurden 1981 geboren, beide gehören seit Beginn ihrer Karriere zur Weltspitze, beide standen schon in jungen Jahren ganz oben in der Weltrangliste (Boll mit 21, Federer mit 22). Beide wurden mit 36 Jahren erneut die Nummer eins, beide gelten als äußerst bescheidene und faire Sportler, beide sind die ältesten Weltranglisten-Ersten, die es je in ihrer Sportart gegeben hat.

Favorit bei Deutscher Meisterschaft

Als solcher ruht Timo Boll sich aber nicht aus. Am Samstag tritt er bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin zur Titelverteidigung an. Er braucht das nicht mehr. Mit elf Titeln ist er Rekordhalter. Doch er will. „Es hat den gleichen Stellenwert wie vorher“, sagt er. Natürlich ist Boll der Favorit. Für die Konkurrenz gilt nichts anderes, als die Nummer eins der Welt zu schlagen.

Der Odenwälder, der für Borussia Düsseldorf spielt, liebt den Sport. Er versteht Tischtennis wie kein Zweiter. Auch wenn er nicht die Schlaghärte hat wie die dominierenden Chinesen, so hat er eine andere Fähigkeit. Eine, die Bundestrainer Jörg Roßkopf so beschreibt: „Er zerlegt das komplette System eines Gegners.“ Und darauf kommt es an. So schaffte Boll 15 Jahre nach seinem ersten Sprung an die Spitze der Weltrangliste erneut das Kunststück, ganz oben zu landen.

Aber: Er profitiert auch von einer neuen Berechnungsregel der Weltrangliste. Grob gesagt gilt: Wer viel und gut spielt, kommt nach oben. „In der alten Weltrangliste hätte ich wahrscheinlich nicht noch einmal die Chance gehabt, die Nummer eins zu werden“, sagt Boll, „vorne war Ma Long als Weltmeister und Olympiasieger längst enteilt.“

Boll: "Ich habe unfassbar gut gespielt"

Doch große Titel werden nicht mehr so gewichtet wie früher. Und Timo Boll war zuletzt im Fluss. „In den vergangenen zwölf Monaten habe ich unfassbar gut gespielt.“ Eine Auswahl: Er gewann die Korea Open, wurde Team-Europameister, stand im World-Cup-Finale. Der Lohn ist der erneute Titel: Nummer eins der Welt.

Dieses Gefühl kennt auch Roger Federer. Angesprochen auf die Parallelen lacht Timo Boll am anderen Ende der Telefonleitung geschmeichelt auf. „Das ist ein schöner Vergleich für mich“, sagt er. „Es ist schön, dass unsere Karrieren so lange so erfolgreich verlaufen und wir den Spaß nicht verloren haben.“ Boll und Federer kennen sich nicht persönlich. Doch Boll meint: „Er ist ein feiner Kerl, einer, dem man nacheifern kann.“ Dieser Satz, er hätte auch über Timo Boll fallen können.

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