Vierschanzentournee

Bei Skispringer Freitag führt Sturz-Drama zur Enttäuschung

Richard Freitag trug bei seinem Sturz eine Verletzung davon.

Richard Freitag trug bei seinem Sturz eine Verletzung davon.

Foto: dpa

Innsbruck.   Richard Freitag scheidet bei der Vierschanzentournee in Innsbruck vorzeitig aus. Kamil Stoch nimmt Kurs auf den Rekord von Sven Hannawald.

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Als Kamil Stoch in der Sporthalle der Pädagogischen Hochschule von Innsbruck auf der Empore Platz nahm, um zum dritten Mal bei dieser Vierschanzentournee von seinem Tagessieg vorzuschwärmen, da machte der Pole einen bedrückten Eindruck.

Es war etwas anders als zuvor in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen, genauer gesagt: gleich neben ihm zu seiner rechten Seite. Dort fehlte nämlich als Zweitplatzierter diesmal Richard Freitag.

Der einzige Skispringer, der Stoch den Gesamtsieg noch hätte entreißen können, war zeitgleich zur Untersuchung in einem Krankenhaus. Auch wenn den Polen nur ein ähnliches Missgeschick von seiner Titelverteidigung abhalten könnte, empfand er nach dem Sturzes des ärgsten Konkurrenten keine Genugtuung: „Es ist traurig“, sagte Stoch, „man wünscht keinem Konkurrenten einen Sturz.“

Das Bild, das Polens Volksheld noch immer vor dem geistigen Auge hatte: wie Richard Freitag vor der Sturzlinie der Bergiselschanze rücklings im Schnee lag, die Arme über dem Kopf zusammengeführt, die Skier vom Körper abstehend. Im Wissen, dass es das war mit der Tourneewertung. In Ungewissheit, welche Verletzung wohl der Grund für die Schmerzen sein könnte.

Hüfte nach dem Sturz lädiert

Nur die Hüfte war lädiert. Aber das Sturz-Drama hat bereits vor dem letzten Springen in Bischofshofen am Samstag (17 Uhr/ARD) zur Entscheidung dieser Tournee beigetragen. Dem überragenden Stoch ist Platz eins kaum mehr zu nehmen.

65 Punkte liegt der Pole (833,2) vor Andreas Wellinger, der in Innsbruck Tagesdritter wurde. Aber das geriet zur Nebensächlichkeit.

Freitag hatte für seinen Sprung sehr gute Bedingungen. Aufwind nämlich, der die Skispringer weit hinunter trägt, allerdings wie diesmal bei 130 Metern in Landezonen, die vom Dauerregen aufgeweicht sind und bei diesiger Sicht keine Konturen mehr bieten. Freitags Skier lagen hinten überkreuz, sein rechtes Bein scherte aus, das linke Knie knallte auf den Schnee. Immerhin: Den Innenraum verließ der 26-Jährige eigenständig.

„Diese Schanze ist für eine solche Wettkampfführung nicht geeignet“, hatte Bundestrainer Werner Schuster sogleich einen Schuldigen an der Tragödie ausgemacht: den Technischen Delegierten Geir Steinar Loeng. Der Norweger, der im Sinne der Show weite Sprünge liebt, war schon für das Frauenspringen Mitte Dezember in Hinterzarten zuständig, bei dem sich Svenja Würth das Kreuzband gerissen hatte. Zu viel Anlauf bedeutet zu viel Risiko für die Gesundheit. „Meine Kritik würde ich noch 17-mal wiederholen“, beharrte Schuster, obwohl Freitags Sturz die Ausnahme blieb.

Konkurrenz gibt auf

Den Anlauf aus Eigenantrieb zu verkürzen, war zudem ein Wagnis. Schuster: „Der internationale Ski-Verband übt da starken Druck auf uns Trainer aus, weil Richard dann 95 Prozent der Schanzenweite springen muss.” In Innsbruck beträgt diese 130 Meter, 123,5 Meter wären also nötig gewesen, um Punktabzüge zu umgehen. Stoch startete eine Luke tiefer – und hielt sich bei ebenfalls 130 Metern soeben auf den Skiern. „Solche Entscheidungen überlasse ich dem Werner und der Jury”, erklärte Wellinger, mit 133 Metern gestern der weiteste Springer.

Wellinger ist nun der letzte deutsche Trumpf, um Stoch den Vierfachsieg zu vermiesen. „65 Punkte Vorsprung?”, fragte der 22-Jährige. „Kamil kann sich nur noch selbst schlagen. Aber das passiert nicht.“

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