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Ausgerechnet Ruta Meilutyte droht eine Sperre

Ruta Meilutyte aus Litauen

Ruta Meilutyte aus Litauen

Foto: Juanjo Martin

Essen.  Olympiasiegerin Ruta Meilutyte droht eine Sperre, weil sie drei Dopingkontrollen verpasst hat. Ihre Olympia-Teilnahme 2020 gerät damit in Gefahr.

Gestaunt haben die Leute schon, als Ruta Meilutyte zum ersten Mal auftauchte. Olympia 2012, Meilutyte springt im Finale über 100 Meter Brust ins Londoner Becken. 1:05,47 Minuten später ist sie Olympiasiegerin, mit 15 Jahren. Erschütterung in ihrem Gesicht, Verwunderung auf den Tribünen: Wer ist denn die? Das Teeny-Mädchen, das damals kaum jemand kannte, ist dann später noch Weltrekorde geschwommen und zu weiteren Medaillen. Doch nun staunt man wieder: Der Litauerin droht eine Sperre wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Richtlinien. Ausgerechnet ihr, der Anti-Doping-Kämpferin?

Meilutyte könnte bis zu zwei Jahre gesperrt werden

Wie Litauens Schwimm-Verband auf seiner Homepage bekanntgab, war Meilutyte am 22. April, 19. August 2018 sowie am 28. März 2019 bei unangekündigte Dopingkontrollen nicht auffindbar. Drei Verstöße innerhalb von zwölf Monaten sind keine positive Probe, aber eben doch ein Vergehen. Die 22-Jährige habe die Verantwortung dafür bereits auf sich genommen. Ihre angegeben Aufenthaltsorte hatte sie nicht eingehalten und Änderungen nicht im ADAMS-System der Welt-Anti-Doping-Agentur eingetragen. „Es ist sehr enttäuschend, dass so eine Regelverletzung von jemandem kommt, der diese Daten seit 15 Jahren erheben muss“, sagte Emilis Vaitkaitis, Präsident des Litauischen Schwimm-Vebandes, „eine Athletin, die unzählige Male getestet wurde und sich immer laut für sauberen Sport ausgesprochen hat.“ Meilutyte könnte nach Anhörung vom Schwimm-Weltverband Fina nun für ein bis zwei Jahre gesperrt werden, was nicht nur für die anstehende WM im Juli in Gwangju (Südkorea) relevant wäre, sondern auch für Olympia 2020 in Tokio. Viel gefährlicher ist der Vorfall aber für ihre Reputation: Was hat man nun zu halten von der Frau, die bislang zu den größten Rivalen von Dopingsündern gehörte?

Damals in London war Meilutyte manch einem unheimlich vorgekommen, weil sie innerhalb von wenigen Monaten plötzlich zwei Sekunden schneller unterwegs war. In ihrer Karriere musste sie sich immer wieder mit dem Thema Doping auseinandersetzen: Mit der Russin Julija Jefimowa lieferte sie sich die erbittertsten Kämpfe. Um Rekorde, Medaillen und auch die Methoden, wie diese zu erringen seien. Jefimowa war 2013 auf ein anaboles Steroid positiv getestet worden, tauchte pünktlich zur Schwimm-WM 2015 wieder auf und sagte über ihre Zwei-Jahres-Sperre: „Ich vergleiche das immer mit dem Autofahren. Wenn Sie einen Führerschein haben, fahren sie irgendwann auch mal zu schnell, dann bekommen sie ein Knöllchen." Was Meilutyte dann so richtig aufbrachte: „Ich habe sie immer respektiert, aber jetzt sehe ich sie nicht mehr als aufrichtige Konkurrentin an.“

Früher Olympiasieg hinterlässt Spuren bei Meilutyte

Bei Olympia 2016 in Rio wurde sie noch deutlicher: „Ich finde, Julia hätte hier nicht antreten dürfen. Es fühlt sich nicht gut an, wenn saubere Athleten gegen Betrüger antreten.“ In Rio war das Misstrauen unter den Athleten so groß wie nie zuvor: Jefimowa gewann über 100 Meter Brust Silber hinter der Amerikanerin Lilly King, die ihr den Handschlag verweigerte und sich ebenfalls öffentlich gegen ihren Start aussprach. Die Fina und der Internationale Sportgerichtshof Cas hatten Jefimowa kurzfristig zugelassen – trotz Erkenntnissen zum russischen Staatsdoping und neuerlicher Zweifel an der Sauberkeit Jefimowas.

Abseits davon führte Meilutyte ihre ganz eigenen Kämpfe. 2018 gab sie bekannt, an Depressionen zu leiden. Der frühe Olympiasieg hatte Spuren hinterlassen, allzu hoch sei der Erwartungsdruck für weitere Medaillen. Darüber nicht mehr nachdenken zu müssen, könnte ihr nun erstmal abgenommen werden.

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