Mode

Deutscher Olympia-Dress - Hingucker oder Bonbon-Outfit?

Fechterin Britta Heidemann (M.) präsentiert mit Models und anderen Athleten die Kleidung der Athleten für die Olympischen Sommerspiele in London.

Fechterin Britta Heidemann (M.) präsentiert mit Models und anderen Athleten die Kleidung der Athleten für die Olympischen Sommerspiele in London.

Foto: dapd

Essen/Washington.   In Pink und Knallblau werden die Deutschen bei den am 27. Juli beginnenden Spielen auflaufen. Ein Hingucker dürften die grellen Bogner-Jacken allemal sein. In den USA ist das Thema Olympia-Kleidung sogar zum Politikum geworden.

Die Kleidung wird gestellt, für den Schmuck muss jeder selbst sorgen. Anbieten würden sich die Farben Gold, Silber oder Bronze, am besten in Medaillenform. Doch das liegt in den Händen der Athleten. Für alles, was bis jetzt passierte, ist Willy Bogner zuständig. Der Modeschöpfer und ehemalige Olympia-Skifahrer kleidet seit Jahrzehnten die deutschen Sportler für die Winterspiele ein. Dieses Mal wird auch bei den Sommerspielen das berühmte „B“ am Reißverschluss baumeln. Damit hat der erste Wettkampf bereits begonnen: Welche Nation gewinnt das Rennen um die schickste Kollektion?

Pink für die Mädchen, Blau für die Jungs

In Pink (die Frauen) und Knallblau (die Männer) werden die Deutschen am 27. Juli bei der Eröffnungsfeier in London auflaufen. Man sieht die Kritiker bereits im Fernsehsessel sitzen und spotten. Seit die Olympia-Mode Ende April in Düsseldorf vorgestellt wurde, lästern sie: Die Jacken mit ihrem glänzenden Stoff erinnerten an Ski-Anoraks aus den Achtzigern. (Mal ehrlich: Man kennt doch das Wetter in London. Schaden kann das nicht. . .) Pink für die Mädchen und Blau für die Jungs sei zu plump. Und außerdem: Wir sind doch die Schwarzrotgoldenen und nicht der Bonbon-Kader.

Der Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts in Köln, Gerd Müller-Thomkins, kann die Meckerei nicht verstehen. Er findet das Outfit überhaupt nicht daneben: „Bogner ist sehr trendsicher vorgegangen.“ Knallige Jacken treffen auf weiße Hosen, das sei das perfekte Zusammenspiel von Farbe und Nicht-Farbe. „Es wird über Olympia hinaus haltbar sein und die Mode noch 2013 prägen.“

Armani startet für Italien

Fern jeder Kritik steht eines ohnehin fest: Mit den grellen Farben dürften unsere Athleten gut zu erkennen sein. Fernsehzuschauer werden nicht lange suchen müssen, um sie in dem Meer von Sportlern aus über 200 Teilnehmerländern ausfindig zu machen. Davon geht auch Michael Vesper aus. Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes sagt: „Deutschland wird ein Hingucker sein.“ Womit man auch rechnen konnte, denn Bogners Olympia-Kollektionen bestachen noch nie durch eine dezente Linie.

Aber nicht nur in Deutschland wird die olympische Kleider-Frage so ernst genommen. Viele Nationen haben ebenfalls berühmte Designer ins Rennen geschickt. Stella McCartney startet für Großbritannien, Ralph Lauren für die USA, Giorgio Armani für Italien. Die Italiener, ohnehin kein Volk modischer Fehlgriffe, treten bei den offiziellen Anlässen elegant auf, in einem Mitternachtsblau mit goldenen Details. Clou: Auf das Innenfutter ihrer Jacken ist der Text der Nationalhymne gedruckt. Da hat man schon Szenen vor Augen, in denen ein textunsicherer Italiener in seiner Not mit dem Kopf in die Jacke abtaucht, um mitsingen zu können ...

US-Politiker meckern, weil Ralph Lauren in China produziert

In den USA ist das Thema Kleidung gar zum Politikum geworden. Die US-Olympioniken werden in London in Anzügen auftreten, die zwar von ihrem Landsmann Ralph Lauren entworfen, aber in China geschneidert worden sind. Um zu beschreiben, wie unentspannt das amerikanisch-chinesische Verhältnis geworden ist, nehmen US-Medien den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney in Anspruch. Der Multi-Millionär lässt keine Gelegenheit aus, dem Riesenreich mit einem Handelskrieg zu drohen, wenn Peking in Sachen Handel und Währung nicht beizeiten wettbewerbsverzerrende Maßnahmen einstellen sollte.

Harry Reid, Senator aus Nevada, muss Romneys Anti-China-Präsenz sehr gewurmt haben. Den Umstand, dass die US-Olympioniken in Jacken und Hosen mit dem Etikett „made in China“ bei der Eröffnungszeremonie auflaufen werden, nutzte der Demokrat und frühere Boxer jetzt zu einem patriotisch grundierten Rundumschlag. „Alle Uniformen auf eine Haufen werfen und verbrennen!“, verfügte Reid mit wütender Stimme und verlangte, dass darbende amerikanische Schneider-Firmen wie Hickey Freeman den Auftrag bekommen sollen. Der Adressat, das Olympische Komitee der USA, gab klein bei. 2014, wenn Modezar Lauren vor den Winterspielen im russischen Sotschi wieder die Garderobe zu entwerfen hat, sollen auf amerikanischem Boden die Nähmaschinen angeworfen werden.

Übrigens: Bogner lässt weltweit produzieren, auch in China.

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