Nachruf

Sie lebte fürs Ringen: Yvonne Englich stirbt mit 38 Jahren

Eine starke Ringerfamilie: Als Mirko Englich Olympia-Silber gewann, stand Yvonne mit den Kindern stets eng an seiner Seite.

Foto: Hans-Dieter Thomas

Eine starke Ringerfamilie: Als Mirko Englich Olympia-Silber gewann, stand Yvonne mit den Kindern stets eng an seiner Seite. Foto: Hans-Dieter Thomas

Witten.   Yvonne Englich wird nur 38 Jahre alt. Deutsche Meisterin war auf der Matte kaum zu schlagen. Der Kampf gegen Krebs war aber nicht zu gewinnen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Selbst die größte Kämpferin hat irgendwann nicht mehr die Kraft, sich gegen einen solchen Gegner zur Wehr zu setzen. In der Nacht zu Montag verstarb Yvonne Englich, die dreimalige Deutsche Meisterin im Freistilringen. Die gebürtige Baden-Württembergerin wurde nur 38 Jahre alt.

Ein Leben für den Ringersport, und das mit Leib und Seele. Selten hat es wohl im deutschen Sport eine Frau gegeben, die mit einer solchen Hingabe ihre Ziele verfolgt hat. Wobei ihr der größte Wunsch verwehrt blieb: ein Start bei den Olympischen Spielen. Sie hatte alles versucht, wollte 2012 ihre erfolgreiche aktive Laufbahn mit einem Platz im Olympia-Kader in London krönen – letztlich aber scheiterte sie auf der Zielgeraden, schaffte nicht die erhoffte Qualifikation. Zwischenzeitlich war sie sogar mit ihrem Mann Mirko Englich ins brandenburgische Leistungszentrum nach Frankfurt/Oder gezogen, um dort alles den sportlichen Ambitionen unterzuordnen. Unter ihrem Geburtsnamen Hees landete die Ringerin seinerzeit noch für ihren Heimatverein SC Korb startend die ersten bedeutenden Erfolge. 1997 gab’s bei der Junioren-EM die Silbermedaille – erstmals stand sie bei einem so großen Turnier auf dem Podest. Erneut Vize-Europameisterin wurde Yvonne Englich 1999, schaffte im gleichen Jahr bei den Weltmeisterschaften der Juniorinnen Rang drei. Den ersten von drei nationalen Titeln holte sie im Jahr 2002 – kurz zuvor war sie der Liebe wegen ins Ruhrgebiet gezogen. Es folgten die DM-Triumphe 2008 und schließlich 2011 in Freiburg – unweit ihrer Heimat, was ihr ein besonderes Anliegen war.

EM-Bronze in Dortmund

Bei den Europameisterschaften in Dortmund gewann Yvonne Englich im gleichen Jahr die Bronzemedaille, ihr wohl größter Erfolg, und das als mittlerweile zweifache Mutter. Während sie ihren Sohn Noah und dann ihre Tochter Lotta zur Welt brachte und sie aufzog, konnte sich parallel ihr Mann Mirko Englich seinen eigenen sportlichen Traum erfüllen, gewann Olympia-Silber 2008 in Peking. Unvergessen die Bilder, wie Yvonne und ihre Sprösslinge nach dem Finalkampf gemeinsam mit Mirko diesen einzigartigen Moment in Peking feierten.

Kennengelernt hatte sich das Sportler-Paar vor mittlerweile rund 18 Jahren, als Mirko Englich seinerzeit seine Schwester Nina als Betreuer zur Deutschen Meisterschaft nach Sachsen begleitete. „Damals hat dieses rothaarige Energiebündel unseren Mirko in den Schwitzkasten genommen“, erinnert sich dessen Vater Detlef augenzwinkernd.

Es entstand daraus eine bemerkenswerte Partnerschaft zweier Leistungssportler, denen es eindrucksvoll gelang, Familie und Sport miteinander zu verbinden. Zuletzt hinterließ Feuerwehrfrau Englich, die mit ihrer resoluten Art bisweilen auch mal auf Verbandsebene aneckte, auch merklich ihre Spuren beim KSV Witten 07. Die Jugendarbeit des Traditionsvereins hievte sie mit ihrer beharrlichen, erfolgsorientierten Arbeit auf ein neues Niveau, verlangte von den KSV-Talenten immer hundertprozentigen Einsatz.

Gekennzeichnet von ihrer schweren Krebserkrankung zog sie sich zuletzt aber immer mehr zurück, versuchte die letzten Wochen und Monate im Kreise ihrer Familie so gut es ging zu genießen. Das letzte gemeinsame Weihnachtsfest war für die leidenschaftliche Ringerfamilie wie ein Geschenk, am Wochenende erlebte Yvonne Englich auch noch den elften Geburtstag ihrer Tochter Lotta. Der deutsche Ringkampfsport, auch der KSV Witten 07 und der SC Korb, verlieren mit Yvonne Englich eine leidenschaftliche Sportlerin, die ihren Weg bis zuletzt konsequent verfolgte. Nur den Kampf gegen den Krebs, den konnte sie einfach nicht gewinnen.

Die Beisetzung ist am Freitag (12.1.) um 14 Uhr auf dem ev. Friedhof auf dem Schnee (Hackertsbergweg).

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik