BASKETBALL

Witten: Gary Johnson geht in seinem Trainer-Job auf

Gibt seinen Spielern (hier Sadiq Ajagbe vom BSV Wulfen) Tipps aus erster Hand: Der US-Amerikaner Gary Johnson (re.) hat in einigen Profivereinen gespielt, macht sich nun auch gut als Trainer.  

Gibt seinen Spielern (hier Sadiq Ajagbe vom BSV Wulfen) Tipps aus erster Hand: Der US-Amerikaner Gary Johnson (re.) hat in einigen Profivereinen gespielt, macht sich nun auch gut als Trainer.  

Foto: Joachim Lücke

Dorsten/Witten.  In Witten hat der US-Amerikaner seine neue Heimat gefunden. Als Trainer des Basketball-Clubs BSV Wulfen legte er eine gute erste Saison hin.

Gary Johnson hat seinen Vertrag beim Basketball-Erstregionalligisten BSV Wulfen um ein Jahr verlängert. Der US-Amerikaner ist aber nicht nur auf der relativ großen Bühne unterwegs, sondern kümmert sich auch in seiner Heimatstadt Witten um die Nachwuchs-Korbjäger.

Für den 39-Jährigen ist der BSV Wulfen die zweite Trainerstation. In seiner ersten Saison im Dorstener Norden hat er alle Ziele erreicht: „Als Aufsteiger wollten wir die Klasse halten, und das haben wir schnell geschafft.“ Bis zum viertletzten Spieltag hatte seine Mannschaft sogar die Chance auf die Play-Offs. Da die Saison aber aber vor dem letzten Spieltag abgebrochen wurde, spielt das im Nachhinein nur eine untergeordnete Rolle.

Erste Station als Profi in Europa war bei UCC Demons in Cork (Irland)

Für den aus Tuscaloosa (Alabama) stammenden Johnson bedeutete der Umzug auf die Trainerbank eine gewaltige Umstellung. In den USA war er erst im Team des Schoolcraft Colleges in Michigan am Ball. In seinen zwei Jahren an der University of Central Florida hinterließ der Aufbauspieler einen bleibenden Eindruck und wurde 2008 zum 40-jährigen Jubiläum der Mannschaft unter die besten 40 Spieler der Teamgeschichte gewählt. Seine erste Profi-Station in Europa waren 2005 die UCC Demons im irischen Cork. Nach einem Jahr wechselte er zur BG Südpark Bochum und 2007 zum SV Derne nach Dortmund. In den beiden Spielzeiten in der 1. Regionalliga hinterließ er einen dermaßen guten Eindruck, dass der Pro-A-Zweitigist BV Chemnitz auf ihn aufmerksam wurde. Er schlug so gut ein, dass er zum besten Aufbauspieler und Verteidiger der Saison gewählt wurde.

Es folgten weitere Pro-A-Jahre in Bochum, Oettingen und Essen, bis Johnson dann in Bochum in der Pro-B seine aktive Karriere beendete. Nach einem Trainerjahr in Bochum folgte der Wechsel in den Dorstener Norden nach Wulfen. Die Umstellung vom Spielerdasein zum Chef auf der Bank sei schon gravierend gewesen: „Als Spieler habe ich meist nur um mich selbst gekümmert. Als Trainer beschäftige ich mich die ganze Woche mit meiner gesamten Mannschaft. Zudem sehe ich mir auch die Videoaufnahmen der kommenden Gegner an und ziehe meine Schlüsse daraus. Das ist wirklich äußerst komplex.“

Team des BSV Wulfen bereitet dem Amerikaner viel Freude

Gary Johnson hat eine eigene Philosophie, eine Mannschaft zu leiten: „Ich lege sehr viel Wert darauf, dass meine Spieler ihre eigenen Entscheidungen treffen. Die grundsätzliche Taktik gebe ich natürlich vor, doch ob ein Spieler wirft oder einen Pass spielt, das überlasse ich im selbst. So lernt ein Basketballer, schnell zu denken und zu reagieren.“ Johnson hat es in Wulfen in Bezug auf seine Vorstellungen vom schnellen, attraktiven Basketball gut getroffen: Acht Spieler des BSV-Kaders sind noch jünger als 22 und einige auch noch unter 20: „Die Jungs sind sehr ehrgeizig, und Spieler wie Alexander Winck oder Jonas Kleinert haben einen Riesenschritt gemacht.“

Das Team hat ihm viel Freude bereitet. Zu Beginn der Saison gelangen Sieg gegen den Meisterschafts-Favoriten, der BSV gewann nach vielen Jahren erstmals wieder das Lokalderby gegen die BG Dorsten und nach einem starken Januar winkten sogar die Play-Offs. Der BSV beeilte sich aufgrund dieser Erfolge, sich die Dienste Johnson weiter zu sichern und verlängerte im Februar den Vertrag um ein Jahr.

Als Gesamtschullehrer jetzt im Home Office

Gary Johnson, der an einer Gesamtschule in Bochum Englisch und Sport unterrichtet, lebt seit knapp elf Jahren mit seiner Frau Madeleine und den Kindern Mylee (10) und Mio (2) in Witten. Da bleibt es nicht aus, dass er sich auch in der Ruhrstadt um das Spiel mit der orangenen Kugel kümmert und ein besonderes Auge auf junge Talente wirft: „Ich habe sehr viel Kontakt zu den Witten Baskets. Wenn ich Zeit habe, trainiere ich sogar aus Spaß mit der zweiten Mannschaft.“

Wegen des Coronavirus ist der Spielbetrieb im Basketball inzwischen beendet, das Ostercamp der SG Witten Baskets musste abgesagt werden. Johnsons Aufgaben als Lehrer erfüllt er nun im Home Office. Das Mannschaftstraining des BSV Wulfen liegt natürlich auch vorerst brach: „Wir hätten ohnehin bald Trainingspause gehabt. Es ist nun eine Zeit, die man zu Hause mit der Familie verbringen sollte. Sollte das Virus noch länger grassieren, muss ich natürlich individuelle Trainingspläne entwerfen. Die Spieler sind ehrgeizig genug, diese auch einzuhalten. Bis dahin werden noch einige Wochen vergehen, in denen ich mich meiner Frau und den Kindern widme.“

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