JUGENDFUSSBALL

Witten: FSV-Koordinator fürchtet Belastung für Vereine

Aktuell auf Platz acht mit seinen B-Junioren: Konstantinos Siatiris (Mitte) vom Bezirksligisten FSV Witten.

Aktuell auf Platz acht mit seinen B-Junioren: Konstantinos Siatiris (Mitte) vom Bezirksligisten FSV Witten.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Nach der Corona-Krise rechnet Peter Avermann-Kaufmann (FSV Witten) nicht mehr mit einer Beendigung der Jugendfußball-Spielzeit.

Im Profifußball und auch bei den Senioren sind die durch die Corona-Krise verursachten Probleme schon viele Male diskutiert worden. Doch auch der Nachwuchsfußball ist von der Kontaktsperre betroffen. Peter Avermann-Kaufmann, erfahrener Jugendfußball-Koordinator beim FSV Witten, sieht da einige Probleme auf den Jugendbereich zukommen.

Der 67-Jährige, der schon als Jugendbetreuer beim Bundesligisten Borussia Mönchengladbach tätig war, glaubt nicht, dass die Jugendmannschaften ihre Spielzeiten in den einzelnen Ligen noch beenden können. Für den FSV sei das logistisch so gut wie gar nicht zu stemmen: „Wir haben 16 Jugendmannschaften, die wir so eben noch auf unserer Anlage unterbringen können. Wenn wir noch Nachholspiele in die Wochenmitte packen sollen, dann ist das tatsächlich nicht mehr zu schaffen.“

Vorschlag: Aktuellen Tabellenstand verwenden

Sein Vorschlag wäre, die Tabelle jetzt einzufrieren und die Auf- und Abstiege nach dem Status Quo zu regeln: „Das ist vielleicht nicht gerecht, aber praktikabel. Die Vereine brauchen eine Planungssicherheit für die kommende Saison.“ Avermann-Kaufmann hat bei diesem Vorschlag nicht die Vereinsbrille auf. Zwar wäre seine C2-Mannschaft somit aufgestiegen in die A-Kreisliga, aber andere FSV-Teams in aussichtsreicher Situation müssten ihre Ambitionen auf Eis legen.

Abseits der formalen Notwendigkeiten innerhalb der Verbände macht sich der Übungsleiter größere Sorgen um die Situation in den Vereinen: „Finanziell kommen die Clubs an die Grenzen, denn die Kosten laufen weiter. Wir Betreuer beim FSV verzichten auf einen Teil der Aufwandsentschädigungen, doch die Einnahmesituation ist katastrophal.“ Er denkt da nicht nur an die ausgefallenen Einnahmen bei den Meisterschaftsspielen: „Die Vereinsheime sind auch geschlossen. Es sind immer nur ein paar hundert Euro, doch für Amateurclubs sind die Grenzen schnell erreicht.“

Krise beeinflusst auch neues Spieljahr

Zudem denkt er an die Familien der Spieler: „Wenn Eltern arbeitslos werden und weniger Geld zur Verfügung haben, kann auch der Beitrag zu einer nicht stemmbaren Belastung werden.“ Einige der Spieler der Bezirksliga-C-Jugend kommen aus Bochum oder Dortmund, und auch da befürchtet Avermann-Kaufmann finanziell begründete Abmeldungen. Doch nicht nur die laufende Saison, sondern auch die kommenden Spielzeit werde unter der Corona-Krise zu leiden haben. Im Frühling beginnen die Personalplanungen für die neuen Spielzeiten. Gerade die C-Junioren und die B-Junioren könnten ihre Kader nicht vereinsintern planen, sagt Avermann-Kaufmann: „Wir sind zwar sehr gut aufgestellt, und die Leistungslücken zwischen den Erst- und Zweitmannschaft sind nicht sehr groß, aber ein paar Spieler von auswärts brauchen wird wohl.“ So habe man vor zwei Wochen zwei Torhüter getestet: „Ein Probetraining reicht aber nicht. Wann die Jungs wieder zu uns kommen können, ist bislang nicht sicher.“

Auch aus der Fahrt nach Barcelona wird nichts

Für die Nachwuchskicker des FSV Witten fallen auch ein paar Events abseits des Fußballplatzes aus. So fällt einen geplante Fahrt nach Barcelona aus. Auch das Treffen mit den Jugendlichen aus der polnischen Partnerstadt Tczew fällt flach. Avermann-Kaufmann denkt dabei auch an seine eigene Gesundheit: „Da kommen wir mit 60 Jugendlichen zusammen. Ich liege mit 67 Jahren in der Risikogruppe, und auf die Gefahr will ich mich nicht einlassen.“

Ganz ohne Training müssen die FSV-Fußballer aber nicht auskommen. So hat der Trainer ein Joggingprogramm für seine Kicker auf die Beine gestellt: „Zudem habe ich Übungen für die Stabilisation der Muskeln zusammengestellt. Die überprüft mein Co-Trainer Sinan Sari regelmäßig mit einer App. Somit sind wir nicht unvorbereitet, wenn es doch irgendwann weiter gehen sollte. So schnell rechne ich aber nicht damit.“

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