TRIATHLON

„Viele haben ihr Niveau falsch eingeschätzt“

Mit dem Bundesligisten „asics Team“ Witten wurde Matthias Zöll (2. von re.) mehrfach Deutscher Triathlonmeister.

Mit dem Bundesligisten „asics Team“ Witten wurde Matthias Zöll (2. von re.) mehrfach Deutscher Triathlonmeister.

Foto: Foto: Tanja Schneider

Witten.   Beim Bundesligisten „asics Team“ Witten war Matthias Zöll als Aktiver erfolgreich, jetzt ist er Geschäftsführer der Deutschen Triathlon-Union.

Als Aktiver gehörte er zu den Beständigsten seinerzeit beim „asics Team“ Witten, das national zur Spitze des Triathlonsports gehörte. Neun Jahre lang war Matthias Zöll (37) ein exzellenter Schwimmer, Radfahrer und Läufer für die Ruhrstädter - inzwischen hat er längst die Funktionärslaufbahn eingeschlagen, ist Geschäftsführer der Deutschen Triathlon-Union (DTU). Mit ihm unterhielt sich WAZ-Sportredakteur Oliver Schinkewitz.

Seit knapp sieben Jahren haben Sie diesen Posten bei der DTU. Was sind dort genau Ihre Aufgabenbereiche?

Matthias Zöll: Das Arbeitsfeld hat sich über die Jahre schon sehr entwickelt. Anfangs hatten wir nur eine Handvoll Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle in Frankfurt, jetzt sind es bereits 16. Damals war überall mal eine helfende Hand nötig. Heute fokussiert sich meine Tätigkeit neben der Repräsentanz des Verbandes auf die Kontrolle der Finanzen, auf die Personalführung, auf die Umsetzung der Beschlüsse des Präsidiums bzw. der Verbandstage.

Kommen Sie neben Ihrer Arbeit eigentlich selbst noch dazu, regelmäßig Sport zu treiben?

Die Zeit nehme ich mir, weil ich sonst unruhig und unzufrieden mit mir werde. Eine halbe Stunde am Tag muss schon sein - und wenn es nur Bauch, Beine, Po im Studio ist (lacht). Im Sommer gehe ich dafür des Öfteren draußen Laufen und fahre weiter gerne Rad. Für mich bleibt Triathlon weiter eine authentische Leidenschaft.

War es schwierig, seinerzeit den Übergang vom Leistungssport hin zum Bürojob zu bewerkstelligen?

Anfangs war das wirklich eine Art Kulturschock. Ich bin ja zunächst der Illusion erlegen, gewisse Dinge schneller umsetzen zu können. Aber es gibt nun mal auch vieles, das nicht den sportlichen Aspekten geschuldet ist. Wir befinden uns hier in einem extrem lebendigen Prozess. Der Umsatz hat sich in den letzten Jahren beinahe verdoppelt, der Mitgliederzuwachs ist weiterhin beachtlich.

Wie nah sind Sie als DTU-Generalsekretär bzw. -Geschäftsführer heute noch dran an den Sportlern?

Zurzeit bin ich wohl so weit davon entfernt wie noch nie, wenngleich man ab und zu noch in Entscheidungen eingebunden wird. Meine Aufgabe ist aber eine andere, ich muss die Interessen der DTU vertreten. Das fällt mit einem gewissen Abstand natürlich etwas leichter.

Sie waren lange als Aktiver Bestandteil der Bundesliga, schauen jetzt von Verbandsseite darauf. Inwieweit sind Sie zufrieden mit der Entwicklung der Liga?

Das war ja für mich mehr oder weniger die Kernaufgabe, darauf lag mein Fokus. Durch meinen Werdegang hatte ich ja bestimmte Visionen, jetzt konnte ich daran mitwirken, eine gute Veranstaltungs-Plattform zu finden. Ich glaube, das haben wir gut hinbekommen. Gerade der Nachwuchs braucht die Liga - und uns tat sie ja damals auch gut. Mit der Bitburger-Brauerei haben wir einen Partner gefunden, mit dem wir unsere Ideen und Wünsche umsetzen konnten. Gerade wurde auch der Vertrag bis Ende 2020 verlängert. Der Organisationsgrad hat da schon ein anderes Level erreicht.

In jüngster Vergangenheit gab es für deutsche Triathleten in erster Linie auf der Langdistanz Erfolge, wie für Jan Frodeno und Patrick Lange beim Ironman. Wo liegen die Probleme auf der olympischen Distanz?

Da passte einfach in den letzten Jahren die Leistung nicht. Deutschland hatte immer ein gewisses Talent-Potenzial - zumindest war das von 2004 bis 2012 so. Seither wurde es nicht geschafft, einige der jüngeren Athleten auch auf diese erfolgreiche Schiene zu bekommen. Viele haben offenbar ihr Leistungsniveau falsch eingeschätzt. Obwohl es mit Justus Nieschlag und Laura Lindemann durchaus positive Ansätze gibt. Durch die Schaffung des Mixed-Team-Staffelwettbewerbs für Olympia hoffe ich, dass wir dort ein Medaillenkandidat werden.

Was würden Sie heute jungen Talenten raten, wie sie im Triathlon erfolgreich sein können?

So lange sie die Geschwindigkeit haben, sollen sie sich an kürzere Distanzen halten. Auch die starken Langdistanzler haben dort einmal angefangen.

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