Judo

Trainingspartner der SU Annen sind bald Nachbarn

Alessio Murrone (l.) und Lena Konsolke sind unterschiedliche Typen – schlagen aber beide den gleichen Weg ein und gehen an den Olympiastützpunkt in Köln.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Alessio Murrone (l.) und Lena Konsolke sind unterschiedliche Typen – schlagen aber beide den gleichen Weg ein und gehen an den Olympiastützpunkt in Köln. Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Annen.   Lena Konsolke und Alessio Murrone gehen für die SU Annen auf die Matte. Im Sommer zieht es die Nachwuchsjudoka an den Olympiastützpunkt in Köln.

Gestatten: Lena Konsolke, 17 Jahre alt, Gewichtsklasse unter 70 Kilogramm, und Alessio Murrone, 17 Jahre alt, Gewichtsklasse unter 60 Kilogramm. Sie sagt über ihn: „Er ist technisch sehr begabt. Was er in einem halben Jahr lernt, dafür brauche ich drei Jahre.“ Er sagt über sie: „Sie ist kräftig, hat einen enormen Zerstörungs- und Durchsetzungswillen. Ihr Griff ist eine Wucht.“

Lena Konsolke und Alessio Murrone sind Judoka bei der SU Annen. Beide zählen zu den hoffnungsvollsten Talenten in ihrem Jahrgang. Murrone war mit 14 Jahren deutscher Meister in der Altersklasse U18, Konsolke kämpft bereits auf internationaler Bühne bei den Frauen und belegte zuletzt den fünften Platz beim European Cup in Saarbrücken.

Konsolke wechselte im vergangenen Herbst die Gewichtsklasse, kämpft nun mit den etwas schwereren Kontrahentinnen, zudem seit diesem Jahr in der Altersklasse U21. „Ich hatte die Freude an Wettkämpfen verloren, weil ich vor jedem Kampf Gewicht machen musste“, blickt die Athletin zurück. Die Zeiten sind vorbei – jetzt muss sie sogar noch ein wenig an Gewicht, vor allem Kraft, zulegen. „In der Klasse bis 63 Kilogramm war es schon etwas leichter“, sagt Konsolke schmunzelnt.

Asientour im Sommer

„Alessio hat selten schlechte Laune, ist immer energisch und aufgeweckt“, beschreibt Lena Konsolke ihren Vereinskollegen. Auch er hat die Gewichtsklasse gewechselt. „Der Bundestrainer hat das vorgeschlagen“, erklärt das Wittener Leichtgewicht. Er darf noch ein Jahr lang in der U18 kämpfen, dann geht es auch für ihn zur U21. Umso bitterer das verletzungsbedingte Ausscheiden bei der Deutschen Meisterschaft. „Ich habe mich an der Hand verletzt und musste das Turnier aufgeben.“

Durch die Verletzungspause verpasste er auch die Sichtungsturniere für die internationalen Nominierungen. Dennoch darf er sich in wenigen Wochen bei verschiedenen Turnieren auf der Matte präsentieren. Zunächst beim European Cup in Prag, danach in Berlin. Anschließend geht es mit dem Nationalteam nach Japan und China. Training in fremden Kulturen steht auf dem Übungsplan.

Körpergefühl beim Ballett entwickelt

Den Weg zum Judo haben beide auf unterschiedliche Art und Weise gefunden. Konsolke hat als Kind Ballett gemacht, als Drittklässlerin stand sie erstmals auf der Judomatte. „Ich habe das Körpergefühl durch meine Balletterfahrung schon mitgebracht“, erinnert sich die 17-Jährige.

Nur das Ballgefühl ist dabei auf der Strecke geblieben. Während Konsolke erzählt, blickt sie auf ihre Trainingskollegen, die sich im Dojo gerade beim Fußballspielen aufwärmen. „Wenn ich Fußballspiele will niemand in meiner Mannschaft und auch niemand in der gegnerischen Mannschaft sein.“ In ihrer Freizeit greift sie lieber zum Pinsel und malt. Außerdem steht aktuell der Führerschein auf dem Programm.

Perfektionist trifft auf kraftvolle Athletin

Alessio Murrone hat früher viel Zeit im Schwimmbecken verbracht, diesen Sport leistungsmäßig betrieben. Und zur Abwechslung Klavier gespielt. „Mittlerweile fehlt mir dazu leider die Zeit“, stellt er fest. Während seiner Verletzungspause hatte er dagegen endlich mal wieder die Möglichkeit, mehr mit Freunden zu unternehmen. „Das habe ich auch so beibehalten“, sagt der Nachwuchsathlet.

Er ist der Perfektionist auf der Matte – sie die kraftvolle Athletin. „Im Judo kann ich meinen Drang zur Perfektion ausleben, an jeder Technik lange feilen. Wenn mir da etwas gelingt, sind das oft die schönsten Erfolge“, beschreibt Murrone.

Heimtrainer lobt das Duo

Auch ihr Wittener Trainer Stefan Oldenburg sieht das so. „Lena ist der Kopf-durch-die-Wand-Typ, eine Kriegerin. Sie hat den Killerinstinkt. Alessio ist eher ein Kopfmensch, der sehr strukturiert zu Werke geht. Er ist technisch unglaublich stark und flexibel“, sagt Oldenburg. Beide seien sehr fleißig, wohin der Weg einmal führt sei aber schwer vorhersehbar. „Da spielen dann viele Komponenten zusammen.“

„Lena weiß was sie will, ist sehr direkt und sucht nie das Weite“, beschreibt Alessio Murrone seine Vereinskameradin. So unterschiedlich die beiden auf der Matte auch sind – die Zukunft eint sie. Beide zieht es nach Köln zum Olympiastützpunkt. Murrone wird dort nach den Sommerferien das Internat besuchen. Die Schuljahre sind verkürzt, damit er in der heißen Phase im Frühjahr und Sommer seinem Sport nachgehen kann. Dafür braucht er dann noch ein Jahr länger bis zum Abitur.

Das hat Lena Konsolke bereits in der Tasche. Sie wird im Herbst ihr Medizinstudium an der Uni in Köln angehen. Eine Wohnung hat sie schon gefunden, bald steht der Umzug an. In direkter Nachbarschaft zu Alessio? „Weit ist es auf jeden Fall nicht“, sagt Konsolke. Das Wittener Duo wird weiter an der Sportkarriere arbeiten. Beide mit ihren eigenen Stärken – vereint in der Leidenschaft zum Judo.

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