Fußball

„Straßenfußballer werden selten“

Die von Peter Avermann-Kaufmann trainierten C-Junioren vom FSV Witten (blaue Trikots) kämpfen in der Bezirksliga um den Klassenerhalt.

Die von Peter Avermann-Kaufmann trainierten C-Junioren vom FSV Witten (blaue Trikots) kämpfen in der Bezirksliga um den Klassenerhalt.

Foto: Rainer Raffalski

Witten.   Jugendfußballtrainer Peter Avermann-Kaufmann fand die Talente früher auf dem Bolzplatz. Heute ist die Suche nicht mehr so einfach.

Peter Avermann-Kaufmann ist einer der erfahrensten Juniorenfußball-Trainer in der Stadt. Viele Jahre war er in der Nachwuchsabteilung von Borussia Mönchengladbach aktiv, ehe er zurück zum FSV Witten 07/32 kam. Dort trainiert er aktuell die C-Jugend in der Bezirksliga. Im WAZ-Interview spricht Avermann-Kaufmann über die allgemeinen Entwicklungen im Jugendfußball und richtet dabei den Fokus besonders auf Witten.

Ist Witten ein gutes Pflaster für junge Fußball-Talente?

Beim FSV Witten sind wir in der B-Jugend mit zwei starken Mannschaften sehr gut aufgestellt. In den Jahrgängen darunter würde es meiner Meinung nach schwer werden, aus allen Wittener Vereinen zusammen eine Bezirksliga-Mannschaft zu stellen. Zumindest nach den Eindrücken, die ich in letzter Zeit – unter anderem bei der Stadtmeisterschaft – gesammelt habe.

Mangelt es in Witten an Talenten?

Schwierig zu sagen. Ich vermute, dass es auch an der Förderung liegt. Ich will da aber niemandem etwas unterstellen. Ich merke mit meiner Mannschaft ja gerade selbst, wie schwierig das ist. Wir müssen uns einfach weiter bemühen, die Kinder fußballerisch weiterzuentwickeln.

Muss man als Verein auch mal Spieler aus anderen Städten holen, wenn man erfolgreich sein möchte?

Das ist schwierig. Mit dem Hombrucher SV, Eintracht Dortmund, der DJK TuS Hordel oder der TSG Sprockhövel gibt es in der Umgebung ja auch sehr gute Vereine. Wir müssen schon zusehen, dass wir aus unseren eigenen Talenten etwas machen. Und wir müssen in die niedrigen Klassen schauen und von dort die guten Spieler holen, um sie zu entwickeln. Ansonsten haben wir perspektivisch keine Chance.

Wo sind denn die Straßenfußballer? Gibt es die nicht mehr?

Die sucht man eigentlich vergeblich. Beim FSV haben wir einen Spieler in der E-Jugend, da sieht man, dass er auf der Straße das Fußballspielen gelernt hat. Er ist aber auch der einzige. Wenn ich früher am Schulhof der Gerichtsschule oder an anderen Bolzplätzen vorbeigegangen bin, dann habe ich da super Fußballer gesehen, die man direkt in die Vereine holen konnte. Heute geht das nicht mehr.

Welche Auswirkungen hat das auf das Training?

Wir müssen noch mehr Techniktraining machen. Früher kamen die Kinder mit soliden Grundlagen in die Vereine. Heute müssen wir uns alles hart erarbeiten und das wird auch noch durch die mangelhaften Bedingungen erschwert.

Sie meinen die Situation am Wullenstadion, wo bald auch noch der Aschenplatz wegfallen könnte?

Ja. Wir können nicht in dem Umfang trainieren, wie wir es gerne würden. Wir sind teilweise mit drei ambitionierten Mannschaften, also mit rund 60 Leuten, auf dem Kunstrasenplatz. Da muss man sich die Frage stellen: Will man guten Jugendfußball in Witten entwickeln? Dann müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen. Was mit den richtigen Möglichkeiten geht, sieht man beim TuS Stockum. Die spielen über alle Jahrgänge hinweg tollen Fußball. Das gefällt mir richtig gut, weil man sieht, dass da ein Plan hinter steckt.

Wo kann man noch optimieren? In der Trainerausbildung?

Natürlich sind die Trainer wichtig. Aber wenn man beim FSV Witten auch über vieles meckern kann – an unseren Trainern und ihrem Ausbildungsstand liegt es sicher nicht. Die haben alle einen Trainerschein und auch unsere Torwarttrainer sind gut ausgebildet.

Oft wird auch über die heutige Nachwuchsfußballer-Generation gesprochen. Merken sie nachlassendes Engagement von Seiten der Spieler?

Das kann man nicht pauschal sagen. Unsere jetzigen B-Jugendlichen kommen seit Jahren regelmäßig zum Training und sind sehr fleißig. Andere wiederum nehmen es lockerer. Auch ich muss manchmal Spieler aufstellen, die nur einmal beim Training waren. So etwas möchte ich eigentlich überhaupt nicht. Ich habe meinen Jungs gesagt, dass sie ihr persönliches Zeitmanagement verbessern müssen. Sonst reicht es nicht für die Bezirksliga.

Beim FSV Witten spielen jetzt die C- und die B-Jugend in der Bezirksliga. Was sind die nächsten Ziele?

Wir wollen in der nächsten Saison auch die A-Jugend an die Bezirksliga heranführen. Ich glaube, da sind wir auf einem guten Weg. Unsere D-Jugend wollen wir auch stärker aufstellen. Ein neuer Trainer ist schon gefunden. Foto: Biene Hagel

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben