Fußball

Sophia Meyer ist allein unter Jungs

Foto: Barbara Zabka

 Foto: Barbara Zabka

Witten.   In der C-Jugend des FSV Witten zieht ein Mädchen die Fäden im Mittelfeld. In den Zweikämpfen bietet sie den männlichen Gegenspielern Paroli.

Sie sind erst 13 oder 14 Jahre alt und könnten eigentlich ganz unbekümmert aufspielen. Trotzdem war die Last groß, die da am Samstagnachmittag von den Schultern der Talente vom FSV Witten 07/32 fiel. Durch den 4:0-Sieg im Kellerduell beim SV Schermbeck verließen die Wittener die Abstiegsplätze in der C-Junioren-Bezirksliga. Entsprechend groß war der Jubel. Mittendrin: Sophia Meyer. Sie ist in der Liga allein unter Jungs.

Den Respekt der Gegner erarbeitet

70 Prozent ihrer Zweikämpfe gewinnt Sophia Meyer, schätzt ihr Trainer Peter Avermann-Kaufmann. Eine beachtliche Quote. Denn Meyer hat es auf dem Platz ausschließlich mit Jungs zu tun. In der eigenen Mannschaft. Und bei den Gegnern. Die 14-Jährige hat sich bewusst dagegen entschieden, in einer reinen Mädchenmannschaft zu spielen und läuft stattdessen als einzige Fußballerin in der Jungen-Bezirksliga auf. Im eigenen Team hat sie sich ihre Position im defensiven zentralen Mittelfeld längst erkämpft. „Sie ist fußballerisch so gut, dass es ohne sie einfach nicht geht“, sagt Avermann-Kaufmann. Den Respekt der Gegenspieler erarbeitet sich die Schülerin Woche für Woche aufs Neue.

Beinahe hätte Sophia nie die Gelegenheit bekommen, etwas aus ihrem zweifelsohne großen Talent zu machen. Mama und Papa waren stolze Besitzer von BVB-Dauerkarten und zudem schon voll eingespannt durch Sophias Brüder Lukas (18) und Simon (20), die ebenfalls Fußball spielen. „Da passte es nicht ins Samstagsprogramm, dass auch noch das dritte Kind im Verein spielt“, sagt Mutter Andrea Meyer. Sophia blieb daher zunächst nur das Kicken auf dem Schulhof. Die Erfahrungen dort haben ihr allerdings nicht geschadet. Sich durchsetzen, Lösungen finden – all das hatte sie dort schon gelernt, ehe sie vor vier Jahren genügend gequengelt hatte und endlich beim Dortmunder Klub TuS Holzen-Sommerberg in der Jugend spielen durfte. Schnell schaffte sie es in die Kreisauswahl, später auch in die Westfalenauswahl. Vor eineinhalb Jahren wagte sie dann den Schritt nach Witten. Beim FSV traf Meyer auf Peter Avermann-Kaufmann. Der erfahrene und akribische Nachwuchscoach hat einen Sinn für feine Fußballer und fördert sie auch dann, wenn andere Spieler möglicherweise Vorteile durch ihre körperliche Statur haben, wie es im Jugendfußball immer wieder vorkommt. Wie etwa Jasim Boutayeb. Der Sohn des langjährigen Heveners Hicham Boutayeb ist mindestens einen Kopf kleiner als die meisten anderen Spieler in der Liga. Trotzdem gelangen dem technisch versierten Offensivspieler in Schermbeck zwei Treffer. David Gerland und Oguzhan Kutlu erzielten die beiden weiteren Tore zum Sieg im Kellerduell.

Julian Weigelt ist ihr Vorbild

Sophia Meyer ist nicht nur allein unter Jungs, sie ist auch noch eine der Jüngsten in ihrem Jahrgang, weil sie erst Mitte Dezember Geburtstag hat. Avermann-Kaufmann bescheinigt seinem Schützling jedoch große Fortschritte in Sachen Durchsetzungsvermögen. „Bei der Intensität in der Liga muss Sophia schon kräftig dagegenhalten. Das schafft sie aber immer besser.“ Sophia ist ein großer Fan des Ex-Dortmunders Ivan Perisic. Aus dem aktuellen BVB-Team eifert sie Julian Weigelt nach. Das sagt auch etwas darüber aus, wie sie ihre Rolle auf dem Platz interpretiert. „Ich habe eine gute Übersicht“, sagt die Auswahlspielerin, die mindestens viermal in der Woche auf dem Fußballplatz steht. „Ich könnte aber mehr nach vorne machen und muss zudem lauter sprechen.“ Mal ein Tor erzielen, das wär’s. „Daran arbeiten wir“, sagt ihr Trainer. Auch in der nächsten Saison will Sophia in einer Jungenmannschaft kicken. Vielleicht weiterhin beim FSV.

Montagabend spielte Borussia Dortmund im eigenen Stadion gegen den FC Augsburg. Sophia Meyer allerdings trainierte am Stützpunkt Dortmund mit der Kreisauswahl. Ihre Eltern haben die Dauerkarten ohnehin längst abgegeben. Denn am Samstag um 15.30 Uhr steht Sophia auf dem Platz und lässt so manchen männlichen Gegenspieler alt aussehen. In vier Tagen gibt es gegen den VfB Hüls wieder Abstiegskampf pur. Aber Sophia ist sich sicher: „Wir schaffen den Klassenerhalt.“

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