RUDERN

Lorena Moll gibt den Rhythmus vor

Nicht immer lächelt Lorena Moll ganz so freundlich: Wenn es im Boot richtig zur Sache geht, dann kann die junge Frau auf der Steuerposition schon mal ziemlich deutlich werden.

Nicht immer lächelt Lorena Moll ganz so freundlich: Wenn es im Boot richtig zur Sache geht, dann kann die junge Frau auf der Steuerposition schon mal ziemlich deutlich werden.

Foto: Oliver Schinkewitz

Witten.   Die Besatzung des Ruder-Achters vom RC Witten hört auf die Anweisungen von Steuerfrau Lorena Moll. Am Samstag startet die Zweitliga-Saison.

Sie ist die Frau, auf die die starken Männer hören: Wenn der Ruder-Achter des RC Witten am Samstag in Frankfurt seine ersten Schläge mit voller Kraft durch den Main zieht, dann gibt Lorena Moll lautstark die Kommandos. Ohne die zierliche junge Frau wären die RCW-Recken wohl aufgeschmissen - mit der erfahrenen Steuerfrau soll es in dieser Zweitliga-Saison für die Wittener weit nach vorne gehen.

„Ich bin da vor ein paar Jahren irgendwie so ‘reingerutscht“, sagt Lorena Moll. Zum ersten Mal gesteuert hat sie das Flaggschiff des RC Witten 2012 bei der Bochum/Witten-Regatta auf der Ruhr. „Die damalige Steuerfrau Janina Schulz war krank geworden und ich bin eingesprungen“, erinnert sich die 27-Jährige. Danach haben sich die jungen Frauen auf der komfortabelsten Position des Wittener Paradebootes abgewechselt - seit 2014 hat alleine Lorena Moll das Sagen.

„In erster Linie mache ich das, weil ich mit den Jungs so gut klarkomme. Wir verstehen uns einfach gut, die meisten kenne ich schon sehr lange“, sagt die Wittenerin, die Wirtschaftsrecht studiert hat und jetzt für die Bezirksregierung Arnsberg tätig ist. Der „Zweitjob“ auf dem Wasser ist für sie die ideale Ergänzung zu den vielen Stunden im Büro und vor dem Rechner. Mit ihrer eigenen aktiven Ruderlaufbahn hat sie vor einer Weile schon abgeschlossen. „Ich habe damals im Kinderbereich begonnen, dann noch ein Jahr bei den Juniorinnen weitergemacht - aber das war jetzt nicht so erfolgreich“, sagt Lorena Moll und lacht. Ihre ganze Familie ist dem Rudersport verfallen - schon die Großeltern begeisterten sich für den körperlich fordernden Sport.

Nach den Rennen drei Tage lang heiser

Und jetzt sitzt Lorena Moll auch noch mit ihrem älteren Bruder Jonas (31) in einem Boot. „Erst hatte ich schon ein bisschen Bammel davor, aber jetzt klappt das ganz gut“, weiß die versierte Steuerfrau, dass auch ihr Bruder die Anweisungen, die Lorena über ihr Mikrofon an die Besatzung weitergibt, hin und wieder benötigt.

„Am Anfang war ich im Boot sicher noch nicht so vorlaut und so deutlich“, sagt die 27-Jährige. „Aber man muss da auf meiner Position schon klar den Ton angeben, sonst kommt man nicht weit.“ Zudem sieht man manche Dinge eben nur vom Sitz der Steuerfrau aus. „Manche haben technisch eben ihre Eigenheiten“, muss Lorena Moll die acht RCW-Hünen auf Linie bringen. Je einheitlicher der Rhythmus, desto besser die Leistung auf dem Wasser.

An jedem Renntag der 2. Bundesliga kommen fünf Läufe für den Wittener Achter zusammen - viel Ruferei für die junge Frau mit dem Headset. „Danach bin ich immer drei Tage lang heiser“, flachst Moll. Nicht nur im Achter muss sie sich Gehör verschaffen - mit rigorosen Sätzen wie „Ruhe im Boot“, wenn die Herren mal wieder ein wenig zu redselig sind. Oder eben auch an Land, wenn das fast 15 Meter lange, neu angeschaffte Ungetüm zurück an seinen Lagerplatz gehievt werden muss.

„So ein Boot hält eine große Gruppe zusammen“, sagt Lorena Moll und freut sich schon auf den ersten von fünf Renntagen. RCW-Trainer Henning Sandmann hält viel von der einzigen Dame im Achter: „Mit Lorena haben wir eine unheimlich erfahrene Steuerfrau, die ein nicht zu unterschätzender Faktor ist. Gerade bei engen Rennen und auf schwierigen Gewässern wie dem Main in Frankfurt zahlt sich ihre Erfahrung besonders aus.“

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