RINGEN

KSV Witten: Fit halten daheim im Wohnzimmer

Training geht auch daheim - hier bei KSV-Ringertalent Noah Englich im heimischen Wohnzimmer.  

Training geht auch daheim - hier bei KSV-Ringertalent Noah Englich im heimischen Wohnzimmer.  

Foto: Mirko englich

Witten.  Ringer-Trainer Mirko Englich (KSV Witten) hat ein Übungsprogramm während der Corona-Krise zusammengestellt. Die Videos gehen schon um die Welt.

Wie schwierig die Zeit aktuell gerade für die Ringkampfsportler ist, kann man leicht nachvollziehen. Ein Kontaktverbot entzieht diesem Sport gewissermaßen seine Essenz. Also geht es momentan darum, zumindest den Fitnessstand einigermaßen aufrechtzuerhalten. Der frühere Olympiazweite Mirko Englich (KSV Witten 07) hat sich dazu ein paar kreative Gedanken gemacht.

„Die Möglichkeiten so ganz ohne Sporthalle bzw. ohne die Chance auf die typischen Trainingsformen zu zweit sind natürlich begrenzt“, sagt der 41-Jährige. Also sind in erster Linie Kraft- und Konditionsübungen gefragt, die der Silbergewinner von Peking 2008 nun für den Ringerverband von Nordrhein-Westfalen eine Woche lang täglich im Video online stellt.

Treppenlaufen und forderndes Krafttraining

„Natürlich sind da Übungen dabei, die ich selbst aus meiner aktiven Zeit noch gut kenne“, sagt Mirko Englich. Als Vater zweier Jugendlicher, die beide zudem noch selbst erfolgreiche aktive Ringer sind, hat der Wittener seine Trainings-Komparsen aktuell praktischerweise daheim in den eigenen vier Wänden. Oder eben auch mal draußen, wie am ersten Tag der Übungsserie, als es darum ging, sich mit Treppenläufen fit zu halten. Da kommen dann auch schon die KSV-Youngster wie der

Noah Englich zumindest einigermaßen ins Schwitzen.

„Die Idee dahinter ist vor allem: Wie halte ich mich fit, ohne daheim entsprechende Geräte zu haben?“, so Mirko Englich. Denn die Videos sollen schließlich für jeden Konsumenten umsetzbar sein. Natürlich gibt’s im Haushalt des zehnmaligen Deutschen Meisters im griechisch-römischen Stil auch die eine oder andere Hantel oder vergleichbare Gerätschaften - doch Englich setzt bei seinen Einheiten auf einfachste Methoden. Wie bei den von ihm so geliebten „Burpees“ (Kombination aus Kniebeuge, Liegestütz und abschließendem Strecksprung) - bei seinen Trainings-Eleven hält sich die Begeisterung da eher in Grenzen. „Das fängt mit einer harmlosen Übung in der ersten Minute an, steigert sich dann aber erheblich und ist am Ende der 15-minütigen Einheit ziemlich intensiv“, berichtet der heutige Jugendcoach beim Bundesligisten KSV Witten 07.

Videos werden auch schon in Panama und den USA geteilt

Wie schwierig es für die Nachwuchsringer der Ruhrstädter sei, aus dem gewohnten Trainings-Rhythmus herausgerissen zu werden? Ist es nicht problematisch, den Leistungsstand mitten in der Saison einbüßen zu müssen? „Ein gewisses technisches Können ist ja ohnehin vorhanden, da ist man später schnell wieder drin. Jetzt kann es einfach nur darum gehen, fit zu bleiben, etwas an der Kondition und der Kraft zu machen“, so Englich, der wie sein früherer KSV-Trainerkollege Sevket Karapinar beim Landesverband NRW für die Nachwuchsarbeit zuständig ist. Die Videos, die Mirko Englich auf seiner und auf der Verbands-Facebookseite täglich verbreitet, finden derweil schon ordentlichen Absatz: „Die werden inzwischen auch schon in Griechenland geteilt, in Panama oder bei unseren Freunden in den USA“, freut sich der 41-Jährige darüber, dass sich sein Einsatz lohnt.

Die nationalen Titelkämpfe bei den Jugendlichen und Junioren sind inzwischen ebenso verschoben worden wie die DM-Turniere bei den Männern. „Wir gehen mal davon aus, dass sie dann auch wirklich zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden werden“, sagt Mirko Englich. Um seine eigenen Schützlinge aktuell so fit wie irgend möglich zu machen, greift er derzeit eben nicht aufs Wittener Leistungszentrum „Ostermannhalle“ zurück, sondern aufs heimische Wohnzimmer oder auf die bestens geeigneten Treppenstufen direkt ums Eck.

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