FUßBALL

Freizeitkicker müssen daheim schwitzen

Chillen im Pool: Benjamin Stambouli und seine Schalker Teamkameraden können in Spanien auch mal entspannen und ein erfrischendes Bad genießen.

Foto: Tim Rehbein

Chillen im Pool: Benjamin Stambouli und seine Schalker Teamkameraden können in Spanien auch mal entspannen und ein erfrischendes Bad genießen. Foto: Tim Rehbein

Witten.   Profis fliegen zur Winter-Vorbereitung ins Warme, Amateurclubs bleiben hier. Trainer des VfB Annen glaubt nicht an Sinn weiter Trainingsreisen.

Doha, Marbella, Benidorm – das sind die Zufluchtsorte, an denen die Profifußballer der Bundesliga zwischen den Halbserien Schutz vor dem meist fiesen Winterwetter suchen. Selbst der notorisch klamme Regionalligist SG Wattenscheid 09 gönnt sich Ende Januar ein Trainingslager in der sonnigen Türkei. Es geht nach Belek, um sich optimal auf die Rückrunde vorbereiten zu können. Wittens Amateurclubs schwitzen hingegen zwischen Mellmausland und Kemnader See.

Während die Schalker Profis Yevhen Konoplyanka, Benjamin Stambouli und Matija Nastasic in T-Shirts und mit hochgekrempelten Shorts im Hotelpool stehen, damit die müden Oberschenkel vom kühlenden Wasser möglichst schnell wieder ihren Dienst verrichten können, übt Hevens Christoph Rölleke dick eingepackt Ausfallschritte. Linkes Bein vor, runter, linker Arm hoch. Die Handschuhe zum Himmel. Es ist ein kalter Dienstagabend am Haldenweg, der Trainingsauftakt des Bezirksligisten TuS Heven findet unter Flutlicht statt. In etwas mehr als vier Wochen geht’s wieder um Punkte.

Die Unterschiede zwischen Profi- und Amateurfußball könnte der Blick auf die Wintervorbereitung kaum sichtbarer machen. Dank ihrer finanziell privilegierten Lage können die Bundesligisten schnell mal einen Flieger in die Sonne buchen und auf Rasensprinkler-besprengten, fein gestutzten Wiesen trainieren – selbst in der Wüste.

Von wunderbaren Plätzen und einem perfekten Klima sprach Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hinsichtlich des Trainingslagers zu Jahresbeginn in Katar. Horst-Dieter Obermeier, Trainer des A-Kreisligisten VfB Annen, sieht das ein bisschen anders. „Wenn man wiederkommt, dann ist es doch wieder kalt. Nur weil das Wetter gut ist, laufe ich doch nicht schneller“, fragt er sich nach dem Sinn von ausschweifenden Winterreisen zu sportlichen Zwecken in den Süden.

Eigeninitiative erwünscht

Obermeier gibt seinen Schützlingen nach dem letzten Pflichtspiel des Jahres traditionell eine Woche frei. Danach sollen sie sich in Grüppchen selbstverantwortlich gegenseitig die Laufschuhe schnüren, damit Gänsebraten und Käsefondue über die Festtage erst gar nicht ansetzen können. „Ab Januar geht’s dann bis zu vier Mal in der Woche auf den Platz. Neben Ausdauer sollen die Jungs aber auch viel Spaß haben“, verrät er. Ein Trainingslager in der Umgebung böte sich ohnehin nur vor der Spielzeit im Sommer an. „Da kann sich die Mannschaft gut kennenlernen, wenn es viele Neuzugänge gibt. Man muss aber auch ehrlich sein und sagen, die Zeit dafür ist doch schon sehr begrenzt. Wenn überhaupt, kann man mal etwas am Wochenende machen“, so der VfB-Coach.

Ähnlich sieht das der Trainer vom Tabellenführer der A-Liga, TuRa Rüdinghausen. Jan Kastel hofft als bekennender Schalke-Fan zwar, dass die Sonne Spaniens auf die „Knappen“ positive Effekte hat, für seine Schützlinge wäre das aber nur bedingt etwas. „Erstmal haben wir gar nicht die Möglichkeiten, wegzufahren, außerdem macht man mit einer zu hohen Trainingsintensität im Amateurbereich die Spieler kaputt“, so der studierte Sportwissenschaftler. Kastel gibt seinen eigenen Akteuren vor Rückrundenstart keinen festen Vorbereitungsplan an die Hand. „Laufen gehen wir kaum. Mit Testspielen geht’s vielleicht vier Mal in der Woche auf den Platz. Ich achte auf ausreichende Erholung. Die ist ganz wichtig“, sagt er.

Kaiserau statt Katar

Auch Hevens Coach Carsten Blankenagel hält nichts von ausgedehnten Waldläufen. „Für seine Grundlagenausdauer ist schon jeder selbst verantwortlich. Wer in der Pause nichts macht, wird das im Training dann schon merken“, sagt er. Grundsätzlich, so Blankenagel, seien Wintertrainingslager aber gar nicht so schlecht. „Man kann da sehr gezielt im technisch-taktischen Bereich arbeiten“, so der Übungsleiter aus eigener Erfahrung. Mit der DJK TuS Hordel verreiste er in der Winterpause schonmal – allerdings nicht im Flieger sondern im Bus. Nach Kaiserau, nicht Katar.

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