RINGEN

Beim KSV Witten ist jetzt Klotzen statt Kleckern angesagt

Kehrt zurück zum KSV Witten: Greco-Spezialist Mateusz Wolny (oben), der zuletzt in Greiz kämpfte.

Kehrt zurück zum KSV Witten: Greco-Spezialist Mateusz Wolny (oben), der zuletzt in Greiz kämpfte.

Foto: Barbara Zabka/ FUNKE Foto Services

Witten.  Mit 13 Neuzugängen wartet Ringer-Bundesligist KSV Witten 07 vor der Saison 2020/21 auf. Darunter sind gleich drei aktuelle Europameister.

Mit dem Kader der vergangenen Bundesliga-Saison hat das Aufgebot des KSV Witten 07 in diesem Jahr nicht mehr viel gemein. Gerade mal sieben Namen aus der Serie 2019 tauchen in der Liste auf, die Vorsitzender Thomas Altstadt am Freitag präsentierte. „Wenn man wie wir ehrgeizige Ziele verfolgt, dann muss man seine Mannschaft auch breiter aufstellen“, sagt der Clubchef. Nicht weniger als 13 Neuzugänge kann Trainer Adam Juretzko in seinem Team begrüßen - und es ist durchaus möglich, dass sich bis zum Wochenende noch ein weiterer Name hinzugesellt.

„Vielleicht können wir dann noch einen neuen Ringer fürs Schwergewicht präsentieren. Wir sind noch in Gesprächen“, so Thomas Altstadt. Er macht keinen Hehl daraus, dass man nun mit ganz anderen Erwartungen an die Bundesliga-Saison herangehen kann. „Das Halbfinale ist unser Ziel. Und da wäre es optimal, wenn man zuvor den Gruppensieg erreicht, um den schwersten Brocken aus dem Weg geht“, so der 52-Jährige, der neben den Wittenern auch den ASV Mainz und Alemannia Nackenheim als Kandidaten für Platz eins im Liga-Nordwesten ansieht.

Nur noch 300 Zuschauer bei den Heimkämpfen erlaubt

Am Freitag gab es eine Begehung der Husemann-Sporthalle mit Agnetha Peters vom Stadtsportverband. „Wir dürfen vorerst nur noch 300 Zuschauer zu den Heimkämpfen in die Halle lassen. Also werden wir mit personalisierten Dauerkarten arbeiten müssen“, sagt Thomas Altstadt. Näheres zu konkreten Preisen und dem Sitzplan bei den Ligaduellen will man zeitnah auf der Internetseite veröffentlichen.

Angesichts des sportlich erlesenen Kaders, den der KSV Witten 07 für die Ringer-Saison in den letzten Monaten zusammengestellt hat, darf man davon ausgehen, dass es noch mehr als die vier Vorrunden-Heimkämpfe geben dürfte. Ob man jetzt schon ganz nah wird heranrücken können an das im Vorjahr von Clubpräsident Martin Sesjak ausgerufene Ziel, bis 2023 Deutscher Meister zu werden, wird sich dann auf der Matte zeigen. Jedenfalls ist der KSV so stark aufgestellt wie lange nicht - gleich drei amtierende Europameister gingen dem siebenfachen Titelträger ins Netz.

Youngster Edmond Nazaryan ein grandioser Fang für den KSV

„Wir waren uns darüber hinaus einig, dass wir auch auf der deutschen Seite ein paar Siegringer in unserem Aufgebot benötigen“, so der Vorsitzende. Und: Der Versuch, ein erfolgsabhängiges Modell auf das Bundesliga-Budget umzulegen, hat laut Altstadt funktioniert. „Wir haben da sehr positive Gespräche mit unseren Sportlern geführt und haben eine Einigung erzielt.“ Da es einige Clubs kurzfristig vorzogen, aus Respekt vor der Coronakrise doch nicht für die Bundesliga zu melden, kamen einige interessante Akteure zusätzlich auf den Markt - und da griffen auch die Wittener zu, bei denen Christoph Pröpper, Vorsitzender des Förderkreises, das Gros der Gespräche mit den Ringern führte. Zuletzt erzielte man so noch eine Übereinkunft mit Andrei Ginc (66 G) vom RV Lübtheen, mit Daniel Sartakov (75/80 F) aus Greiz und mit Mateusz Wolny (80 G), der schon für die Wittener kämpfte, nun aus Greiz zurückkehrt an die Ruhr.

Die bisherige Problemklassen bis 57 bzw. 61 Kilogramm hat der KSV Witten nun exzellent besetzt. Die Routiniers Mihran Jaburyan (Armenien/SV Hallbergmoos) und Andrei Dukov (Rumänien/ASV Hüttigweiler) ringen im freien Stil, der erst 18-jährige aktuelle Europameister Edmond Nazaryan (Bulgarien), dessen Vater Armen in Atlanta 1996 und in Sydney 2000 Olympia-Gold gewonnen hatte, ist für den klassischen Stil vorgesehen und offenbar ein besonders edler Fang für die ambitionierten Wittener.

Ex-Vizeweltmeister Daniel Cataraga kommt aus Nendingen

Vom Essener Club TV Dellwig kommt Beslan Abuev (66 F) zum KSV, aus Burghausen lotste man den polnischen Europameister Murad Gadzhiev (71 F) ins Revier. Der Ungar Zsombor Gulyas (Ergebirge Aue) ist für die Klassen 75 bzw. 80 F vorgesehen, der weißrussische Europameister Khabib Kadimagomedov (Weingarten) ringt im freien Stil der 80-kg-Kategorie. Ebenfalls neu im Aufgebot der Mannschaft von Adam Juretzko sind der Ex-Merkener Magomedov Abusupiyan (86/98 F) und der international erfahrene Moldawier Daniel Cataraga, der zuletzt für Nendingen kämpfte. In der 80-kg-Klasse (gr.-röm.) dürfte der Vizeweltmeister von 2016 eine Klasse für sich darstellen. Neuzugang Nummer 13 ist der bisherige Weingartener Etienne Wyrich, der schon Deutscher Juniorenmeister war und für den freien Stil des Schwergewichts vorgesehen ist.

„Mit den ganzen Verstärkungen ist unser Kader jetzt bei weitem nicht mehr so leicht auszurechnen wie bisher“, sagt Thomas Altstadt. Zwar werde es nun von Kampftag zu Kampftag (Start ist am 3. Oktober) eine ziemlich anspruchsvolle Tüftelei, die maximal 28 Mannschaftspunkte nicht zu überschreiten. „Aber das ist die Aufgabe von Adam Juretzko, er hat das sicher gut im Blick“, so der Clubchef. „Wir haben zuletzt bei den Verpflichtungen darauf geachtet, auch EU-Ausländer oder eben deutsche Ringer zu holen, um nicht Gefahr zu laufen, eventuell die Sportler aus Armenien oder Weißrussland wegen einer Corona-bedingten Einreisesperre nicht nominieren zu können.“ Der KSV Witten, der seinen Etat um einiges höher ansetzen muss als noch im vorigen Jahr, will versuchen, das Gros seiner Athleten während der zweimonatigen Liga-Vorrunde vor Ort unterzubringen.

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