FUßBALL

Amateure freuen sich: Vierter Wechsel ist bald erlaubt

Ab der kommenden Spielzeit bekommen Trainer wie Herbedes Benjamin Knoche (li.) sogar vier Mal pro Partie die Gelegenheit, einen Spielertausch vorzunehmen,

Ab der kommenden Spielzeit bekommen Trainer wie Herbedes Benjamin Knoche (li.) sogar vier Mal pro Partie die Gelegenheit, einen Spielertausch vorzunehmen,

Foto: Barbara Zabka

Witten.   Überraschende Anpassung der Spielordnung gilt ab der Spielzeit 2019/20. Nichtantritt gegen Saisonende bedeutet Punktabzug für das nächste Jahr.

Ziemlich überraschend hat der Westdeutsche Fußballverband (WDFV) für die Saison 2019/20 seine Spielordnung angepasst. Von der Kreisliga D bis zur Regionalliga West sind statt drei Wechseln pro Mannschaft künftig vier erlaubt – nicht nur in der Verlängerung von Pokalspielen, sondern auch in der Liga. Mit einer zweiten Regeländerung möchte man derweil vor allem die Gerechtigkeit gegen Saisonende stärken. Bei Wittens Amateurkickern werden die Neuerungen größtenteils positiv aufgenommen.

„Der vierte Wechsel ist grundsätzlich eine gute Sache. Nur für die Etatberechnung kommt das jetzt unerwartet“, sagt Carsten Blankenagel, Sportlicher Leiter des Bezirksligisten TuS Heven, im Hinblick auf etwaige Einsatzprämien seiner Spieler. Auch Horst-Dieter Obermeier, Trainer des A-Kreisligisten VfB Annen, begrüßt die erweiterte Personaloption: „Für Spieler und Trainer ist das angenehm. Der vierte Wechsel kann mehr Einsatzzeiten bedeuten und erweitert taktische Optionen.“

Für alle B-, C- und D-Kreisligisten sowie die Frauen-Kreisligateams gilt dabei weiterhin: Der Zusatz des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen (FLVW), der das Wiedereinwechseln von ausgewechselten Spielern möglich macht, bleibt bestehen. „Blöd ist die Regel nur für Vereine, die nach dem Norweger-Modell spielen und sowieso wenig Auswechselspieler haben“, sagt Friedhelm Spey, Beisitzer im WDFV-Fußballausschuss. Er ist sich dennoch sicher, dass die Änderung von den Vereinen positiv aufgenommen wird: „Wenn sieben Spieler auf der Bank sitzen, bleiben künftig vielleicht nur noch drei außen vor, statt wie bisher vier.“

Die neue Spielordnung sieht noch eine zweite Änderung vor: Der Nichtantritt einer Mannschaft nach dem 1. Mai wird künftig nicht nur mit einer negativen Spielwertung und 100 Euro Ordnungsgeld bestraft, sondern darüber hinaus auch mit drei Minuspunkten – für die darauf folgende Saison. „Diese Regel haben wir aus Berlin übernommen. Dort sind die Spielverzichte nach Inkrafttreten deutlich zurückgegangen“, berichtet Marianne Finke-Holtz, beratendes Mitglied des WDFV-Fußballausschusses.

Für mehr Gerechtigkeit

Der Verband will die Entscheidungen gegen Saisonende in den Ligen, in denen das Torverhältnis bei Punktgleichheit zählt, gerechter machen. „Teams, die an der Spitze stehen, kennen das Phänomen der Abstiegskandidaten, die auf einmal keine Mannschaft stellen können. Statt einem möglicherweise hohen Sieg kommt so ,nur’ ein 2:0 in die Wertung“, sagt Finke-Holtz.

So geschehen beim Portugal SV in der Aufstiegssaison 2017/18. Der damalige B-Kreisligist machte mit seinen Gegnern fast immer kurzen Prozess. Ende März und Ende April fielen die Partien gegen den TuS Stockum II und den SV Langendreer II dann aus. Beide Teams stellten keine Mannschaft. Im Mai traten dann der TuS Heven III und Wilhelmshöhe II gegen den PSV nicht an. Künftig würden Heven und Wilhelmshöhe mit jeweils drei Minuspunkten in die neue Spielzeit starten.

Annens Horst-Dieter Obermeier findet diese Regelung gut: „So wird Wettbewerbsverzerrung vorgebeugt. Jeder, der eine Mannschaft meldet, muss sich zudem Gedanken machen, ob man auch verlässlich antreten kann.“ Alfonso Bosco, Coach des B-Ligisten Hammerthaler SV, gibt allerdings zu Bedenken, dass die Reservemannschaften Probleme bekommen könnten. „Wenn die erste Mannschaft in Personalnot ist, bedient sie sich ja gerne mal bei Zweit- und Drittvertretung. Dort könnte es dann eng werden“, sagt er, fügt aber auch an: „Bei intakter Vereins- und Mannschaftsführung sagt niemand ein Spiel ab.“

Bleibt die Frage, warum die Regel erst ab dem 1. Mai und nicht über die gesamte Dauer einer Saison angewandt wird. „Es gibt ja Fälle, in denen ein Verein wirklich nicht antreten kann. Das wollen wir nicht zusätzlich bestrafen“, sagt Spey und ergänzt: „Ab dem 1. April können ja auch Jugendspieler ohne Seniorenerklärung eingesetzt werden, da greift das Argument mit den Krankheiten normalerweise nicht mehr. Und taktische Nichtantritte gibt es besonders oft dann, wenn es kribbelig wird und die Tabelle Formen angenommen hat.“

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