Laufsport

Alte Laufbotten erstrahlen in neuem Glanz

Anprobe: Insgesamt 30 Paar Schuhe fanden in Tansania jeweils einen neuen Besitzer.

Foto: Uli Sauer

Anprobe: Insgesamt 30 Paar Schuhe fanden in Tansania jeweils einen neuen Besitzer. Foto: Uli Sauer

Witten.   Mit gespendeten Laufschuhen im Gepäck reiste der Wittener Uli Sauer nach Tansania. Übergabe sorgte für strahlende Gesichter.

Tansania – eines der ärmsten Länder der Welt. In dem ostafrikanischen Staat am Indischen Ozean haben abseits großer Städte nur wenige Menschen Zugang zu Strom und fließend Wasser. Die Sportbegeisterung ist dort dennoch groß. Insbesondere für das Laufen, auch wenn die allermeisten Tansanianer noch nie entsprechendes Schuhwerk an den Füßen hatten. Beim Marathon am Kilimandscharo, dem höchsten Bergmassiv Afrikas, gehen jährlich dennoch tausende Aktive an den Start, zumeist Einheimische. In diesem Jahr waren auch der Wittener Laufenthusiast Uli Sauer (63) und seine Frau Claudia (62) dabei. Im Gepäck hatten die beiden ein ganz besonderes Geschenk, das für leuchtende Augen bei einigen jungen Afrikanern sorgte.

Eine ganze Tasche voller Laufschuhe, gebraucht aber frisch gewaschen, übergab das Wittener Ehepaar vor dem Marathon an Renndirektor John Bayo, ein ehemaliger Marathon-Profi, der im Startort Moshi die Verteilung an tansanianische Laufsportler übernahm. Die spulten ihre zehn Kilometer langen Trainingsläufe in unter 35 Minuten bis dahin zuweilen in Sandalen ab. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Aktion so gut ankommt. Ihre Freude hat meine Erwartungen übertroffen“, ist Sauer immer noch sichtlich berührt, wie dankbar die jungen Afrikaner reagierten.

Unnachgiebige Zollbeamte

Insgesamt 30 Paar sammelte der 63-Jährige vor seiner Reise von Freunden und Bekannten ein. „Ich fühlte mich ein wenig unbehaglich bei dem Gedanken daran, in ein so armes Land zu meinem Vergnügen zu reisen und habe überlegt, was ich noch mitnehmen könnte, um den Menschen dort zu helfen“, erklärt er, dass die Wahl dabei ziemlich schnell auf ausrangierte Laufbotten fiel: „Einige Läufer kaufen neue Schuhe, obwohl die alten eigentlich noch gut sind. Das geht mir genauso. Also habe ich gefragt, wer seine nicht mehr benötigten Schuhe abgeben möchte“. Die Resonanz war riesig. In kurzer Zeit war das von der Fluggesellschaft erlaubte zweite Gepäckstück proppevoll.

Die Reaktion der Zollbeamten bei der Einreise in Tansania war allerdings weit weniger enthusiastisch. Nach eingehenden Kontrollen wurden 120 Dollar Zollgebühr verlangt. „Die dachten, ich will damit handeln. Ich habe mich erst geweigert, aber dann doch bezahlt, damit die Mühe nicht umsonst gewesen wäre“, sagt Sauer zähneknirschend. So konnte die wertvolle Fracht an den Veranstalter des Marathons übergeben werden und die frisch ausgestatteten Läufer mit einem ganz neuen Gefühl und strahlendem Lächeln im Stadion der Universitätsstadt Moshi an den Start gehen.

Spendenaktion wird wiederholt

Die 42,195 Kilometer an dem bis zu 5 895 Meter hohen Berg stellten für alle Teilnehmer eine große Herausforderung da. Los ging es in Moshi gut 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Insgesamt 500 Höhenmeter bei feucht-warmen Bedingungen hatten die Läufer in der Folge zu bewältigen. „Das war einer meiner schwersten Marathons“, sagt Uli Sauer, dass er nach 18 Kilometern schon das erste Mal durchschnaufen musste. „Das passiert mir sonst nicht“, verrät der Hobby-Bergsteiger, der die dünne Höhenluft gewohnt ist und schon vier 6000er in Nepal, Ecuador, Indien und Bolivien bestiegen hat. Zuvor ging es mit Bergführer allerdings auch schon ganz hinauf bis zum Gipfel des höchsten Bergs Afrikas.

Für ihre Strapazen wurden Sauer und seine Ehefrau dafür mit einem wohl unvergesslichen Erlebnis belohnt. „Die Natur ist der Wahnsinn und die Menschen dort sind unglaublich freundlich und laufbegeistert. An der Strecke hatten Einheimische ihre Obststände aufgebaut, Kinderscharen begleiteten uns in Flip-Flops. Eine junge Frau lief sogar die komplette Strecke in Alltagskleidung, Sandalen und ohne Startnummer, weil sie sich die vier Dollar Startgebühr nicht leisten konnte“, schildert Sauer seine Eindrücke vom Marathonlauf.

Für ihn steht fest: „Diese Reise war auf jeden Fall das Highlight meiner Läuferkarriere und ich möchte mich ausdrücklich bei allen Schuhspendern bedanken.“ Den Kontakt zum Veranstalter möchte er aufgrund der sehr positiven Reaktionen der neu ausgestatteten Läufer aufrechterhalten. „Interessierte Spender können ihre Treter schon mal zur Seite legen“, sagt er freudig. Im Jahresrhythmus sollen in Zukunft ausrangierte Laufschuhe im Schatten des Kilimandscharo in neuem Glanz erstrahlen.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik