Sportlerehrung

Einen Oskar für Hervest

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Hervest-Dorsten.  Es ist kalt und dunkel auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Fürst Leopold. Rainer Löptsen und Michael Tackenberg wissen nicht, dass gerade eben Ruder-Weltmeister Lukas Müller zum Sportler des Jahres erkoren worden ist.

Die beiden Wachmänner haben andere Probleme: Mit einer Taschenlampe bewachen die beiden City-Service-Jungs den Parkplatz. Man weiß ja nie. Ihr Abend ist kalt, aber ruhig, denn in der hell erleuchteten Lohnhalle von Leopold findet ein Familienfest statt. Die Familie des Dorstener Sports trifft sich hier zur großen Party, zu einer Art Erntedankfest für ein hartes Jahr voller Training und Arbeit: Sport ist das pralle Leben und das Leben pulsiert in der Stadt Dorsten gerade in Hervest besonders rasant. „Nirgendwo passiert derzeit soviel wie in Hervest“, sagte Bürgermeister Lambert Lütkenhorst in seiner Laudatio. Auch im Sport und dabei speziell im Fußball sortiert sich die Welt gerade neu: Der Frauenfußball setzt seinen Siegeszug auch in Dorsten fort und die Jugendauswahlspielerin des FC Rhade, Christina Schimpke, sicherte sich den im vergangenen Jahr ins Leben gerufenen Talent-Award.

„Forza Hervest“ hatten die Organisatoren des SuS Hervest auf ein Banner geschrieben. Eine Botschaft, die auf den Schmelztiegel der Nationen in Hervest verweist, auf die Kraft, die dieser Stadtteil in seiner Erneuerung entwickelt und natürlich auf den Sport und seine Dynamik hinweist.

„Wir haben am Donnerstag bis zwei Uhr in der Nacht malocht. Es hat sich gelohnt“, sagt SuS-Chef Andree Gramadtke. Sein Verein hatte ganze Arbeit geleistet. Eine rappelvolle Lohnhalle mit fröhlichen Sportlern ist der Lohn für diese Arbeit. Die beiden Moderatoren Jan-Henning Janowitz und Michael Maiß waren in feines Tuch gekleidet, aber ihr lockerer Stil verriet, dass sie in ihrem Herzen in Sportzeug auf der Bühne standen und so die Tonlage der Sportler fanden. „Man staunt immer wieder, wie bunt die Sportlandschaft in Dorsten ist. Einradfahrer, Ruderer, Kampfsport und Fußball: Man vergisst immer etwas, wenn man es aufzählen will“, so Bürgermeister Lambert Lütkenhorst. Seine Betrachtung zur Vielfalt des Sports in Dorsten schlug sich denn auch in der langen Liste der Ehrungen nieder: 49 Sportler und Teams wurden geehrt. 31 Sportler, Funktionäre und gute Geister der Vereine erhielten die Plakette, die einst der Papst des Schießsports in Dorsten, Manfred Gwosdz entworfen hat, in Bronze verliehen. Gwosdz war selbst unter ihnen.

Es spricht für den familiären Charakter der ganzen Veranstaltung, das Jung und Alt einmütig im Rampenlicht der Ehrung standen. Auch die zehn mit Silber geehrten genossen den Applaus und die Atmosphäre der Lohnhalle. Stimmungsvoll wurde es, als die Goldmedaillen vergeben wurden: Eine davon bekam ein Hervester Junge. Josef „Jupp“ Pöppelbuß ist Mr. Tischtennis in Hervest. Sein TTV ist ein Stück Arbeiterkultur und als Spieler, Vorsitzender und ganz einfach dufter Kumpel hat Pöppelbuß praktisch exemplarisch unter Beweis gestellt, was der aus dem Bergbau entlehnte Begriff Kameradschafts-Gedinge bedeutet: Bedingungslosigkeit. Auch Karlheinz Vogel war gerührt: Als Personalchef klebte er einst quasi die Lohntüten zu, die in der Lohnhalle verteilt wurden. Am Freitag wurde seine Sportlerlaufbahn vergoldet.

Dass Frauen den Sport in Dorsten maßgeblich mitprägen, hat Helgard Sasonow in ihrem langen Sportlerleben bewiesen und hat jetzt dafür Gold bekommen. All diese starken Typen haben dieses wirklich tolle Fest an diesem symbolträchtigen Ort verdient. Und sie haben es genossen. Forza Sport in Dorsten.

Weitere Berichte zur Sportlerehrung finden Sie am Montag in der gedruckten WAZ

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