Boxen

Velberter Bundesliga-Boxer: „Ein blaues Auge ist okay“

Faust an Faust: Chris Marco Eloundou (l.) und Morad Möllenbeck (r.).

Faust an Faust: Chris Marco Eloundou (l.) und Morad Möllenbeck (r.).

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Morad Möllenbeck und Chris Marco Eloundou vom Velberter BC sind im Ring erfolgreich. Der Weg zum Boxen führte bei beiden über den Fußball.

Es riecht nach Schweiß im Untergeschoss der Mülheimer Innogy-Sporthalle. Wer den Weg hierher findet, der spürt, dass sich hier Sportler quälen. Für die eigene Fitness, für den nächsten Wettkampf – für den Erfolg. Morad Möllenbeck und Chris Marco Eloundou haben ihr rotes Box-Dress an. Die Handschuhe sitzen fest an ihren Fäusten. „Patsch, patsch.“ Energisch schlagen beide auf die Boxsäcke ein. Dann tänzeln sie wieder. „Patsch, patsch.“ Es schlägt erneut ein. Bald boxen die beiden für den Velberter Box-Club in der Bundesliga.

Morad Möllenbeck, 27, und Chris Marco Eloundou, 19, gehören zu den besten Boxern ihres Stammvereins, des BC Mülheim-Dümpten. Erst kürzlich waren sie mit dem Landesverband Nordrhein-Westfalen nach Australien geflogen, boxten dort bei einem Ländervergleichskampf und bei den Golden Gloves. Mit Erfolg. Weltergewichtler Eloundou (-69kg) belegte Rang zwei, Möllenbeck gewann im Halbweltergewicht (-63kg).

Aus Australien viel mitgenommen

Für die beiden war der Auftritt in Down Under eine besondere Erfahrung. „Die Menschen dort sind ganz anders als hier. Sie sind sehr freundlich“, sagt Möllenbeck. Sein Teamkollege stimmt ihm zu und ergänzt: „Auch was das Boxen angeht gibt es Unterschiede. Die sind richtige Kämpfer, boxen nicht so abwartend. Das macht sie aber auch leichter zu treffen.“

Das konnten Möllenbeck und Eloundou ausnutzen. Auch dank ihrer Erfahrung. Möllenbeck, der in Oberhausen lebt und bei einer Krankenkasse arbeitet, hat mittlerweile 62 Mal im Ring gestanden, 45 Mal gewann er. An seinen ersten Kampf kann er sich noch genau erinnern.

Vom Fußball zum Boxen

Möllenbeck war eigentlich Fußballer. Er kickte für Adler Osterfeld. Als es Differenzen mit dem Trainer gab, hörte er auf. „Irgendwann hat mein Bruder gesagt, ich sei zu dick geworden und hat mich mitgenommen zum Boxen“, erinnert er sich. Damals habe er 90 Kilogramm gewogen. Nach drei Monaten war er fit, stieg erstmals in den Ring – und gewann. „Das ist wichtig. Wenn man den ersten Kampf verliert, steigt man nicht wieder in den Ring. Aus Angst, wieder zu verlieren“, sagt Möllenbeck.

Es folgten 14 weitere Siege, erst im 16. Duell riss die Serie. „Ich war der Meinung, ich hätte gewonnen. Die Ringrichter haben das anders gesehen. Ich habe hinterher Rotz und Wasser geheult.“ Es folgten viele weitere Siege – und auch der Traum vom Profigeschäft lebt noch. „Dafür brauche ich viele Kämpfe, Erfahrung und Medaillen. Dann kann es vielleicht auch mit Olympia 2024 klappen“, sagt Möllenbeck.

Schläge kassieren? Kein Problem

Auch Chris Marco Eloundou hat eine Karriere als Boxer im Blick. Vor zwei Jahren stand er zum ersten Mal im Viereck, über die Schule war er zu dem Sport gekommen – bei seinem Debüt feierte er gleich einen Sieg. Er hat Blut geleckt und ist dabei geblieben. Eigentlich sogar viel mehr, als nur dabei geblieben. „Ich habe vorher auch Fußball gespielt, aber das ist etwas ganz anderes. Beim Boxen bin ich mit Herz und Seele dabei“, verrät er.

36 Siege hat er in 48 Kämpfen errungen, dabei zehn Niederlagen erlitten und zwei Mal endete ein Duell unentschieden. Will er Profi werden? „Ich träume nicht so viel. Dann ist die Enttäuschung später nicht so groß. Ich mache es, weil es meinem Leben einen Sinn gibt.“

Wer so oft gewinnt, teilt meistens aus. Aber wie ist es, wenn die Faust des Gegners im eigenen Gesicht einschlägt? „Manchmal ist es auch geil, eine rein zu bekommen. Ein blaues Auge ist okay, dann kann man hinter stolz erzählen, dass man einen Kampf hatte. Ein Cut ist aber blöd. Das bedeutet dann meistens auch vier Wochen Trainingspause“, erzählt Morad Möllenbeck. Sein Trainingspartner ergänzt: „Ich will den Druck spüren. Wenn du Schläge kassierst spürst du das Laben in dir.“

Angeschlagen in der Oberliga

Seinen vom Gefühl besten Kampf hat er in der Oberliga für den Velberter BC gemacht, als eigentlich kaum Leben in ihm steckte. „Ich war total erkältet. Wenn der Arzt das gesehen hätte, hätte er mich nicht kämpfen lassen. Ich war dann aber total dominant und habe gewonnen. Da habe ich gemerkt, was man durch den Glauben an sich selbst alles erreichen kann“, sagt Eloundou.

Für die Velberter werden die beiden auch in der neu gegründeten Bundesliga kämpfen. Wollen sie ihre Gegner lieber auf dem Ringboden sehen, oder nach Punkten gewinnen? Lange überlegen müssen Möllenbeck und Eloundou nicht. „Wenn ich meinen Gegner über drei Runden bestrafen kann und ihm zeigen, dass ich ihm überlegen bin, ist das super. Ein Knock out ist geil, aber den kann ich auch mit einem Glückstreffer landen“, erklärt Möllenbeck.

Den Gegner richtig quälen

Wenn es über die Distanz geht, kann Möllenbeck seine Stärken ausspielen. „Er ist sehr beweglich, für den Gegner schwer zu stellen“, sagt Eloundou über den 27-Jährigen. Dieser gibt die Komplimente gerne zurück. „Chris ist physisch stark, hat ein gutes Auge und beherrscht die Kunst, einen Kampf zu gestalten.“

Für Eloundou selbst kommt es beim Boxen aber auch auf die Psyche an. „Ich brauche auch die produktive Anspannung vor den Duellen“, sagt er. Nach dem Abitur möchte er Psychologie studieren. Und auch sonst – auch wenn er noch kein Profi ist, lebt er bereits wie einer. „Ich habe circa die ersten zwölf Kämpfe gewonnen, nach der ersten Niederlage habe ich dann alle Prinzipien in Frage gestellt“, erinnert sich der überzeugte Veganer. Er ist seiner Linie aber treu geblieben – und hat wieder Erfolg.

Ali und Joshua sind die Vorbilder

Mit arrogantem Getue, wie es etwa Floyd Mayweather jr. vorlebt, kann er nichts anfangen. Sein Vorbild ist der Brite Anthony Joshua. „Er verhält sich immer respektvoll“, sagt Eloundou, der in Krefeld lebt und zum Training nach Mülheim kommt. „Hier habe ich meine sportliche Heimat. Und mit Abi Guettari und Frank Nierhaus haben wir hier super Trainer“, sagt er.

Das Vorbild von Morad Möllenbeck ist Muhammad Ali. „Er hat auch außerhalb des Rings viel bewegt“, sagt Möllenbeck. Während er erzählt, quälen sich im Hintergrund die anderen Sportler. Es riecht nach Schweiß. Möllenbeck und Eloundou schlagen auf die Sandsäcke ein. Bald boxen sie in der Bundesliga.

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