Fußball

Das sagen die Vereine aus Niederberg zum neuen Sportverbot

Auf Zweikämpfe wie diese von Tomislav Simic vom SC Velbert gegen Jesse Weißenfels von der SSVg Velbert, müssen Fußball-Fans nicht nur in der Oberliga erst einmal verzichten.

Auf Zweikämpfe wie diese von Tomislav Simic vom SC Velbert gegen Jesse Weißenfels von der SSVg Velbert, müssen Fußball-Fans nicht nur in der Oberliga erst einmal verzichten.

Foto: Stefan Rittershaus / FUNKE Foto Services

Velbert.  Kurzarbeit und Zweifel am Datum. Wir haben nachgefragt bei der SSVg Velbert, TVD, SC, SV Union, Langenberger SV und den Sportfreunden Siepen

Die Entscheidung des Fußballverbandes Niederrhein (FVN), die angesetzten Seniorenspiele am Wochenende noch durchführen zu wollen, ist nachvollziehbar - aber auch sehr mutig. Sicher hat der FVN Recht, wenn er sagt, dass bisher über 90 Prozent der Spiele nach dem Re-Start stattgefunden haben und dass die Ansteckungsgefahr auf dem Fußballplatz an sich gering ist.

Blickt man auf die einzelnen Ligen, fallen aber an jedem Wochenende in so gut wie jeder Spielklasse einige Partien aus, Tendenz steigend. Die oft genannte Prozentzahl beleuchtet also nur den positiven Teil des Gesamtkomplexes. Sicherlich steigt der Termindruck mit jedem komplett ausgefallenem Spieltag enorm und wirft Fragen über Fragen auf. Denn ob es wirklich legitim ist, Amateursportler auf Dauer in einem drohenden Drei-Tages-Rhythmus spielen zu lassen und sie so auch einer gesundheitlichen Belastung auszusetzen, die ansonsten nur Berufssportler kennen, muss sich jeder selbst beantworten. Insofern erleichtert jedes ausgetragene Spiel freilich auch diese Situation in der Zukunft.

Doch wenn die Politik, die die Verantwortung für jeden Bürger trägt, nun einmal entscheidet, dass ab dem kommenden Montag alles heruntergefahren wird, warum sollte dann am Wochenende noch gespielt werden, in Anbetracht der immer weiter steigenden Inzidenzzahlen und Neuinfektionen pro Tag? Die Situation am Samstag wird ja nicht exorbitant viel besser sein, als jene am Montag.

Es ist ein nur schwer zu moderierendes Spannungsfeld zwischen Terminnot, gesellschaftlicher und gesundheitlicher Verantwortung und der föderalen wie bundesweiten Politik. Und das in einer Krise, die mindestens in den vergangenen 70 Jahren seinesgleichen sucht.

Dazu passt auch, dass die Stadt Velbert den Sportvereinen mittlerweile die Empfehlung ausgesprochen hat, den Trainings- und Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung zu pausieren. Eine Anordnung ist das noch nicht, dies kann sich allerdings nach dem Erhalt der neuen Coronaschutzverordnung des Landes ändern.

SSVg Velbert weiß noch nicht, ob das Spiel am Wochenende ausgetragen wird

Die Vereine aus der Gegend sind jedenfalls zwiegespalten und sehen bei der Entscheidung sowohl positive wie auch negative Aspekte.

Oliver Kuhn, der 1. Vorsitzende der SSVg Velbert sagt: „Wir haben es mit der nötigen Gelassenheit gesehen, ob am Wochenende noch gespielt wird. Grundsätzlich haben wir ab Montag wieder einen sportlichen Lockdown. Das hat sich schon abgezeichnet und ist für alle Sporttreibenden ein hartes Los. Deshalb werden wir auch wieder auf Kurzarbeitermodus umstellen.“

Die Partie im Niederrheinpokal beim DV Solingen, ist offiziell noch für Samstag angesetzt - trotz der hohen Inzidenzzahl von 279,8 in der Klingenstadt. „Es gibt ja auch viele Untersuchungen, dass im Sport wenige Infektionen festzustellen waren, sodass ich glaube, dass das Spiel durchaus durchführbar ist“, so Kuhn. Solingens Stadtsprecher Lutz Peters trübt allerdings diese Hoffnung. Aktuell arbeite die Stadt an einer Allgemeinverfügung, die möglicherweise schon in der Nacht zu Samstag in Kraft treten soll und die jeglichen Kontaktsport, bei dem kein Sicherheitsabstand von 1,5 Meter gewährleistet werden kann, untersagen würde, so Peters.

Der SSVg droht also ein weiteres freies Wochenende. Sollte es so kommen, ist für Kuhn nicht unwahrscheinlich, dass die Velberter ihr letztes Spiel des Jahres bereits absolviert haben. „Normalerweise dauert es ja mindestens zwei Wochen, bis die Mannschaften wieder hochgefahren sind. Wir können ja keinen Kaltstart machen. Da ist die Frage, ob es Sinn ergibt, im Dezember für nur ein Spiel wieder starten oder ob man nicht bis zum 31. Dezember eine klare Linie fährt und dann wieder startet“, so Kuhn.

TVD Velbert hat den Trainingsbetrieb eingestellt

Ganz sicher ohne Einsatz wird am Wochenende der TVD Velbert sein. Die Niederrheinpokal-Partie gegen Viktoria Buchholz war schon vor der aktuellen Entwicklung abgesetzt, da die Stadt Duisburg dem Bund zuvorgekommen ist und ein Kontaktsportverbot verhängt hat. Michael Kirschner, Sportlicher Leiter in Birth,sagt: „Wir folgen der Empfehlung der Stadt und werden nicht mehr trainieren. Das ist eine traurige Situation, jeder hat Lust, seinem Hobby nachzugehen. Aber es ist gut, in so einer Phase auch mal eine Pause einzulegen, damit die Wettbewerbsverzerrung nicht noch größer wird.“

Denn die Tabelle in der Oberliga Niederrhein ist völlig verzerrt. Während die Sportfreunde Baumberg und Union Nettetal bereits elf Spiele absolviert haben, stehen der VfB Hilden und der SC Düsseldorf-West gerade einmal bei sieben Partien. „Du hast pro Spieltag mehrere Ausfälle. Da ist es gut, dass nun probiert wird, ein wenig Ruhe reinzubekommen, damit irgendwann mal komplette Spieltage durchgeführt werden. Aber wann die Nachholspiele stattfinden und in welcher Form, kann ich mir noch nicht vorstellen“, sagt Kirschner.

SC Velbert hält eine Fortführung am Wochenende für „inkonsequent“

Auch sein Pendant beim SC Velbert, Jörg Scalet, muss am Wochenende nicht ins Auto steigen, um das Niederrheinpokal-Spiel des Sportclubs beim VfB Bottrop zu verfolgen. Denn die Stadt Bottrop hat ab Freitag alle Sportanlagen gesperrt. Scalet hätte es auch „inkonsequent“ gefunden, wenn am Wochenende alle Spiele ausgetragen werden würden.

„Ich glaube zwar, dass der Sport draußen keinen Infektionsherd darstellt und bin da auf einer Linie mit dem Verband. Aber wenn die Politik die Entscheidung so getroffen hat, dann sollte man auch sofort damit anfangen und nicht noch 500-600 Leute quer durch Nordrhein-Westfalen schicken, um die 1. Runde des Niederrheinpokals noch auszuspielen.“, so Scalet.

Grundsätzlich sei es traurig, dass das Hobby nun wieder hinten angestellt werden muss und auch „sportlich aus der aktuellen Phase herausgerissen zu werden. Aber wenn man als Verein dazu beitragen kann, dass sich die Entwicklung bremst, dann machen wir das natürlich auch. Dann muss man das Sportliche hinten anstellen.“

Langenberger SV und Sportfreunde Siepen sehen keine Spiele mehr in diesem Jahr

Ähnlich sehen das Thorsten Martin, der 1. Vorsitzende des Langenberger SV und Tim Zimmermann, Geschäftsführer bei den Sportfreunden aus Siepen. „Der aktuelle Lockdown zeichnete sich ja bereits seit mehreren Tagen ab, von daher sind wir nicht überrascht. Nichtsdestotrotz sind wir natürlich enttäuscht, insbesondere für unsere Sportler tut es uns leid. Momentan gehe ich nicht davon aus, dass in diesem Kalenderjahr noch Spiele stattfinden werden. Man kann die Jungs ja nicht nach vier Wochen Pause untrainiert aufeinander loslassen. Ich hoffe, dass alle gesund durch den Winter kommen und wir uns im Frühjahr alle wohlbehalten auf dem Platz wiedersehen“, sagt Zimmermann.

Martin ergänzt: „Der FVN hat vor ein paar Monaten klipp und klar gesagt, dass es eine 14-tägige Vorlaufzeit braucht, um wieder reinzukommen. Dann haben wir Mitte Dezember und dann brauchen wir gar nicht mehr zu spielen dieses Jahr. Es ist klar, dass der FVN alles versucht, jedes Spiel, das noch möglich ist, über die Bühne zu bringen. Aber eigentlich ist es die einzige vernünftige Entscheidung zu sagen, Schluss, Aus, Ende. Es ist mittlerweile ein Flickenteppich. Wir sehen, dass von Woche zu Woche mehr Spiele ausfallen. Man kann kaum planen, weil man Freitag gar nicht weiß, ob man Sonntag spielt“, so Martin, der auf seinen Verein ein Problem zurollen sieht: „Die Einnahmen sind gleich Null. Wir haben das schon einmal vier, fünf Monate überbrückt. Aber das macht es nicht einfacher, obwohl wir wissen, wie es geht. Beim zweiten Mal wird es sicher schwerer.“

SV Union Velbert sorgt sich noch nicht vor finanziellen Problemen

Finanzielle Schwierigkeiten sieht Dieter Blobel vom SV Union Velbert noch nicht auf den Klub zukommen, auch wenn der Klub ebenfalls Personen bezahlen muss. „Das ist aber genauso wie im Frühjahr“, so Blobel. Das größte Problem sei eher die fehlende Bewegung für die Kinder. „Wir müssen nun allen wieder sagen, dass wir kein Angebot für sie haben. Das ist sehr bedauerlich. Aber da reden wir ja nicht nur vom Fußball, sondern auch vom Tischtennis und den Gymnastikgruppen.“

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