Familien-Serie #3

Tischtennis-Familie Wickel: Wie der Vater, so der Sohn

Michael Wickel (l.) im Gespräch mit Tobias Wickel, TTC Feudingen

Michael Wickel (l.) im Gespräch mit Tobias Wickel, TTC Feudingen

Foto: Florian Runte

Feudingen.   Michael und Tobias Wickel spielen in einem Team – in der Spielweise mit ähnlicher Prägung. Warum das so ist und welche Gegner ihnen zuwider sind.

Wenn es in den Fingern juckte, musste die Blumenvase vom Wohnzimmertisch. Der Papierkram und der Laptop auch. In die Tischmitte kamen stattdessen die großen, gerollten Handtücher, die als Netz dienten, wenn der Ball hin und her flog. Das tat er in einem hohen Tempo, denn sowohl Michael Wickel (48) als auch sein Sohn Tobias (24) spielen lieber druckvoll als abwartend. Die Mutter, Elke Wickel, schüttelte nicht etwa den Kopf, sondern guckte sich das gerne an und spielte manchmal auch mit. „Mittlerweile spielen wir nicht mehr im Wohnzimmer“, sagt Michael Wickel: „Der Tobias ist ja nach Hatzfeld gezogen.“

Das Ende der gemeinsamen Tischtennis-Liebe ist dies aber nicht, beide spielen noch zusammen im TTC Feudingen. So wie am Küchentisch: Druckvoll und mutig. „Bei Gegnern, die nur schupfen, flippe ich aus“, sagt Tobias Wickel. „Da verliere ich lieber mit Angriffsbällen“, ergänzt der Papa, der die Unterschnitt-Bälle auch überhaupt nicht mag: „So zu spielen ist mir zu langweilig. Wenn es geht, zwingen wir dem Gegner das Spiel auf.“

Dass beide eine ähnliche Spielanlage haben, ist kein Zufall. „Ich habe ihm gezeigt, was ich gut kann. Das hat er dann gelernt“, sagt Michael Wickel, der seinen Sohn erstmals im Alter von vier Jahren spielen ließ. „Das war einer dieser kleinen Schläger, der war orange“, erinnert sich Tobias, der auch noch weiß, warum ein Nachfolgemodell nötig wurde: „Irgendwann habe ich den gegen die Wand geworfen.“ Womöglich spielte der Gegner Schupfbälle.

Doppelsieg beim Wittgenstein-Cup

Außer bei seinem Papa lernte Tobias Wickel bei Lars Bernshausen und ein Jahr in der Bezirksklasse beim TV Arfeld. Sonst spielte er beim TTC Feudingen. „Ich habe nicht ein Jahr Pause gemacht, der Sport macht mir einfach Spaß. Den Spin an den Ball zu kriegen, die Konzentration, die Schnelligkeit“, sagt Tobias, der seit sieben Jahren mit seinem Papa in der Männermannschaft spielt, aktuell in der 1. Kreisklasse.

Als Doppel agieren beide, anders als man denken könnte, normalweise nicht. Michael spielt seit Jahren an der Seite von Lars Bernshausen, Tobias gemeinsam mit dem Vorsitzenden Andreas Rothenpieler. Wickel/Wickel, das gab es in der vergangen Saison nur einmal – mit einer Niederlage. Einmal wurden beide gemeinsam Vereinsmeister, 2016 sogar gemeinsam Sieger in der B-Klasse beim Wittgenstein-Cup.

Balance-Suche

Und wer ist der bessere von beiden? Die Rangliste bzw. die vereinsinterne Setzliste sieht den Älteren vorne. „Bei der Vereinsmeisterschaft waren wir mal gegeneinander im Finale, da hat Papa gewonnen“, erinnert sich Tobias. „Ich hatte ich den Vorteil, dass ich ihn genau kenne. Im Training spielt man ja so, dass es ein schönes Spiel gibt. Im Wettkampf ist man dann schon gemeiner“, schmunzelt Michael: „Eigentlich ist Tobias von der Technik und Beweglichkeit her besser, aber er muss ruhiger bleiben. Im entscheidenden Moment ist es oft zu hastig.“

Dies gehört bei den Mannschaftsspielen auch oft zu den Hinweisen in den Matchpausen, in denen sich beide gleichermaßen Tipps geben. Ein Faktor ist, dass Michael regelmäßiger trainiert – Tobias ist nun vorrangig Fußballer an seinem neuen Wohnort, bei der SG Hatzfeld/Eifa. Vier Tore und sieben Vorlagen sind ein guter Wert in der A-Liga.

Mal eben zum Training nach Feudingen, das ist allerdings nicht drin. „Dass ich beim Tischtennis nicht ehrgeizig bin, würde ich nicht sagen. Im Spiel bin ich es dann doch.“

Tischtennis, das verbindendes Element zwischen Vater und Sohn? Das wäre dann doch zu kurz gegriffen, denn beide sehen sich auch in der Firma (Weber Maschinentechnik) und haben auch sonst weitere gemeinsame Hobbys. Beide schrauben gerne gemeinsam an Motorrädern, grillen oder fahren zu Fußballspielen von Schalke. Früher ging es häufig auch zu den Tischtennis-Spielen des TTC Gönnern, ein Schlägerbelag von Timo Boll im Bilderrahmen kündet davon.

Am liebsten treffen sich beide aber am grünen Tisch, weshalb sie so lange es geht noch zusammen in einem Team spielen wollen. Und zur Not tut es ja auch ein Wohnzimmertisch.

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