SC Paderborn

Sven Michel mit 29 Jahren am Ziel seiner Träume

Der Alchener Sven Michel (links) jubelte am Sonntag mit dem SC Paderborn über den sensationellen Durchmarsch von der 3. Liga in die 1. Bundesliga.

Der Alchener Sven Michel (links) jubelte am Sonntag mit dem SC Paderborn über den sensationellen Durchmarsch von der 3. Liga in die 1. Bundesliga.

Foto: Robert Michael

Paderborn/Alchen.   Der aus Freudenberg-Alchen stammende Profifußballer ist mit dem SC Paderborn von der 3. in die 1. Liga durchmarschiert.

Als Sven Michel in der Nachspielzeit den Kontakt zu Schiedsrichter Sven Jablonski suchte, hatte der Fußballer des SC Paderborn 07 nur ein einziges Anliegen. Ein im ersten Moment untypisches Anliegen, weil er nicht wie oft üblich bei Mannschaften, die zurückliegen, um weitere Minuten bat. Michel, der 29-jährige Alchener, forderte vom Referee nur eins – und das formulierte er in bester Mundart: „Pfeif ab dat Dingen“, erzählte Sven Michel später, habe er gesagt, „denn das kriegst du vom Kopf her nicht mehr geregelt.“

Was ihm und den restlichen Paderbornern die Nerven raubte? Sie lagen bei Dynamo Dresden mit 1:3 zurück und beim VfL Bochum hatte Union Berlin zum 2:2 ausgeglichen. Ein weiterer Treffer der Berliner – und der SCP wäre nicht als Tabellenzweiter der 2. Bundesliga direkt in die Bundesliga aufgestiegen. Er wäre auf Relegationsplatz drei abgerutscht. Jablonski pfiff ab, Michel und Co. rannten zu umherstehenden Bildschirmen und durften nach bangen Momenten die Aufstiegsparty starten. „Ich glaube, ich brauche noch ein paar Tage, um zu verstehen, dass ich es in meinem Alter noch in die Bundesliga geschafft habe“, sagte Michel, „ich bin ja schon 29 Jahre alt.“

Beim TuS im Freudenberger Stadtteil Alchen begann Michel einst seine Fußballkarriere. Über die Sportfreunde Siegen führte sein Weg zu Borussia Mönchengladbach II und von dort zum Zweitligisten Energie Cottbus. Als die Lausitzer aus der Dritten Liga abstiegen, wechselte Michel im Sommer 2016 zum SC Paderborn 07.

„Sven kennt die Liga und hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er über starke Qualitäten sowohl im Abschluss als auch in der Torvorbereitung verfügt“, beschrieb der damalige SCP-Coach René Müller Michels Qualitäten. Paderborn hatte nach dem Abstieg im Jahr zuvor aus der Bundesliga gerade den direkten Absturz in Liga drei nicht verhindern können.

Allerdings rutschten Michel und die Ostwestfalen erst bis kurz vor das Tor der Fußball-Hölle, ehe sie ihren wundersamen Aufstieg zurück in den Kicker-Himmel begannen. Nur auf Grund der Insolvenz von 1860 München blieb der sportlich abgestiegene SCP im Jahr 2017 schließlich Drittligist.

Zehn Tore, sieben Vorlagen

„Ich bin zwei Jahre in Folge von der 3. Liga in die Regionalliga abgestiegen, einmal mit Cottbus, einmal mit Paderborn. Bei so etwas kriegt man Selbstzweifel“, verriet Sven Michel und ergänzte: „Dann so eine Saison zu spielen – das war Balsam für die Seele.“ Zum Zeitpunkt des Gesprächs mit dieser Zeitung war den Ostwestfalen auch dank der 19 Tore von Michel die Rückkehr als Tabellenzweiter in die 2. Bundesliga gelungen. Sven Michel mauserte sich mehr und mehr zum Leistungsträger innerhalb der eingespielten Mannschaft. „Es fällt manchmal auf, wie wichtig einer ist, wenn er nicht da ist“, sagte Trainer Steffen Baumgart jetzt über seine Nummer 11. Seine Ballbehauptung, sein Blick für die Mitspieler und seine Torgefahr machen Michel so wertvoll.

Zehn Tore, sieben Vorlagen – das ist seine Bilanz in 26 Zweitligaspielen. Achillessehnenprobleme und muskuläre Malessen stoppten ihn ab und an. Zwar betonte Baumgart die Wichtigkeit des Kollektivs, trotzdem sagte er über Michel: „Wir brauchen jeden, aber Sven spielt schon eine besondere Rolle.“

Der Vertrag des Alcheners läuft bis 2021. Baumgart benötigt ihn für den Kampf um den Klassenerhalt. „Sveni ist, jetzt muss ich vorsichtig sein“, sagt der Trainer grinsend, „Sveni ist manchmal so ein bisschen wie ein Panzerfahrer – mit dem Kopf gerade durch.“ Nur in einem Moment streikte der Siegerländer Schädel: in den Schlusssekunden des Dramas in Dresden.

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