Fußball-Oberliga

Sportfreunde Siegen unterliegen Herne

Schiedsrichterin Kathrin Heimann hat alle Hände voll zu tun, um den Clinch zwischen Maurice Kühn und Lukas Hombach und die anschließende Rudelbildung zu schlichten. Sie zückt insgesamt drei gelbe Karten, darunter auch für Siegens Marc Steffen Freund, der am Disput gar nicht beteiligt ist.  

Schiedsrichterin Kathrin Heimann hat alle Hände voll zu tun, um den Clinch zwischen Maurice Kühn und Lukas Hombach und die anschließende Rudelbildung zu schlichten. Sie zückt insgesamt drei gelbe Karten, darunter auch für Siegens Marc Steffen Freund, der am Disput gar nicht beteiligt ist.  

Foto: Rene Traut

Siegen.   Das 1:2 ist die erste Niederlage in diesem Jahr. Junges Team ist Härte und Provokationen des Gegners nicht gewachsen.

Es gibt in der Oberliga Westfalen Mannschaften, die für gepflegten Fußball stehen. Dazu gehören die Schalker oder – mit leichten Abstrichen — die Sportfreunde Siegen. Und es gibt Teams, die nur auf Körperlichkeit, auf extreme Zweikampfhärte, setzen. Dazu zählt Westfalia Herne, weil dies im Abstiegskampf die Philosophie von Trainer Christian Knappmann ist. Gestern prallten beide Extreme im Leimbachstadion aufeinander – mit dem glücklicheren Ende für die Gäste, die mit dem 2:1-Sieg in diesem Jahr ungeschlagen bleiben. Für die Sportfreunde war es 2019 dagegen die erste Niederlage.

Die große Doppelchance zum 1:0

Hernes Trainer Christian Knappmann, wieder mal ein Ausbund an (grenzwertiger) Emotionalität, rechtfertigte sich in der Pressekonferenz mit markanten Sprüchen: „Manchmal vergessen wir unsere Kinderstube. Für uns geht es aber auch um Leben oder Tod.“ Kollege Dominik Dapprich beurteilte es eher sachlich: „Herne war gut auf uns eingestellt. Härte und Robustheit schmecken uns am wenigsten. Wenn wir uns darauf einlassen, haben wir keine Chance.“

Vom Anpfiff an ging Herne „drauf“, störte früh, suchte die Duelle, um die Sportfreunde einzuschüchtern. Die hätten viel Luft aus dem Ballon nehmen können, hätten sie die Doppelchance zum 1:0 genutzt: Ryo Suzuki passte in den Lauf von Lukas Hombach, doch Torwart Ricardo Seifried fuhr den Arm aus. Den anschließenden Becker-Eckball köpfte Verteidiger Jan Luca Rumpf, Teil der diesmal zunächst auf drei Leute reduzierten Abwehrkette, an den Pfosten (12.). Nur drei Minuten später der Nackenschlag: Der Freistoß aus halblinker Position von Bilal Abdallah erwischte kein Siegener Abwehrspieler, dafür Ilias Anan mit der Fußspitze (15.), statt 1:0 stand es 0:1. Das Gegentor schockte die Sportfreunde, die sich viel zu oft in Zweikämpfe verwickelten, aber zunächst auch nicht in der Lage waren, die Probleme auf dem Feld mit spielerischen Elementen zu lösen, blieben insbesondere die Flügel häufig hängen. Weil auch der Offensivdrang von Spielmacher Björn Jost immer wieder, mal mit fairen, mal mit unfairen Mitteln gebremst wurde, gab es bis zur Pause keine Torchance für Siegen.

Darauf mussten die 602 Zuschauer, darunter rund 30 Herner „Fans“, vor deren Block sich in der zweiten Halbzeit vorsorglich eine Polizeiabordnung postiert hatte, eine gefühlte Ewigkeit warten: In der 54. Minute zog Ryo Suzuki ab, doch sein 18 m-Versuch war ebenso eher harmloser Natur wie der von Björn Jost (56.). Die größte Chance zum 1:1 hatte Marc Steffen Freund nach Hombach-Pass auf dem Fuß, doch das leere Tor war für ihn nicht groß genug (78.).

Es passte zu diesem Spiel, dass die Gäste mit ihrer nächsten Aktion auf 2:0 erhöhten, zugegeben nach einer schönen Kombination: Den Pass von Michael Smykacz veredelte Nico Pulver (79.). Wie von der Tarantel gestochen rannte Knappmann über das halbe Feld in die jubelnde Spielertraube. Eine Verwarnung bekam er nicht. Alleine drei von insgesamt neun gelben Karten zückte Schiedsrichterin Kathrin Heimann wenig später nach einem Handgemenge mit mehreren aufgebrachten Spielern (82.), darunter Lukas Hombach, der wenig später für mit dem Mute der Verzweiflung stürmende Sportfreunde das 1:2 von Maximilian Wüst vorbereitete (87.).

In Überzahl – Maurice Haar sah Gelb-Rot (88.) – gelang Siegen das 2:2 nicht mehr, weil der Stoß vom permanent provozierenden Maurice Temme an Lukas Hombach nicht mit Elfmeter geahndet wurde (90.+3), ein Becker-Distanzschuss drüber flog (90.+6) und Freund den einziger Fehler von Seifried nicht nutzen konnte (90.+8). Nach 100 Minuten hatte dieser Sonntagnachmittag, an dem das Fairplay von Herner Seite mehrfach mit Füßen getreten wurde, ein Ende.

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