Fußball

Siegen? Für Bremens Florian Kohfeldt ein schwieriges Thema

Florian Kohfeldt ist Trainer des SV Werder Bremen. Für den jungen Trainer läuft es zum ersten Mal in seiner Karriere nicht komplett rund.

Florian Kohfeldt ist Trainer des SV Werder Bremen. Für den jungen Trainer läuft es zum ersten Mal in seiner Karriere nicht komplett rund.

Foto: Getty

Bremen/Siegen.  Florian Kohfeldt und der SV Werder möchten gegen Schalke 04 siegen. Doch was verbindet den Coach mit der Stadt Siegen? Eine schwere Spurensuche.

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Für ein Phantom ist er ungeheuer präsent. Fast täglich wird in diversen Medien über ihn berichtet, und wenn er zum Beispiel mit seiner Frau „im Viertel essen gehen“ oder sich „beim Spanier vor die Tür setzen“ möchte, erkennen und beobachten ihn die Menschen. Sie sprechen ihn sogar an – und er antwortet freundlich. Ein Phantom ist Florian Kohfeldt, der Trainer des Fußball-Bundesligisten SV Werder, deshalb auch nicht in Bremen, sondern woanders. Eine Spurensuche in seiner Heimatstadt.

Siegen, so steht es überall geschrieben, ist der Geburtsort des 37-Jährigen, der 2018 vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Trainer des Jahres ausgezeichnet wurde.

Und obwohl seine Mannschaft mit mittlerweile sieben sieglosen Spielen in Folge in das Heimspiel am Samstag gegen den FC Schalke 04 (15.30 Uhr / live Sky) geht, gehört Kohfeldt zu jenen Trainern, denen Engagements bei so genannten Top-Klubs zugetraut und prognostiziert werden. Als Nachfolger von Lucien Favre bei Borussia Dortmund war er vor einigen Wochen zum Beispiel im Gespräch, der Siegerländer.

Ein „das“ ist ein „das“ und kein „dat“

Der Siegerländer?

Wer Florian Kohfeldt sprechen hört, der wird seine Herkunft nicht im Siegerland verorten. Dieser meistens freundliche und antwortwillige junge Mann rollt den Buchstaben r nicht. Ein „das“ ist bei ihm ein „das“ – und kein „dat“. Und ein „es“ ist kein „et“. Florian Kohfeldt zuzurufen, dat et drätscht, wird ihn nicht dazu bringen, schnell eine Regenjacke überzustreifen oder den Regenschirm zu öffnen.

Siegerländer Platt mit Skeleton-Star Jacqueline Lölling
Siegerländer Platt mit Skeleton-Star Jacqueline Lölling

Anders als etwa Jacqueline Lölling, die amtierende Vize-Weltmeisterin im Skeleton und bekennende Siegerländerin, lebt Kohfeldt seit Jahren nicht mehr in Siegen. Seit 33 Jahren, um genau zu sein. Denn vierjährig zog er mit seiner Familie nach Delmenhorst, eine 80.000-Einwohner-Stadt vor den Toren Bremens. Dort begann Kohfeldt mit dem Fußballspielen, dort machte er sein Abitur. Dort lernte er seine Frau Juliane kennen, eine Delmenhorsterin.

Wo es alte Weggefährten gibt

In Delmenhorst gibt es deshalb die bei solchen Gelegenheiten gerne zitierten alten Weggefährten, die sich an den jetzigen Bundesliga-Trainer erinnern.

Kohfeldts damaliger Jugendtrainer beim TV Jahn, Reinhard Schumacher, ist so einer. Dem Weser-Kurier erzählte der Coach einst die Geschichte, wie ihm ein 12-jähriger Torwart namens Florian Kohfeldt nach einer derben 0:5-Niederlage eine Mappe mit möglichen anderen Aufstellungen des Teams und neuen Trainingsinhalten übergab. „So etwas habe ich von einem Kind in dem Alter noch nie gesehen“, wurde Schumacher zitiert.

Das sagt Kohfeldt zu Siegen

Cordula Fitsch-Saucke, Schulleiterin des Delmenhorster Max-Planck-Gymnasiums, erinnerte sich gegenüber dem Weser-Kurier ebenfalls an ihren ehemaligen Schüler, den sie 2002 im mündlichen Abitur prüfte.

In Siegen – gibt es diese Weggefährten nicht.

Und trotzdem klang Florian Kohfeldt fast entrüstet, als er auf die Nachfrage dieser Zeitung, ob ihn überhaupt noch irgendetwas mit Siegen verbinde, antwortete: „Natürlich habe ich noch Verbindungen nach Siegen. Schließlich ist es mein Geburtsort. Ich habe noch Verwandtschaft dort, die ich zwei, drei Mal im Jahr besuche.“

Sowohl die Familie seines Vaters als auch die seiner Mutter lebt noch in Siegen. „Besonders in Erinnerung ist mir das Langenbachtal geblieben. Das ist wirklich sehr schön“, erklärte der 37-Jährige.

Dort dürfte er bei Wanderungen durch Wiesen und Wälder tatsächlich seine Ruhe haben. Bei einem Besuch zum Beispiel des Ufers der Sieg in der Innenstadt sähe das mutmaßlich anders aus, schließlich gibt es in Siegen eine hohe Fußballaffinität, wenngleich die Sportfreunde als einstiger Zweitligist aktuell nur in der Oberliga kicken.

„Jetzt ist genug geredet!“, sagte Kohfeldt am Donnerstag. Das bezog er zwar auf die Sieglos-Serie und das Duell seiner Mannschaft („Ich merke an der Stimmung, dass sie unbedingt gewinnen will“) mit den Königsblauen – es hätte aber auch in seine Ausführungen zum Thema Siegen gepasst. Denn bei detaillierteren Nachfragen schwieg er.

Selbst Insider wissen nicht weiter

Solche Nachfragen ergeben sich zwangsläufig – beim Blick in das Telefonbuch etwa. Einträge mit dem Namen Kohfeldt? In Siegen und Umgebung Fehlanzeige. Dr. Sabine Schutz, Pressereferentin der Stadt Siegen, erklärte außerdem: „Eine Nachfrage bei unserem Bürgerbüro ergab, dass aktuell keine Kohfeldts in Siegen leben. Auch wissen selbst die Kollegen der Sportabteilung – plus solche aus anderen Abteilungen, die Insider in Sachen Siegerländer Fußballlandschaft sind – nichts über etwaige Spuren, die der Bundesliga-Trainer in jungen Jahren in Siegen oder Umgebung hinterlassen haben könnte.“

Dabei muss es sie geben, die Nachbarn oder Nachbarskinder. Die, die vier Jahre lang mit Florian Kohfeldt spielten, bevor er zum Phantom wurde. In Siegen.

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