Judo

Jonas Schreiber glücklich über „Bronze“

Jonas Schreiber (r.) bei einem seiner WM-Kämpfe in Santiago de Chile in Aktion.

Foto: IJU

Jonas Schreiber (r.) bei einem seiner WM-Kämpfe in Santiago de Chile in Aktion. Foto: IJU

Santiago de Chile.   Der 17-jährige Oberfischbacher kehrt am Dienstag mit einer Medaille von der U18-Weltmeisterschaft zurück.

Am Montagabend stand Jonas Schreiber noch eine Strapaze bevor, nämlich der 14-stündige Rückflug aus Santiago de Chile nach Deutschland. „Das wird mega anstrengend“, fürchtet der Oberfischbacher, als wir ihn wenige Stunden vor dem Transfer zum Flughafen via What’s app erwischen. Wegen seiner beeindruckenden Statur halten sich Seiten- und Beinfreiheit beim Schwergewichts-Judoka in Grenzen.

Das wertvollste Mitbringsel aus Chile schlummert derweil im Gepäck: Es ist die bronzene Medaille, die der Oberfischbacher bei der Kadetten-Weltmeisterschaft in der chilenischen Hauptstadt am Samstag in der Gewichtsklasse +90 kg gewonnen hat (unsere Zeitung berichtete). Dieses auch für den 17-Jährigen unerwartete Abschneiden wird ihm den langen Rückflug sicherlich versüßen.

Als Außenseiter im Feld der weltbesten Nachwuchs-Judoka hatte Jonas Schreiber die Reise nach Südamerika als Teil des 14-köpfigen deutschen Teams angetreten. In seiner Klasse war alles am Start, was Rang und Namen hat. Deshalb stand der Name des Bundesliga-Kämpfers der SU Witten-Annen nicht auf der Favoritenliste. Doch es entwickelte sich für Jonas Schreiber ein Turnier, das er nie vergessen wird und an dessen Ende sein bislang größter sportlicher Erfolg stehen sollte.

Wie immer ignorierte Jonas Schreiber die Poollisten, ließ alles auf sich zukommen. Nach einem Freilos zum Auftakt feierte er gegen Filip Miljevic sein WM-Debüt. Der Kroate, Dritter der Weltrangliste, in der Jonas Schreiber auf Platz 18 notiert ist, hatte der Kraft und Technik des Oberfischbachers nichts entgegenzusetzen. Mit einem Haltegriff bändigte er seinen Gegner und stand somit bereits im Finale um den Poolsieg. Hier stand ihm Omar Aydin gegenüber. Den Türken hatte Jonas Schreiber bereits bei der Europameisterschaft im Frühsommer bezwungen. Dieses Kunststück gelang ihm auch bei der WM, wieder war er mit einem Haltegriff erfolgreich.

Erholung in heimischen Gefilden

Damit war das Halbfinale erreicht, eine Medaille winkte. „Aber davon träumen wollte ich noch nicht“, erzählt der Judoka, der nach einer zweistündigen Pause wieder auf die Matte musste – und diesmal den Kürzeren zog. „Mein Gegner war doppelt so breit und noch schwerer als ich, einfach stärker“, musste Jonas Schreiber anerkennen, dass Asien-Meister Minjong Kim im wahren Sinne des Wortes eine Nummer zu groß war für das Schwergewicht aus dem Siegerland. Nach 79 Sekunden war alles gelaufen. Der Koreaner gewann später auch den Weltmeistertitel.

Abhaken, sich wieder sammeln und die letzten Kräfte mobilisieren hieß jetzt die Devise des 17-Jährigen, als es um „Bronze“ ging. Zouhair Esseryry war der Name seines Kontrahenten, ein Athlet aus Marokko, der keine Chance hatte gegen Jonas Schreiber, der mit drei astreinen Wertungen dominierte. „Er hat einen Fehler gemacht. Später habe ich ihn einfach hingeworfen“, erzählt Jonas Schreiber trocken. Damit war die Bronzemedaille perfekt.

Heute wird Jonas Schreiber, der seit gut einem Jahr in Köln ein Sportinternat und Gymnasium besucht, in Deutschland landen. Einer seiner ersten Wege wird ihn anschließend in seine siegerländische Heimat führen, denn: „Ich habe jetzt ein Dreivierteljahr nur mit Judo zu tun gehabt und brauche jetzt eine Auszeit!“ Im Kreis seiner Familie in Oberfischbach wird er sich verwöhnen lassen, auf andere Gedanken kommen und neue Körner sammeln, um in diesem Jahr noch weitere Kämpfe für die Teams der SU Witten-Annen zu bestreiten und sich bei Sichtungen in Szene zu setzen.

Olympia 2024 in Paris als Ziel

2018 wechselt Jonas Schreiber nämlich in die U21, werden die Gegner in seiner Gewichtsklasse noch schwerer, noch stärker. Da gilt es sich zu behaupten oder zumindest erstmal reinzuschnuppern. Einen Gedanken an Olympische Spiele – Judo ist seit 1964 in Tokio, abgesehen von 1968 in Mexiko, olympische Sportart, verschwendet Jonas Schreiber (noch) nicht: „2020 in Tokio kommt für mich sicher zu früh. Dafür fehlt mir im Vergleich zu den Männern noch die Kraft. Aber Paris 2024 ist sicher ein Ansporn...“

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