Triathlon

Für Timo Böhl wird das „Land der 1000 Hügel“ zur Hölle

Timo Böhl, hier beim Kindelsberg-Triathlon,ist im Kraichgau auf den 90 Radkilometern mit im Schnitt gut 34 Kilometern pro Stunde unterwegs.

Timo Böhl, hier beim Kindelsberg-Triathlon,ist im Kraichgau auf den 90 Radkilometern mit im Schnitt gut 34 Kilometern pro Stunde unterwegs.

Foto: Archiv

Ubstadt-Weiher/Bad Schönborn.   Timo Böhl erwischt bei seinem ersten 70.3-Triathlon eine Hitzeschlacht und plagt sich mit Krämpfen. Stolz auf das Erreichte, Ärger über die Zeit.

Was überwiegt: Der Stolz, es überhaupt geschafft zu haben, oder der Ärger, die gewünschte Zeit weit verfehlt zu haben? „Das ist eine gute Frage“, lacht Timo Böhl nach dem halben Ironman beim 70.3-Triathlon im Kraichgau: „Es ist auf jeden Fall beides richtig.“ In 5:24:42 Stunden absolvierte der Bad Berleburger den Dreikampf über 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen.

„Vorher habe ich gesagt: 4:45 Stunden wären schön und sind machbar“, verrät der 31-Jährige nach seinem ersten Triathlon über die Mitteldistanz. Beim Schwimmen (33:45 Minuten) und Radfahren (2:38:13 Stunden) sah sich Böhl noch im Soll. Doch dann kam der Mann mit dem Hammer, wie die Ausdauersportler zu sagen pflegen: „Die Oberschenkel waren voller Krämpfe und das Laufen artete in eine Stop-and-Go-Wanderung aus.“

Die Halbmarathon-Zeit von 2:05:51 Stunden lag weit hinter dem normalen Leistungsvermögen, denn seine Bestzeit über diese Distanz (außerhalb eines Triathlons) liegt bei 1:12:24 Stunden. Immerhin: Böhl wanderte nicht alleine. Die erste Hitze des Jahres machte etlichen anderen Athleten zu schaffen. „So ein Wetter wie am Sonntag hatten wir in diesem Jahr vorher nicht. Das hat mich quasi erschlagen.“

Krämpfe hin, Krämpfe her – Böhl biss auf die Zähne, machte weiter und fand sich nach dem Zieleinlauf auf Platz 691 unter 2141 Sportlern wieder. 91 Minuten hinter dem siegreichen Superstar Jan Frodeno, aber bei weitem noch in der vorderen Hälfte der Ergebnisliste.

Tribut zahlte Böhl in den Tagen danach: „Der Muskelkater war heftig, Treppenlaufen war kein Spaß. Das hat man davon, wenn man mit Krämpfen weiter macht.“ Ganz eindeutige Erkenntnisse brachte die Ursachenforschung für ihn nicht. Die ungewohnte Wettkampfbelastung über diese Distanz dürfte eine Rolle gespielt haben, zumal die Strecke im Kraichgau keine einfache ist. Als „Hitzeschlacht im Land der 1000 Hügel“ betitelte das Fachportal tri-mag.de den Wettkampf.

„Vielleicht habe ich mich auch schlecht ernährt“, überlegt Timo Böhl, der sich mit Salztabletten, vier Packungen Gels und durch um Mineralientabletten angereicherten Wasserflaschen verpflegte. „Vielleicht war das zu wenig, vielleicht lag der Fehler in den Tagen davor.“

Ans Aufhören habe er trotz der Krämpfe, die bereits beim Radfahren begannen, nicht ernsthaft gedacht. „Bei Gelenkschmerzen hätte ich auf aufgegeben, aber es war nur die Muskulatur. Da wollte ich probieren, was geht. Zum Aufhören hat die Sache auch zu viel Startgeld gekostet.“Seine Trainingspläne und Tipps erhält Böhl von dem aus Schameder stammenden Marco Dohle, der bereits einige Ironman-Rennen absolviert hat. „Von ihm habe ich erst mal einen drüber bekommen wegen meinen Wechselzeiten.“

Genügend Zeit und Unterstützung

Im Trainingsplan stehen für Böhl, der 2016 seinen ersten Triathlon absolvierte und 2017 noch jeden Wettkampf mit Brustschwimmen absolvierte, inzwischen auch mal vier Kilometer Schwimmen. „Ich trainiere jeden Tag und habe das Glück, dass ich die Zeit dafür habe und von meiner Freundin unterstützt werden. Deshalb war es definitiv nicht mein letztes Rennen über diese Distanz.“

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