Familien Serie #2

Familie Linde: In den Farben getrennt, im Herzen vereint

Der selbe Nachname, doch verschiedene Wappen auf der Brust: Steffen, Jörn und Niklas Linde (v.l)

Der selbe Nachname, doch verschiedene Wappen auf der Brust: Steffen, Jörn und Niklas Linde (v.l)

Foto: Yannik Lückel

Bad Berleburg.   Zwischen Sportfreunde Edertal und VfL Bad Berleburg: Die Familie Linde und ihre Rivalität innerhalb des eigenen Hauses. Mein Bruder, mein „Feind“

“Das sind halt Matzen“, hallt es durch das Haus in der Bad Berleburger Sudentenstraße.

„Matzen“, dies ist der abschätzige Ausdruck, der in Wittgenstein Sinnbildlich für die Berleburger Fußballer steht. Ein geflügeltes Wort, dass die Abneigung gegenüber dem VfL zum Ausdruck bringen soll – und im Endeffekt als Universalantwort aller Edertaler Fußballer dient, die die Frage gestellt bekommen: „Warum könnt ihr den VfL nicht leiden?“

Denn diese Rivalität ist nahezu so alt wie beide Vereine selbst. Schon immer waren Raumländer und Berghäuser spinnefeind mit dem Nachbarn aus der Stadt. Wer die Farben wechselte und die „Heimat“ verriet, wurde mit Missachtung gestraft. Und auch bis heute recken die Leute die Hälse wenn es einen Edertaler sportlich zum VfL Bad Berleburg und umgekehrt zieht. „Wie Dortmund und Schalke“, beschreiben die meisten Ortsansässigen das Verhältnis der Vereine, die lange Zeit in der Bezirksliga konkurrierten.

Eine Familie, die mit dieser Rivalität aufgewachsen ist, wohnt eben in jener besagten Sudentenstraße in Bad Berleburg – im „Feindesland“ quasi. Denn die Familie Linde, bestehend aus Mutter Heidrun und ihren drei Söhnen Steffen, Niklas und Jörn, hat ihre sportlichen Wurzeln in Berghausen und somit bei den Sportfreunden Edertal.

Opa Heinrich Linde galt schon als fußballbegeistert und Onkel Fritz Linde ist träger der goldenen Edertaler Vereinsnadel. Auch der vor dreieinhalb Jahren unerwartet verstorbene Vater Ulrich war 50 Jahre im Verein und betreute als Jugendtrainer auch seine drei Söhne in der Spielgemeinschaft der Sportfreunde und des VfL. Nicht nur deshalb besteht ein tiefe Verbundenheit zwischen dem Namen Linde und den Kickern vom Limburg.

Wechsel zum Erzrivalen

Umso gravierender war deshalb die Entscheidung von Niklas zu bewerten, der sich 2016 dazu durchrang den gewagten Schritt zum Stadtrivalen zu machen. Nach nur einem Jahr bei den Sportfreunden folgte also der Wechsel zum damaligen Bezirksligisten Berleburg. „Das war natürlich sehr emotional und ich habe mir die Entscheidung sicher nicht leicht gemacht. Am Anfang herrschte hier zuhause dicke Luft und Steffen und ich sind häufiger aneinandergeraten. Auch der Rest der Familie hat es kritisch gesehen, weil in dem Jahr zuvor auch unser Vater gestorben war. Aber mittlerweile haben es alle akzeptiert“, erklärte der 22-Jährige seinen Abgang von den Raumländern. Die Perspektive in einer höheren Klasse zu spielen war einfach zu verlockend für den talentierten Innenverteidiger. Für ein gutes Binnenklima innerhalb der Familie sorgte das aber dennoch nicht. „Das war schon ein gewisser Schock“, erinnert sich Steffen zurück, der einige Tage kein Wort mit seinem jüngeren Bruder wechselte.

„Edertal war damals im Umbruch und wir wollten gemeinsam Aufsteigen und Fußball spielen. Dann kam dieser Wechsel auf den Hügel dazwischen. Ich finde man hat dem Verein gegenüber auch eine Verantwortung. Die Stimmung war damals wirklich nicht gut. “

Das Ziel, mit allen Lindes unter einer gemeinsamen Flagge zu segeln, schien für die Familie plötzlich in weite Ferne gerückt.

Rivalität nimmt langsam ab

Seit zwei Spielzeiten ist zudem Jörn, der jüngste der Linde-Familie, ebenfalls Teil der Seniorenmannschaft der Edertaler. Zur damaligen Zeit betrachtete das „Küken“ die Streitigkeiten seiner Brüder eher als befremdlich, wie er zugab. „Ich konnte beide Seiten verstehen und habe mich eher rausgehalten. Ohnehin kann ich die Rivalität nicht wirklich nachvollziehen. Die Spieler kennen sich alle aus der gemeinsamen Jugendspielgemeinschaft. Man muss sich gewiss nicht hassen. Das ist eher etwas für die ältere Generation“, so der 20-Jährige, der dafür direkt eine Abfuhr von seinem ältesten Bruder bekam. „Das darfst du doch nicht sagen“, scherzte Steffen, nur um dann zuzugeben: „Hass ist ohnehin das falsche Wort. Man hat nichts gegen die Leute, sondern eher gegen den Verein per se. Sonst wäre es aber doch auch langweilig.“

Und währen sich die drei Brüder auf der Couch die Klinke in die Hand gaben und sich gegenseitig foppten, wirkte eine Person wie der Ruhepol der ganzen Familie.

Mutter Heidrun, die ihren Mann immerhin davon überzeugen konnte nach Bad Berleburg zu ziehen, sieht die Rivalitäten des Amateursports nicht so ernst, wie ihre Söhne. „Ich finde es schon in Ordnung, dass Niki gewechselt ist. Warum sollte er sein Talent in den Schatten stellen. Fußball ist ein Spiel und die Jungs sollen sich vertragen. Aber außer mit dem Waschen der Trikots habe ich mit der Sache nicht viel zutun“, lachte sie im Interview und erntete dafür rollende Augen ihrer Söhne.

Akzeptanz innerhalb der Familie

Bei aller Verbissenheit bezüglich des Sports merkt man der Familie aber an, dass sie zusammenhält – auch wenn der eine Bruder beim „Feind“ spielt. Blut ist eben dicker als Wasser und Geschwister werden immer Geschwister bleiben. Dumme Sprüche und Frotzeleien gehören da eben dazu. Selbst ein Wechsel zum Erzrivalen kann da nichts dran ändern und so wundert es auch nicht, dass alle drei Brüder ihre gemeinsame sportliche Zukunft planen. „Ich möchte schon irgendwann bei meinem Heimatverein spielen. Am Liebsten mit den Beiden“, erklärte Niklas abschließend und erntete dafür anerkennendes Kopfnicken von Jörn und Steffen. Wann das der Fall sein wird, konnten alle noch nicht sagen. Mindestens so lange heißt es in der Sudetenstraße wohl weiterhin: „Das sind halt Matzen.“

Weitere Teile der Serie „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“

https://www.wp.de/sport/lokalsport/siegen-wittgenstein/familie-klose-skisportverseucht-in-der-dritten-generation-id217031979.html

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben