Pass in die Gasse #177

DFB: Nach außen gleichberechtigt, nach innen mittelalterlich

Vignette für Online zur Kolumne "Pass in die Gasse" von Heiko Rothenpieler

Vignette für Online zur Kolumne "Pass in die Gasse" von Heiko Rothenpieler

Die deutschen Fußballerinnen sollten den eigenen Verband auf die Anklagebank holen und ihn wegen Diskriminierung zur Rechenschaft ziehen

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Es ist der 19. April 1967, als Renndirektor Jock Semple wutentbrannt auf die damals 20-jährige Läuferin Kathrine Switzer losgeht und ihr mit dem Ausruf „Get the hell out of my race!“ (Verschwinde aus meinem Rennen!) gewaltsam die Startnummer entreißen will. Switzer hatte sich durch einen Trick ins durchweg männliche Starterfeld des Boston-Marathon gemogelt – ein Skandal! Doch ein mitlaufender Kumpel Switzers geht dazwischen und stößt den Renndirektor zur Seite. Es ist ein Geschenk des Zufalls, dass der Vorfall direkt vor den Presse-Bussen passiert und die Fotos um die Welt gehen. Switzer läuft als erste Frau den Boston-Marathon zu Ende.

Sporthistorisch betrachtet war dieser Moment einer der bedeutendsten, denn er steht für das Recht auf sportliche Teilhabe. Doch während Frauen beim Boston-Marathon inzwischen die Hälfte des Starterfeldes ausmachen, müssen Frauenfußballerinnen immer noch für Gleichberechtigung kämpfen.

Gewännen die deutschen Frauen die WM in Frankreich, bezahlt der DFB jeder Spielerin 75.000 Euro, ein Mann hingegen hätte für den WM-Sieg in Russland 350.000 Euro eingestrichen.

Warum es nicht Norwegen nachmachen, das ein gleiches Budget für Männer und Frauen beschloss? Auch bei den vier Grand-Slam-Turnieren im Tennis gibt es keine Prämien-Unterschiede mehr. Der DFB sitzt dieses Thema in mittelalterlicher Manier aus. Die deutschen Fußballerrinnen sollten es den amerikanischen gleichtun und den eigenen Verband wegen Diskriminierung auf die Anklagebank holen.

Noch mehr Beiträge aus der Rubrik

#176: Im Wirrwarr der Relegation verliert der Fußball sich selbst

# 175: Wittgensteiner Vereine: Konstanz als Philosophie
# 174: Mit Holzfällerjacke und George Best an der Theke
# 173: Läuft bei ihm! Die „Zehn“ und ihre besonderen Momente
# 172: Der DFB und die Inklusion: Endlich Sein statt Schein
# 171: Wenn Ungeduld bei Verantwortlichen zur Tugend wird
# 170: Punkte gegen den Klassenerhalt: Die Poesie des Abstiegs
# 169: Schluss mit Kalkül: Das höher spielende Team muss antreten
# 168: Tobias Dickel seine Katze: Ein tierisches Malheur
# 167: „Stadionwurst ist mein Gemüse“: Typisch deutsch, oder was?
# 166: Von Profis – und Reinhard Grindel

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben