Regionalliga West

Trotz 0:3 bei RWE: Die Kurve zeigt bei RWO klar nach oben

Tanju Öztürk (Mitte gegen Isaiah Young, hinten Dennis Grote) spielte so, als sei er schon immer RWO-Abwehrchef gewesen.

Tanju Öztürk (Mitte gegen Isaiah Young, hinten Dennis Grote) spielte so, als sei er schon immer RWO-Abwehrchef gewesen.

Foto: Thorsten Tillmann / FFS

Oberhausen.  Zwischen den Strafräumen war die Partie zwischen RWE und RWO weitgehend ausgeglichen. Darauf kann Trainer Mike Terranova aufbauen.

Ein 0:3 lässt sich kaum schönreden. So ging das Derby der Rot-Weißen aus Oberhausen bei den Rot-Weissen aus Essen verloren. 0:3 (0:1) heißt deutlich verloren, aber so einfach ist die Sache nicht. Denn zwischen den Strafräumen verlief die Partie komplett ausgeglichen. Da das nicht zählt, bescherte dies den Kleeblättern einen gebrauchten Nachmittag im Stadion Essen. Es kann aber auch als Schritt in die richtige Richtung gebogen werden.

Es war zu sehen, dass ein Spiel gegen Essen in einem bundesligatauglichen Stadion die Spieler mehr beflügelt, als ein Auftritt etwa in Wegberg-Beeck. Aber was auf dieser Bühne sichtbar wurde: Der Auftritt einiger Spieler lässt hoffen, dass die Mannschaft langsam ins Fahrwasser kommt. Die Betonung liegt auf „Mannschaft“, denn das in vielen Teilen neuformierte Team scheint zu spüren, wie es seine Lasten auf welche Schultern legt und bildet sich zu einem immer besser funktionierenden Gefüge.

Das beginnt zunächst bei Tanju Öztürk. Von vielen wegen seiner Vita mit Vorschusslorbeeren bedacht, warf den Führungsspieler eine zähe Verletzung zurück. Jetzt ist er da und spielt, als ob er schon immer dort gewesen wäre. Er gab den Abwehrchef und Aufbauspieler in einer Souveränität, die verblüffte und an Jannik Löhden in Bestform erinnerte.

Bessere Körpersprache

Daran wachsen Mitspieler, so zeigte etwa Leander Goralski mit einem kompromisslosem Auftritt, warum er bei den Angreifern der Liga mehr als großen Respekt genießt. Gleiches gilt für Pierre Fassnacht, der nur in der Szene vor dem 1:0 gegen Isaiah Young konsequenter hätte sein müssen. Ansonsten: Alles dicht links und stark im Aufbau mit Nils Winter, der sich immer besser zurecht findet und in Sachen Körpersprache von Spiel zu Spiel zulegt.

Ein weiterer starker Auftritt: Jeffrey Obst. der wird nach ellenlanger Pause ins Spiel geworfen und soll gegen Oguzhan Kefkir punkten. Der Essener Linksaußen ist einer der besten der Klasse, Obst hatte ihn völlig im Griff und fuhr über dessen Seite brandgefährliche Angriff.

Doch je weiter es nun bei RWO nach vorn geht, desto mehr wird offensichtlich, warum kein Tor gelang und den Essener drei. Die gingen durch einen abgefälschten Ball nach der Fassnacht-Young-Situation glücklich durch Cedric Harenbrock (13.) in Führung und erzielten mit einem Verlegenheitsschuss von Marco Kehl-Gomez das 2:0 (47.).

Gelb für Reinert wegen einer Schwalbe

Das knickte das RWO-Spiel zunächst, aber es war auch vorher im letzten Drittel des Feldes zu harmlos. Die Angreifer-Variante mit Dominik Reinert auf halblinks hatte ihren Charme und zeigte Wirkung bei den Essenern, der Ertrag allerdings blieb aus. Reinert hatte mit einem Seitfallzieher eine gute Chance, doch Daniel Davari parierte (6.). Auch eine strafstoßverdächtige Situation hätte er cleverer verwerten können, so sah er Gelb wegen einer Schwalbe (34.). Terranova: „Startet er eine Sekunde früher, bekommt er den Elfer und zwar zurecht.“

Obst beharkte die rechte Seite so intensiv, dass er dort genügte und Shaibou Oubeyapwa mehr nach innen rückte, um fast neben Sven Kreyer zu agieren. Doch an Oubeyapwa zeigte sich das Dilemma des Nachmittags. der schnelle Stürmer versuchte zu viel allein, wollte auch den dritten Gegenspieler umkurven, statt den freien eigenen Mann zu suchen.

Die Folge waren natürlich Ballverluste und Essener Angriffe. Mit deren Lösung waren Maik Odenthal und Bastian Müller vor der eigenen Kette beschäftigt. Das nahm ihnen Raum und Zeit selbst das Spiel zu gestalten. Erst nach einer halben Stunde wurden beide aktiver und leiteten die beste Phase der Kleeblätter ein. Hundertprozentiges aber war nicht dabei, das sollte das Handicap des Kleeblatt-Spiel auch im zweiten Durchgang bleiben.

Nach dem 0:2 wurde es ab der 60. Minute ein wildes Hin und Her, bei dem RWE die gefährlicheren Aktionen hatte. In letzter Konsequenz waren die Rot-Weißen nicht zielführend, obwohl Odenthal und der eingewechselte Raphael Steinmetz es zunehmend versuchten. Essen verteidigte geschickt und offenbarte das Oberhausener Manko, gefährliche Situationen zu schaffen.

Kreyer hing in der Luft

Sven Kreyer hing in der Luft und versuchte sich mitunter als Ballverteiler im Mittelfeld, weil er vorne nicht geliefert bekam. Engelmanns 0:3 war der Schlusspunkt, der zeigte, dass RWO zwar auf einem guten Weg ist, aber das Kreativspiel unbedingt angehen muss.

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