Pfingst-Radrennen

Theo Reinhardt mag es kurz und knackig

Der Sieger Theo Reinhardt (Mitte) freut sich.

Der Sieger Theo Reinhardt (Mitte) freut sich.

Foto: Christoph Wojtyczka / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Sonntag steigt die zweite Ausgabe der erneuerten Rück-Radrennen im Oberhausener Osten. Die Redaktion sprach mit Vorjahressieger Theo Reinhardt.

Er ist viel unterwegs. Privat kutschiert Theo Reinhardt an diesem Morgen sein Kind durch die Gegend rund um Ahrensfelde am Rande von Berlin. Dorther stammt der Radrennsportler und von dort aus zieht er seine Kreise. Als erfolgreicher Fahrer, als zweimaliger Weltmeister in der Doppelverfolgung mit Roger Kluge und als Radprofi auf den Straßen des Landes. „Ganz besonders gern in Nordrhein-Westfalen, denn hier stimmt der Rennkalender noch.“ So freut sich der 28-Jährige jetzt auf das Rennen in Oberhausen und danach in Köln-Longerich.

Denn was früher abschätzig als Kirmesrennen abgetan wurde, hat in Zeiten, in denen es der Radrennsport schwer hat, an Gewicht gewonnen. Lange Rundfahrten werden nach wie vor argwöhnisch betrachtet. Die sind nicht das Ding von Theo Reinhardt. „Nach Straßenerfolgen in der U23 habe ich erkannt, dass mein Schwerpunkt auf der Bahn liegen wird“, entschied er sich früh für einen Schwerpunkt. Der etwa wurde in der Viererverfolgung bei den Olympischen Spielen 2016 in Brasilien mit Rang fünf belohnt.

Neue Reize im Training setzen

Als Nationalfahrer aber gilt es, nicht nur auf der Bahn zu trainieren, sondern auch an der frischen Luft Akzente zu setzen. Und das gelingt eher bei den kürzeren Kriterien wie in Oberhausen als auf langen Distanzen. „Diese Anforderungen dort sind nicht gut für uns. Wir brauchen auch manchmal die schnellen Reize, die Höchstbelastung auf wenigen Metern“, sagt Reinhardt. Und meint damit den auf Sprint ausgerichteten Charakter der nun neu konzipierten Rennen, die die langen Kurse abgelöst haben. „Natürlich kann ich auch Berg und bin gern auf knackigen Steigungen zu Hause. Ich mag kleine Scharfrichter“, sagt er selbstbewusst. Aber er fühlt sich eben auch auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke in der Ebene um die Mellinghofer Straße wohl. Wie er 2018 bei seinem fulminanten Sieg bewies. „Ich habe wohl ein gutes Verhältnis zwischen Kraft und Gewicht.“

„Anständige Felder, gute Zuschauer“

Er kommt viel herum und kann daher beurteilen: „Bei euch in Nordrhein-Westfalen stimmt die Radsporttradition noch. Überall sind Rennen weggebrochen, aber hier bekommt man anständige Felder zusammen und die Zuschauer an der Strecke wissen das zu würdigen. Das gefällt mit und treibt uns Profis an“, sieht er eine gute Wechselwirkung zwischen Hochleistungssport und Unterhaltung.

Mit Oberhausen verbindet ihn nicht viel, aber er hat Bekannte in Neuss und Düsseldorf und weiß die Mentalität der Menschen an Rhein und Ruhr zu schätzen. „Das ist doch wie bei uns in Berlin, eine Riesenmetropole mit Menschen, die geradeaus denken und genau so reden.“

So ein Typ ist er auch, denn sein Kalender 2019 mit Rennen und Training ist kein zufälliger, sondern in zielgerichteter Abstimmung mit dem Bundestrainer Bahn entstanden und kennt einen klar definierten Höhepunkt: Olympische Spiele 2020. „Wir haben das durchgespielt und planen jetzt einen Formaufbau, den wir mit Blick auf den Sommer kommenden Jahres wiederholen wollen.“ Dabei spielen solche Rennen wie in Oberhausen eine wichtige Rolle. „Da können wir ohne Druck neue Dinge ausprobieren und einfach experimentieren, um daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Und auf der Straße heißt das: Spritzigkeit verbessern.“

Das stellte er jetzt bei seinem zweiten Platz jetzt in Buchholz beim Großen Preis schon unter Beweis und will, so ehrgeizig ist er, dies auch in Oberhausen und Longerich fortsetzen. Zu Oberhausen und dem heißen Ritt im Ostviertel hat er eine klare Meinung: „Dass sich da mal keiner vertut, das ist ein schwieriger Kurs mit schnellen Kurven.“

Wie er den Sonntag meistern will, braucht er gar nicht eigens zu betonen. Ganz vorn, ganz einfach.

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