Fußball

Sie wollen doch nur spielen

Gegen Welheim musste sich das RWO Team 12 schon strecken, das Jahr davor war in der Kreisliga C nur ein wenig erfüllender Spaziergang. Deutliche Ergebnisse mindern bei beiden Seiten den Spaß am Spiel.

Gegen Welheim musste sich das RWO Team 12 schon strecken, das Jahr davor war in der Kreisliga C nur ein wenig erfüllender Spaziergang. Deutliche Ergebnisse mindern bei beiden Seiten den Spaß am Spiel.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Rückzüge und herbe Klatschen mindern den Spaß in der Kreisliga C. Ein vielversprechendes Modell gibt’s bisher nur für die Jugend.

Die Kreisliga C ist die unterste Spielklasse, die zehnte für den Kreis Oberhausen/Bottrop, von der Bundesliga abwärts gerechnet. Hier spielt in der Regel, wer in seiner Freizeit gerne regelmäßig kickt. Durch das Ende des Betriebssports und der Hobbyliga wohl auch einige Leute, die einfach nur gerne mal zwischendurch kicken. Allein vor dieser Saison gab es drei Anpassungen in der Kreisliga C durch Rückzüge.

Letzte Saison gab es vor dem Start der Spielzeit zwei Rückzüge, im Laufe der Saison zehn. Das sorgt bei allen Beteiligten für Frust, die Probleme sind wie so häufig vielschichtig, eine Patentlösung gibt es nicht. Trotzdem lohnt sich der Blick auf verschiedene Lösungsansätze und entsprechende Modelle.

Für alle unbefriedigend

Zehn Rückzüge sind eine ganze Menge, dabei muss man mit einem Blick auf die Tabelle vielleicht sogar von „nur“ zehn Rückzügen sprechen. In jeder der drei Gruppen gab es mindestens zwei Teams, die beinahe Woche für Woche unter die Räder kamen, Speerspitze des Ganzen war die Reserve des SV Vonderort mit null Punkten und einem rekordverdächtigen Torverhältnis von 25:275.

Dass ihnen der eine errungene Sieg auch noch tabellarisch durch einen Rückzug nicht angerechnet werden konnte, treibt die Situation dann vielleicht noch auf die Spitze. Der SV Vonderort hat dieses Jahr nur noch eine Mannschaft gemeldet. Jede Woche chancenlos zu verlieren macht keinen Spaß. Doch auch für die Gegenseite ist die Situation unbefriedigend. Das RWO Team 12 stieg vergangene Saison mit einem Torverhältnis von 241:25 auf – jede Woche gab es in dieser Gruppe vier Teams, die spielfrei hatten.

Mit Widerständen zu kämpfen

„So etwas kann natürlich auch in höheren Klassen passieren“, weiß Wolfgang Jades, Vorsitzender des Fußballausschusses Niederrhein. „Aber es ist natürlich häufig ein Problem der Kreisliga C.“ Im Jugendfußball geht der Kreis 10 nun schon in das dritte Jahr mit einem vielleicht auch für die Senioren interessantem Modell.

„Zu Beginn gab es natürlich Widerstand“, gibt Kreisjugendvorsitzender Dieter Wilms zu. Die Auf- und Abstiegsregelung war aber einfach nicht fluide genug, insbesondere im Jugendbereich, wo sich die Stärke einer Mannschaft durch die Altersbeschränkungen ohnehin jährlich ändert. „Wir haben da in Sachsen dann ein Modell gefunden, mit dem wir immer noch sehr glücklich sind“, erklärt er. Bis zum Winter wird nämlich in deutlich kleineren Ligen dann ausgesiebt.

Ähnliche Projekte bereits gestartet

Die besten kommen in die Kreisliga A, die anderen in die Kreisliga B. „Das sorgt nicht nur für spannendere Spiele und knappere Ergebnisse. Es zwingt die Vereine auch kontinuierlich zu arbeiten und nicht immer nur auf ein oder zwei gute Jahrgänge zu setzen“, befindet Wilms. „Das einzige ist, dass wir mehr Arbeit haben“, lacht er, Mehrarbeit für die Schiedsrichter sei das Modell trotz umkämpfterer Ausgangslagen nicht. „Da gibt es keine Veränderung“, ist er sich sicher.

Jades bewertet das Modell ebenfalls sehr positiv. In Düsseldorf und Moers geht ein ähnliches Projekt nun ins zweite Jahr. Es soll auch der Rückgang der Mitglieder damit gestoppt werden. „Wir hatten mal über 60 Teams in Moers, jetzt sind wir bei 35, 36.“

Kleinere Gruppen, keine Rückzüge

Auch hier wird mit kleineren Gruppen gearbeitet, vier Gruppen à neun Teams spielen dann um die Teilnahme in einer Nord- und Süd-Gruppe um den Aufstieg in die Kreisliga B, der Rest spielt in Fair-Play-Ligen, wo dann sogar Spieler ohne gültige Spielberechtigung eingesetzt werden durften. „Es hat sich gelohnt“, findet Jades, „wir hatten engere Ergebnisse und keine Mannschaft verloren.“ In Gladbach startet ein ähnliches Modell in dieser Spielzeit.

Für Wilms ist die Sache dabei ganz klar: „Als 18-Jähriger schaffst du vielleicht nicht sofort den Sprung in die Erste. Wenn du dann aber ein Jahr in der Kreisliga C dümpelst und nur solche Ergebnisse erlebst, verlierst du die Lust.“

Mehr Ehrlichkeit der Vereine

Martin Schürmann, Vorsitzender des Kreisfußballausschusses, ist sich da noch nicht so sicher: „An den Rückzügen vor der Saison ändert das ja nichts.“ Er spricht damit das Problem an, dass sich viele Vereine eine Anlage teilen und dort aus taktischen Gründen, zur Sicherung von Trainingszeiten, erst einmal mehr melden und die Strafe für den Rückzug einkalkulieren. Das kann, will und sollte der Kreisvorstand allerdings nicht mit einbeziehen. Das leidige Thema ist hier vermutlich auch eine Frage der Zeit. Vereine wie Club Emek, SSV Bottrop, 1. AFC Oberhausen oder Fortuna Alstaden hatten nach der Zusammenlegung keine lange Überlebensdauer. Fusionen wie in Bottrop zwischen Polonia und VfR Ebel und damit die Zusammenarbeit der Vereine ist wohl die gesündeste und logischste Variante, solange es nicht nur um Posten sondern wirklich um den Sport geht.

Ergebnisse abwarten

Dazu will Schürmann nicht unnötig früh aufs falsche Pferd setzen und noch auf Ergebnisse warten: „Ich denke, die erste Saison ist wenig aussagekräftig. Da sollte man sich einen Zeitraum von zwei oder drei Spielzeiten anschauen und wenn die Zahlen dann eine eindeutige Sprache sprechen, dann ist das sicherlich auch für Oberhausen und Bottrop ein Thema.“ Auch Jades sieht in dem Modell nicht des Rätsels finale Lösung: „Es ist ein Versuch und man sollte da offen ran gehen und nicht denken, dass sei in jedem Fall der Weisheit letzter Schluss.“

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