Fußball-Regionalliga

RWO-Profi Reinert malt für Zakaria und Pavard

Dominik Reinert (l.) malte auch schon für Gladbachs Denis Zakaria (r.).

Dominik Reinert (l.) malte auch schon für Gladbachs Denis Zakaria (r.).

Foto: Dodo

Dominik Reinert, Fußballprofi bei Regionalligist Rot-Weiß Oberhausen, malt für die Kollegen Bilder - auch für Denis Zakaria und Benjamin Pavard.

Vor drei Jahren zog Dominik Reinert in Duisburg in eine renovierte Altbau-Wohnung. Schön, stilvoll, hohe Wände. „Kahl“, befanden seine Freunde. Der RWO-Spieler gab ihnen Recht und ging auf die Suche nach passendem Wandschmuck. „Aber die meisten Bilder, die man kaufen konnte, gefielen mit einfach nicht.“ Da ihm in der Schule Kunstunterricht immer Spaß gemacht hatte, besorgte er sich Acryl-Farben und Leinwände und legte los. Malte seine eigenen Bilder. Daraus ist eine ganze Menge geworden. Eine Leidenschaft, ein Nebenerwerb und auch ein humanistisches Statement.

Aber zunächst mal zur Malerei. „Das ist, als ob man ein gutes Buch liest. Man taucht dort völlig ein, vergisst alles um sich herum“, beschreibt der 27-Jährige sein kreatives Tun. Freunde von ihm sahen die Bilder und plötzlich sagte der erste: „Male mir auch eines, für meine Freundin.“ Reinert tat’s, bekam ein Abendessen und die Geschichte begann. Über Instagram ging das Bild im Netz rund. Es schaute Reinerts Freund Anderson Lucoqui (Fortuna Düsseldorf II) vorbei, der auch eines wollte. Von sich selbst im Black-Panther-Kostüm. Reiner ermalte sich die nächste Einladung zum Abendessen. Das Bild zog weitere Kreise.

Ein Löwe für Cedric Teuchert

Denn plötzlich meldete sich Cedric Teuchert, der mit Lucoqui bekannt ist. Der Schalker Spieler fand klasse, was Reinert auf die Leinwand bringt und wollte den Löwen haben, den der Oberhausener auf seiner Instagram-Adresse veröffentlicht hatte.

„Ja, und dann ging die Sache durch die Decke“, freute sich der schnelle Außenverteidiger über ein plötzlich immer größeres Echo aus der Fußballszene. Der Schalker Teuchert hatte das Bild auf seinem Internet-Profil publik gemacht. „Er hat 40.000 Follower“, sagt Reinert zu der Aufmerksamkeit der Netzgemeinde. Teuchert bestellte nach.

Als Reinerts RWO-Kollege Yassin Ben Balla bei einer Geburtstagsfeier in besagter Altbau-Wohnung noch nicht fertige Exemplare fotografierte und über seine Drähte ins Netz stellte, meldeten sich plötzlich Interessenten wie der französische Weltmeister Benjamin Pavard (VfB Stuttgart), Denis Zakaria (Borussia Mönchengladbach) oder der ehemalige MSV-Torjäger Kingsley Onuegbu. Alle wollten einen echten Reinert.

Der besteht zur Zeit aus realistischen Porträts oder Szenen der betreffenden Kunden, die Reinert in Jackson-Pollock-Manier mit spontanen Farbspritzern praktisch verwildert. Und das brachte ihn auf die nächste Idee.

Trauriger Anlass dafür waren die fremdenfeindlichen Anfeindungen, die Nationalspieler Leroy Sané am Rande des Länderspiels gegen Serbien in Wolfsburg ertragen musste. Ein Sportreporter filmte dies, stellte es ins Netz und schockierte nicht nur Reinert mit diesem offenen Rassismus. „Ich habe mich bei dem Journalisten für seinen Mut bedankt und gedacht, dass ich auch was machen kann.“

Ein Freund von ihm betreibt einen Textilshop in der Oberhausener Innenstadt. Gemeinsam entwickelten sie die Idee für ein politisches Statement auf T-Shirt oder Kapuzen-Pullover. Aufgedruckt ist jeweils die an Michael Jackson angelehnte Textzeile „It doesn’t matter if you’re black or white“. Hinzu kommt ein von Reinert aufgemaltes Herz, das er in oben erwähnter Pollock-Manier mit Textilfarbe individuell gestaltet.

„Das war richtige Arbeit“, sagt Reinert. Denn die beiden sind gleich groß eingestiegen. 60 Kapuzen-Pullover, Hoodies genannt, und 60 T-Shirts hatte Reinert plötzlich in seiner Mal-Ecke in der Wohnung und legte los. Die Dinger laufen. Teuchert hat eines, Julian Korb (Hannover), Jan Löhmannsröben (Lautern) oder Ex-RWO-Torwart Robin Udegbe.

Auch RWO-Trainer Mike Terranova legte sich das textile Statement gegen Rassismus und pro Humanismus zu. Reinert: „Das mit dem ,egal ob Schwarz oder Weiß’ sehe ich weiter. Da geht es nicht nur um die Frage nach der Hautfarbe. Es geht darum: Denkt jemand nach oder denkt jemand nicht nach. Und dann spielt Farbe keine Rolle mehr.“

„Die gängigen Größen mussten wir schon nachlegen“, freut sich Reinert über den Erfolg seiner Mode – und der Malerei. Da diese Ausgaben erfordern und Einnahmen erbringen, ist das als Gewerbe beim Finanzamt gemeldet. Reinert, Fußballspieler und abgeschlossener Student Sportmanagement, ist mit seiner kreativen Ader offiziell Freiberufler.

„Es wäre toll, wenn ich nach meiner Karriere von Design und Malerei leben könnte“, sagt der Fußballer. Für sich schafft er mit Malerei einen Ausgleich und schaut dabei zwischendurch auf seine: kahlen Wände! Er lacht: „Ich gebe alles weg, ich freue mich, wenn ich anderen damit eine Freude machen kann.“

Kontakt zu Reinert ist über seine Internetseite möglich: domeanico.de. Dort ist im Video auch zu sehen, wie die Werke entstehen. Die Textilien werden verkauft im Black4-Fashion Store in Oberhausen an der Marktstraße 129. Ein Teil der Erlöse fließt dem Friedensdorf zu.

Das ist Dominik Reinert

Der 27-jährige Duisburger spielt schon seit der Saison 2014/15 für Rot-Weiß Oberhausen. Im Alter von zwölf Jahren ging der Abwehrspieler bereits zum MSV Duisburg, nachdem er bei seinem Heimatverein TuRa 88 Duisburg das Fußballspielen erlernt hatte.

Bei den Zebras durchlief er alle Jugendteams, kam anschließend in der U23 zum Einsatz und absolvierte für die MSV-Profis eine Drittliga-Partie.

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