Regionalliga West

RWO ist auf der Suche nach Führung

Was tun? Bastian Müller (l.) musste gegen Köln nach seiner Verletzung früh rein, um zu ordnen, was sich noch nicht wirklich ordnen lässt, Trainer Mike Terranova bräuchte wie sein Team viel mehr Zeit.

Was tun? Bastian Müller (l.) musste gegen Köln nach seiner Verletzung früh rein, um zu ordnen, was sich noch nicht wirklich ordnen lässt, Trainer Mike Terranova bräuchte wie sein Team viel mehr Zeit.

Foto: Micha Korb / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  RWO ließ sich in Köln zum Teil vorführen. Das Team ist verunsichert und bräuchte Führung auf dem Platz. Aber das ist ein vielschichtiges Problem.

Der von Corona ausgelöste Aderlass bei Regionalligist Rot-Weiß Oberhausen stellt das Team vor größere Probleme, als es alle Verantwortlichen angenommen hatten. Spätestens nach dem 0:4 in Köln ist klar, dass es in dieser vertrackten Saison allein um den Klassenerhalt gehen wird. Die Ursachen dafür sind vielfältig und kompliziert.

Mit dem Abgang von Mike Terranova und der halbherzigen Verpflichtung von Dimi Pappas tat der Vorstand sich, vor allem Pappas, aber auch der neuformierten Mannschaft keinen Gefallen. Dass der Kurs nach sieben Spielen geändert wurde, zeigt, dass Pappas nie der Mann des tiefsten Vertrauens war, sondern ein der Situation, sportlich wie finanziell, geschuldeter Übergangskandidat. Es wäre für alle Beteiligten, einschließlich Pappas, besser gewesen, auf dieses unrühmliche Intermezzo zu verzichten und extern einen Kandidaten für den Übergang zu suchen.

Bauchentscheidungen des Trainers

Den gibt es derzeit nicht, weswegen Mike Terranova als Feuerlöscher herhalten muss. Das ist im Prinzip richtig gedacht: Er kennt die Mannschaft, kennt den Verein, lebt für RWO und hat zudem den Ruf eines akribischen Arbeiters, der mit seinen Bauchentscheidungen auch oft genug Glück hat, um an Erfolg glauben zu können.

Das ist bitter nötig, denn das eigentliche Problem ist die Mannschaft, die noch längst keine ist. Wobei den Spielern überhaupt kein Vorwurf zu machen ist. Diese durch die Pandemie entstandene sportliche wie berufliche Situation für Profi-Fußballer ist verheerend und hat im Beispiel von RWO gravierende Auswirkungen gehabt.

Ein zuvor gefestigtes Gebilde musste aufgelöst werden, da Sponsoren und Zuschauereinnahmen wegbrachen. Der Etat dieser Saison ist mit heißester Nadel gestrickt und wird am Ende voraussichtlich einen Schulden hinterlassen.

So setzte RWO auf junge Talente aus den eigenen Reihen oder der Nachbarschaft, was ein vernünftiger Weg ist. Erst spät verpflichtete der Sportliche Leiter Patrick Bauder im günstiger gewordenen Markt die Spieler, die Führungsrollen übernehmen sollen.

Hierarchien bilden sich langsam aus

Nur das klappt nicht von einem Monat auf den nächsten. Hierarchien und Verantwortlichkeiten müssen wachsen, die Spieler müssen langsam an diesen Aufgaben wachsen, um dann auch im Team akzeptiert zu werden. Daniel Davari, Jannik Löhden, Nico Klaß, Christian März, Felix Herzenbruch, Philipp Eggersglüß oder davor Yassin Ben Balla brauchten alle Zeit, um ihre Rolle zu finden und dann positiv auf Nebenleute abzustrahlen.

Diese Zeit gab es vor Saisonbeginn nicht für Tugrul Erat oder Tanju Öztürk, die als Stützen verpflichtet wurden. Ganz im Gegenteil: Nach einem halben Jahr ohne intensives Fußballtraining fielen sie in das Verletzungsloch. In dem landeten auch Leistungsträger der Vorsaison wie Jerome Propheter, Bastian Müller oder Maik Odenthal.

Einen Ausfall solcher Achsenspieler kann kein Team auffangen, aus der Einheit wird ein ungeordneter Haufen und der wird von eingespielten Teams auseinander genommen. Es ist kein Zufall, dass die Ausbildungsmannschaften der Profi-Clubs prima in die Saison gestattet sind.

U-Mannschaften liegen vorn

Im behaglichen Umfeld der Profis haben sie durchtrainiert und sind körperlich voll da, weil personell bestens ausgestattet. RWO hatte diese Zeit nicht und muss jetzt in den ewigen englischen Wochen weiter Belastungen steuern, um irgendwie durchzukommen.

Trainer Terranova bräuchte viel mehr Zeit, um Baumeister einer neuen RWO-Einheit zu werden. Aber Mittwoch kommt schon Lotte, Samstag geht es nach Essen.

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