Fußball

RWO-Aufstiegshelden erleben emotionale Erinnerungstour

Die RWO-Aufstiegshelden von 1969: v.l.

Die RWO-Aufstiegshelden von 1969: v.l.

Foto: Micha Korb

Oberhausen.   Zwölf Spieler der RWO-Aufstiegsmannschaft von 1969 waren zu Gast im Stadion Niederrhein und machten eine Stadtrundfahrt durch Oberhausen.

Knapp zwei Stunden sind vergangen, seit im Stadion Niederrhein der Abpfiff ertönte und die Kleeblätter den Aufstieg in die dritte Liga verpassten. Im VIP-Bereich sitzen zwölf Vereinslegenden, die vor 50 Jahren in die Bundesliga aufstiegen und an diesem Tag das Spiel von der Haupttribüne aus verfolgten. „Wie die Fans nach dem Spiel ihre Mannschaft gefeiert haben, dass war unbeschreiblich“, sagt Franz Krauthausen, einst Torgarant der Rot-Weißen, mit Tränen in den Augen. Es sollte nicht der einzige emotionale Moment an diesem ereignisreichen Tag gewesen sein, an dem die Helden von einst an die Stätte ihres größten Triumphs zurückkehrten.

Der RWO-Förderverein hatte zum Jubiläum des Bundesliga-Aufstiegs von 1969 eingeladen. Als der zweite Vorsitzende Wolfgang Feldmann vor etlichen Monaten mit der Planung begann, konnte noch niemand ahnen, welch doppelte Bedeutung dieser Tag haben würde. „Das die Aufstiegstruppe hier geehrt wird, wenn über 8000 Zuschauer vor Ort sind, das ist natürlich eine Geschichte, wie sie nur der Fußball schreiben kann.“

Stadtrundfahrt mit dem RWO-Bus

Der Tag für die Aufsteiger und ehemaligen Bundesligaspieler begann beim gemütlichen Frühstück in der Fan-Kneipe. Bei alten Fernsehaufnahmen wurde munter diskutiert, gelacht und gestaunt – wie beim entscheidenden Duell gegen den Freiburger FC am 25. Juni 1969, als die Kleeblatt-Elf von Trainer Adi Preißler mit einem 0:0 am Ziel aller Träume war. Oder jene Jahre in der höchsten Spielklasse, wie beim turbulenten 3:3 gegen Bayern München im Dezember 1969, als Beckenbauer, Maier und Müller zu Gast in Oberhausen waren.

Draußen stand in der Zwischenzeit bereits der RWO-Bus, der sonst die Terranova-Elf zu den Auswärtspartien bringt, bereit. Sightseeing war angesagt, schließlich haben einige Spieler Oberhausen seit Jahren nicht mehr besucht. Am Centro vorbei, folgte auf einen kurzen Stopp am Gasometer, ein Durchmarsch durch die Siedlung Eisenheim und weiter nach Styrum. An vielen Ecken warteten erinnerungswürdige Anekdoten, wie der Standort der ehemaligen Lotto-Annahmestelle des im Januar verstorbenen Lothar Kobluhn auf der Mülheimer Straße.

„Hier haben wir geackert, aber auch gefeiert“

An der Landwehr ging es dann zum ehemaligen Trainingsgelände der Kleeblätter, wo heute eine Wohnsiedlung steht. Für Günter Karbowiak kaum zu glauben, was sich alles verändert hat. „Das war unsere Heimat. Hier haben wir geackert, aber auch gefeiert.“ Wie viele der alten Garde ist auch Karbowiak mit seiner Ehefrau angereist. Heute lebt der 70-Jährige im rheinischen Leichlingen.

Zurück am Ausgangspunkt, stehen bereits die Fan-Massen vor dem Stadion. Es wartet das Mittagsessen im VIP-Bereich, wo auch die restlichen RWO-Größen, wie der damalige Co-Trainer Karl-Heinz „Kalli“ Feldkamp, inzwischen eingetroffen sind. Für ein paar Tage Ruhrgebiet hat der Meister- und Pokalsieger seine spanische Heimat eingetauscht.

Tradition leben

„Das waren tolle Jahre mit RWO, weil wir eine ausgeglichen Truppe hatten. Da passte einfach alles. Und nur so kann man letztlich aufsteigen“, weiß Feldkamp. Etwas, was an diesem Nachmittag nach Wunsch der Ex-Profis unbedingt wieder passieren soll. „Ich bin nicht zum Spaß gekommen. Ich will hier und heute den Aufstieg erleben“, so Krauthausen.

Doch zuvor ist noch der große Augenblick für die 69er-Helden gekommen, als jeder einzeln unter dem großem Beifall und der alten RWO-Hymne „Ri-Ra-Ro“ aus dem Spielertunnel schreitet: Albert Eichholz, Karl-Heinz Feldkamp, Gerd Fröhlich, Hannes Fritsche, Jürgen Jäger, Günter Karbowiak, Franz Krauthausen, Norbert Lücke, Werner Ohm, Udo Redmann, Siegfried Rösen und Hermann-Josef Wilbertz.

Große Emotionen

Nach den dramatischen 90 Minuten geht es wieder zurück in den VIP-Bereich, wo nicht wenige der Anwesenden ein Autogramm oder Selfie mit den Vereinsikonen machen wollen. „Solche Würdigungen sind wichtig. Denn wo Tradition draufsteht, muss auch Tradition gelebt werden“, blickt Wolfgang Feldmann zufrieden auf den Tag zurück, auch wenn die Aufstiegsfeier am Ende als Krönung ausbleibt.

Doch, was nicht zuletzt die Minuten direkt nach dem Abpfiff zeigten: der Fußball lebt eben nicht allein vom Erfolg, sondern davon, alles aus sich herausgeholt zuhaben. Und das auf und neben dem Platz. Gerade hier lassen die RWO-Fans so manch alten Haudegen bewegt zurück, wie Franz Krauthausen zum Abschluss bemerkt. „Vieles heute im Stadion, hat mich an die schöne Zeit von vor 50 Jahren erinnert. Da habe ich gemerkt, dass mein Herz immer noch ein rot-weißes ist. Da können auch zwei Meistertitel mit den Bayern nichts dran ändern.“

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