Fußball

René Lewejohann: Ein Kämpferherz auf und neben dem Platz

Gemeinsam mit Markus Kaya gibt René Lewejohann bei der U19 von RWO an der Seitenlinie die Richtung vor.

Gemeinsam mit Markus Kaya gibt René Lewejohann bei der U19 von RWO an der Seitenlinie die Richtung vor.

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Zusammen mit Markus Kaya trainiert René Lewejohann die U19 von RWO. Das Ziel ist klar: „Wir müssen als gesamtes Team eine Sprache sprechen.“

René Lewejohann ist ein echtes Stehaufmännchen. „Die Vergangenheit hat mich zu dem gemacht, was ich bin“, berichtet der 36-Jährige, der mit dem Tod seines Vaters und seines Bruders im vergangenen Jahr zwei schwere Schicksalsschläge verkraften musste. Zudem endete nach 14 turbulenten Monaten sein Trainer-Engagement bei der Hammer Spielvereinigung, die er zuvor noch in letzter Sekunde zum Oberliga-Klassenerhalt geführt hatte. Doch jetzt, als Co-Trainer der U19 von Fußball-Bundesligist Rot-Weiß Oberhausen, will Lewejohann wieder neu angreifen. Denn: „Aufgeben gibt es bei mir nicht.“

Dabei war der gebürtige Herner von Anfang an der Wunschkandidat von Cheftrainer Markus Kaya, mit dem er seit Jahren zusammen in der Schalker Traditionself kickt. „Es war mir immer klar, wenn ich etwas Neues beginne, muss alles stimmen. Und bei RWO, zusammen mit Markus, Mike Terranova und Patrick Bauder, habe ich sofort dieses Vertrauen gespürt.“ Sich selbst schätzt der Familienvater als „positiv verrückt“ ein, für den es im Fußball nur über den Zusammenhalt gehen kann. „Wir müssen als gesamtes Team eine Sprache sprechen. Auf und neben den Platz.“

Zweimal in die deutsche U20-Nationalmannschaft berufen

Lewejohann selbst begann seine Fußball-Laufbahn bei Westfalia Herne, ehe es in den Nachwuchs des VfL Bochum ging. Mit den A-Junioren schaffte er es 2003 bis ins Halbfinale der Deutschen Meisterschaft gegen den späteren Titelträger VfB Stuttgart. Zur Saison 2003/04 wechselte er zu LR Ahlen, wo er im September 2003 sein erstes Spiel in der 2. Bundesliga absolvierte. Zweimal wurde er dabei auch in die deutsche U20-Nationalmannschaft berufen. Zusammen mit Bastian Schweinsteiger, Per Mertesacker, Mario Gomez und Lukas Podolski.

Den ganz großen Schritt Richtung Bundesliga schaffte Lewejohann nicht, wobei er selbstkritisch erklärt. „Im Nachhinein habe ich wohl zu wenig aus meinem Potenzial gemacht. Neben vielen Verletzungen waren vor allem mein Verhalten neben dem Platz und die Tatsache, das mich niemand geführt hat, ausschlaggebend dafür.“

„Druck hat man im Leben genug, den Fußball sollte man genießen“

Ein Fußballerleben also, zwischen Höhen und Tiefen. Aber genau mit diesen Erfahrungswerten will Lewejohann nun seine U19-Schützlingen auf den richtigen Weg führen. Denn, so weiß Lewejohann, sind es nicht allein die Fähigkeiten mit dem runden Leder, die einen erfolgreichen Kicker auszeichnen. „Der Spaß darf niemals zu kurz kommen. Druck hat man im Leben genug, den Fußball sollte man genießen. Natürlich wollen wir die Jungs von Tag zu Tag besser machen. Doch müssen sie sich auch klar darüber sein, dass Fußball nicht alles im Leben ist.“

In den vergangenen drei Spielzeiten hatte sich die U19 von RWO unter Dimitrios Pappas in der Bundesliga etabliert. Diese gute Arbeit, bekräftigt Lewejohann, soll mit dem neuen Trainerteam fortgesetzt werden. Auch wenn es in der kommenden Saison – in der nur eine einfache Runde ohne Rückserie absolviert wird – aufgrund der Aufstockung von 14 auf 17 Teams kein Selbstläufer werden dürfte. Schließlich wird es vier statt wie bisher drei Absteiger geben. Der Startschuss fällt dabei am Samstag um 11 Uhr beim Derby gegen Rot-Weiss Essen.

Rückkehr auf den Bolzplatz

„Gerade weil wir gegen jeden Gegner nur einmal spielen, muss jedes Duell Pokalcharakter haben“, zeigt sich Lewejohann selbstbewusst, der mit seinen Spielern aber nicht ausschließlich sportliche Ziele verfolgt. „Was Markus und mich antreibt ist, den Mensch in den Vordergrund zu rücken. Das geht im heutigen Fußballgeschäft leider viel zu oft verloren. Jeder der Jungs soll wissen, dass er sich zu 100 Prozent auf uns verlassen kann.“

Lewejohann selbst hat seine alten Fußball-Treter übrigens vor kurzem wieder aus dem Keller geholt. Bei den Sportfreunden aus Bulmke (Kreisliga A) geht der „Fußballverrückte“ wieder auf Torejagd, schoss bei den ersten beiden Saisonsiegen auch gleich zwei Tore. Von seinem Torinstinkt hat der 36-Jährige also nichts eingebüßt.. „Wenn ich auf den Platz gehe, will ich gewinnen, selbst wenn es sich um ein Trainingsspiel handeln sollte.“

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