Corona und Rennreiten

Rebecca Danz: Traum in Madrid wurde zum Alptraum

Eigentlich verlief der Ausflug nach Madrid mit Platz zwei für Rebecca Danz sehr erfolgreich. Doch dann beendete Corona die Freude.

Eigentlich verlief der Ausflug nach Madrid mit Platz zwei für Rebecca Danz sehr erfolgreich. Doch dann beendete Corona die Freude.

Foto: Danz

Oberhausen.  Auf die Spain Women Jockey Championship folgte für Rebbeca Danz die Quarantäne. Nun kann sie ihrem Beruf im Gestüt Auenquelle wieder nachgehen.

Die Tage in Madrid waren ein Traum – sonnig, freundliche Menschen, eine der schönsten Galopprennbahnen, gute Ritte, zweiter Platz in der Spain Women Jockey Championship. Für die in Raffelberg stationierte Alstadener Berufsrennreiterin Rebecca Danz lief es auch noch zwei Tage nach der Heimkehr gut: „Ja, es gab Gratulationen und vor allem trudelten überraschend viele sehr gute Angebote für Ritte in der nächsten Zukunft ein. Wir hatten richtig Freude!“ Dann kam der Albtraum, dann kam Corona.

„Da wird einem der Boden unter den Füßen weggezogen, es ist wie eine Bauchlandung vom Sprungturm aus, aber auf Beton“, kann die 30-Jährige ihr Entsetzen kaum in Worte fassen. Ehemann Thorsten hat einen angeborenen Herzfehler und wurde kurz nach der Rückkehr aus Spanien mit seiner Frau erstmal in Quarantäne geschickt. Ein Test verlief zum Glück negativ, und seit wenigen Tagen ist auch die Amazonen-Weltmeisterin von 2018 von den Quarantäne-Auflagen befreit und kann ihrem Beruf im Gestüt Auenquelle wieder nachgehen.

Spende als Mutmacher

Die täglich zu sehenden Bilder aus Spanien bestürzen sie: „Menschen, die in Decken auf Fluren liegen, furchtbar!“ Dabei habe sie in Madrid Herzlichkeit, Zugewandtheit und Freundlichkeit erlebt wie noch selten zuvor. „Die Rennbahn Zarzuela ist ohnehin schon wunderschön, aber wie die Leute da uns behandelt haben, das war einmalig.“

Von ihrer Prämie der dreiteiligen Rennserie – für den zweiten Platz war sie mit 1100 Euro nicht gerade üppig bestückt – hat sie dem Jockey-Club Madrid jetzt die Hälfte überwiesen. Spende zur Hilfe, Dankeschön auch, Mutmacher. Mut brauchen sie jetzt gerade alle im Pferdesport. „Über Fußball wird ja ständig geredet“, weiß die Jockey-Lady, „aber mit Irland und Südafrika haben jetzt die letzten Staaten weltweit ihre Rennbahnen geschlossen. Es gibt keine Rennen mehr.“ Allein in Deutschland sind rund 6000 Arbeitsplätze bedroht, und das Rennverbot lässt erhebliche Folgen für alle befürchten.

„Da werden sich etliche von den Vierbeinern trennen müssen“

Viele Besitzer sind Einzelpersonen, Handwerker oft oder Wirte, die ein Rennpferd eher aus Leidenschaft für den Pferdesport halten als aus kommerziellen Gründen. „Da werden sich etliche von den Vierbeinern trennen müssen“, sieht sie Auswirkungen auf die Trainer und die Ställe, in denen die Vollblüter betreut und trainiert werden – für Beträge, die auch vierstellig sein können.

Rebecca Danz ist in der glücklichen Lage, als angestellter Stalljockey bei der Mülheimer Niederlassung von Gestüt Auenquelle fix in Lohn und Brot zu stehen. Das Gehalt ist zwar nicht dazu geeignet, Luftsprünge zu machen, aber das Engagement unter der Regie von Trainer Marcel Weiß gibt hinreichend Gelegenheit und Freiraum zu Ritten auf Pferden, die nicht im eigenen Stall stehen. Und solche Engagements werden natürlich honoriert.

Feierabend gegen 12.30 Uhr

So sieht der Tag für Rebecca Danz also weiter so aus: Beginn der Früharbeit mit den Pferden auf der Rennbahn am Raffelberg um sechs in der Frühe. Danach geht es im Stall oft weiter, denn Rennpferde sind sensible Spitzensportler, die ein hohes Maß an Zuwendung brauchen. Der Feierabend ist meist gegen 12.30 Uhr.

Anders als zu den zweibeinigen Kollegen braucht man zu den Vierbeinern keinen Sicherheitsabstand zu halten: Pferden ist Corona total egal. Wenigstens die brauchen sich keine Sorgen zu machen.

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