Fußballplätze

Oberhausen nähert sich dem Ende der Ära Ascheplatz

Das gepflegte Kurzpassspiel könnte auf dem Platz am Klaumer Bruch an einigen Stellen zu Ballverlusten und Pflastern führen.

Das gepflegte Kurzpassspiel könnte auf dem Platz am Klaumer Bruch an einigen Stellen zu Ballverlusten und Pflastern führen.

Foto: Ute Gabriel / Funke Foto Services

Auf nur noch neun Fußball-Spielfeldern in Oberhausen liegt noch die ungeliebte Asche. Ein Überblick über deren Zukunft.

Die Sportplatzlandschaft in Oberhausen hat sich in den letzten zehn Jahren stark verändert. Mit einem Investitionsvolumen in Höhe von 14,2 Millionen Euro entstanden unter anderem 19 Groß- und sieben Kleinspielfelder aus Kunstrasen. Doch es gibt sie noch, die Fußballplätze, auf denen eine Grätsche das Bein über Nacht mit der Bettdecke zusammenwachsen lässt. Ein Ascheplatz, auch „roter Rasen“, Hartplatz oder im Fachjargon Tennenplatz genannt, wirkt auf die jüngste Kicker-Generation so antiquiert wie ein Telefon mit Wählscheibe. Neun dieser Plätze hat Oberhausen noch im Programm – mit unterschiedlichen Perspektiven.

„So viele Plätze dicht gemacht“

„Wir versuchen alles, um die Anlage zu retten“, sagt Dietmar Look, Vorsitzender des C-Ligisten Hibernia Alstaden, der sich mit dem Betriebssport-Kreisverband und einem Team aus der Ruhr-Liga den Ascheplatz an der Solbadstraße teilt. „Wir würden natürlich auch sehr gerne auf einem Kunstrasen spielen. Mit einem Ascheplatz ist es ein großes Problem, neue Spieler für sich zu gewinnen.“ Aber genauso wichtig ist es Look, dass die Anlage überhaupt erhalten bleibt. „Hier wurden schon so viele Plätze dicht gemacht, auch die Jahnwiese gibt es nicht mehr. Hier gibt es nur noch die Kuhle und uns“, so der Hibernia-Chef. „Für einen Kunstrasen würden wir nach Möglichkeit viel an Eigenleistung beitragen. Unser Platz hat auch nur die Mindestmaß-Größe, was die Kosten reduziert. Zudem könnten wir mit einem Kunstrasen SW Alstaden, mit denen wir sehr gut auskommen, gerade im Jugendbereich bei den Trainingsmöglichkeiten entlasten.“

Die Schließung wurde bereits diskutiert, im Sportausschuss Anfang November aber ein Antrag zur Aufrechterhaltung eingereicht. In diesem Zusammenhang soll die Verwaltung auch die Kosten für die Herstellung eines Kunstrasenplatzes und die Renovierung der Sanitäranlagen aufzeigen. „Derzeit ist die Verwaltung dabei, die genannten Kosten zu ermitteln und den Antrag der Koalition ergebnisoffen zu prüfen“, sagt Sportdezernent Frank Motschull. Eine entsprechende Berichterstattung im Sportausschuss ist für den 15. Februar 2018 vorgesehen.

„Das war im ersten Moment schon ein Schock“

Aus dem Haushaltsplan für 2018 wieder herausgenommen wurde der Kunstrasen für die Sportanlage Dellwig. „Das war im ersten Moment schon ein Schock“, so Detlef Peters, Vorsitzender des am Klaumer Bruch beheimateten SuS 21. „Aber mittlerweile sind wir nach guten Gesprächen mit der Stadt auch guter Dinge, dass die Maßnahme doch zeitnah umgesetzt wird. Es wäre auch sehr wichtig für uns. Im Sommer ist uns eine komplette D-Jugend zur DJK Dellwig abgewandert, weil es dort einen Kunstrasen gibt.“

Die Sanierung der Anlage Dellwig wurde von der Stadt im Rahmen des Investitionspaketes des Landes NRW „Soziale Integration in Quartieren“ zur Förderung angemeldet, aber nicht berücksichtigt. „Auf der Reserve-Investitionsliste steht die Anlage auf Platz eins“, sagt Motschull. Daher auch der Optimismus bei den 21ern.

Neuer Anlauf 2018

Im Falle einer Förder-Berücksichtigung würden 90 Prozent der Baukosten durch das Land übernommen. Ähnlich stellt sich die Sachlage bei der Sportanlage Buchenweg (u. a. Sarajevo Oberhausen, BSG Dellerheide) dar: Auch ihre Sanierung fand letztlich im Haushalt keine Berücksichtigung, auch bei ihr wurde der Förderantrag abgelehnt, auch für sie wird 2018 ein neuer Anlauf genommen.

Das gleiche gilt für GW Holten. Damit im Emscherstadion der Tennen- in einen Kunstrasen umgewandelt werden kann und die erfolgreichen Bogenschützen der Holtener Hähne anstatt an der Erlenstraße auf dem heimischen, dann für Fußball gesperrten Naturrasen die Pfeile fliegen lassen können, müssen aber auch noch die Emscher-Umbaumaßnahmen beendet werden. Sie tangieren Teile der Anlage an der Bahnstraße.

„Für den Verein existenziell wichtig“

Die Anlage Knappenmarkt soll geschlossen werden, der dort beheimatete SC 1920 Oberhausen mit seinen sieben Mannschaften zum Turnerbund Oberhausen an die Mellinghofer Straße umgesiedelt werden, wo sich derzeit ebenfalls noch ein Asche- und ein Naturrasen befindet. Der Plan: Aus dem Tennenplatz wird ein Kunstrasen, der Rasen bekommt ein Flutlicht.

„Da warten wir sehnsüchtig drauf“, so SC-Coach Ümit Ertural. „Für den Verein ist das existenziell wichtig, denn mit einem Ascheplatz kann man in der Jugend einfach nicht mehr mithalten.“ Seine technisch beschlagene Elf überwintert als Aufsteiger auf dem starken dritten Rang in der Bezirksliga. „Gerade die Gästemannschaften aus Bocholt gucken natürlich erst einmal, wenn sie unsere Asche sehen. So etwas kennen die gar nicht mehr. Trotzdem haben wir zu Hause schon einige Punkte unnötig liegen gelassen.“

Eine ähnliche Maßnahme wartet in Sterkrade auf die Ortsteile Schwarze Heide und Biefang. Die Sportfreunde 06 Sterkrade sollen mit ihren zwei Seniorenteams von der Biefangstraße zum TVB an die Erlenstraße umsiedeln. Auch hier wird die nicht mehr genutzte Anlage Wohneigentum weichen. Der Rasenplatz an der Erlenstraße soll als Kunstrasen-Fußballplatz die Heimat für 06 sowie des FC Sterkrade werden, der aus dem Stadion Sterkrade kommt.

Erheblicher zeitlicher Aufwand

Zu diesen beiden Maßnahmen sagt Frank Motschull: „Nach der in diesem Jahr erfolgten Klärung zahlreicher formeller und rechtlicher Fragen, die einen nicht unerheblichen zeitlichen Aufwand verursachte, ist die Sportverwaltung optimistisch, die Maßnahmen ab dem Frühjahr 2018 umsetzen zu können.“

Das Hanielstadion an der Harkortstraße, genutzt vom RSV/GA Klosterhardt und durch Schulsport, verfügt über einen Asche- und einen Rasenplatz. Grundstückseigentümer ist der Regionalverband Ruhr, mit dem der Verein vor vielen Jahren einen Pachtvertrag abgeschlossen hat. Der Club hat vier Seniorenteams im offiziellen Spielbetrieb. „Wegen dieser geringen Anzahl an Teams sind grundsätzliche Veränderungen auf der Sportanlage in den kommenden Jahren nicht auszuschließen“, sagt Motschull.

In diesem Jahr verabschiedet sich das Ruhrgebiet von der Kohle, aber noch nicht ganz von Asche und Staub auf dem Sportplatz. Trotzdem: Der „rote Rasen“ ist auch hier bald von der Bildfläche verschwunden. Nicht zuletzt Beine und Bettdecken wird es freuen.

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In den letzten zehn Jahren wurden in Oberhausen 13 Sportplätze und zwei Tennisanlagen geschlossen. Dem gegenüber steht nicht nur die Entstehung von 19 Groß- und sieben Kleinspielfeldern aus Kunstrasen, sondern auch von drei Naturrasenplätzen, zwei leichtathletische Anlagen, einer Schulsportanlage, drei Streetbasketball-Feldern und einer Beachvolleyballanlage. Zudem wurden für 4,95 Millionen Euro acht neue Funktionsgebäude errichtet.

„Durch die Konzentration auf weniger Anlagen wurden die laufenden Betriebskosten für die Unterhaltung um rund 830 000 Euro pro Jahr reduziert“, erläutert der zuständige Oberhausener Sportdezernent Frank Motschull. „Durch die Veräußerung von ehemaligen Sportplatzgrundstücken konnten zudem Verkaufserlöse in einem beträchtlichen Umfang generiert werden. Dies ist ein wichtiger Beitrag des Sports bei den Bemühungen, den städtischen Haushalt zu konsolidieren.“

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