Führungsspieler bei RWO

Müller bei Bayern München II: „Kein Blick zurück im Groll“

Bastian Müller, wie man ihn kennt, technisch versiert und mit Blick für den Ball. Und nach dem Derby in Essen mächtig frustriert, weil die Chancenauswertung nicht stimmte.

Bastian Müller, wie man ihn kennt, technisch versiert und mit Blick für den Ball. Und nach dem Derby in Essen mächtig frustriert, weil die Chancenauswertung nicht stimmte.

Foto: Thorsten Tillmann / FFS

Oberhausen.  RWO-Kapitän Bastian Müller hat schon eine wechselvolle Laufbahn hinter sich, so auch bei Bayern München II und bei Louis van Gaal.

Noch halb verschlafen, klingelt um 8 Uhr das Telefon von Bastian Müller. Am anderen Ende der Leitung ist Hermann Gerland. „Müller bist du wach? Du musst jetzt aufstehen, in 50 Minuten bist du beim Training, der van Gaal wartet auf dich.“

Der jetzige RWO-Sechser macht sich sofort auf den Weg zum Trainingsgelände des FC Bayern München und stellte sich erstmal bei Coach Louis van Gaal vor. „Ich wusste, dass er auf Höflichkeit großen Wert legt. Aber ich muss auch gestehen, ich habe mir auf dem Weg zum Training fast in die Hosen gemacht. Das war schon irgendwie surreal.“

Mit 19 Jahren vom SC Verl zur Säbener Straße

Müller, damals 2011 gerade einmal 19 Jahre alt, war vom SC Verl an die Säbener Straße zur zweiten Mannschaft des Rekordmeisters gewechselt. „Als mir mein späterer Berater davon erzählte, habe ich ihn erstmal für verrückt erklärt“, erinnert sich Müller, der in der Folge neben den Einsätzen bei der „Zwoten“ mehrfach beim Training der Profis mitmachen durfte.

Neben der Listung für den Champions-League-Kader, wurde ihm der Einsatz in einem DFB-Pokal-Spiel in Aussicht gestellt. „Leider hatte ich mir aber einen Bänderriss zugezogen, so dass daraus nichts wurde.“

Durch Verletzungen zurückgeworfen

Auch bei Regionalligist Rot-Weiß Oberhausen war der heute 29-Jährige wegen eines Muskelfaserrisses für einige Spiele außer Gefecht. Doch schneller als gedacht, kehrte Müller gegen die Sportfreunde Lotte in die Startelf zurück. „Eigentlich bin ich alt genug, meine Verletzungen komplett auszukurieren. Aber die Situation mit unseren vielen Verletzten hatte es mit sich gebracht, dass ich spielen und der Mannschaft helfen wollte.“ Letztlich ging alles gut, RWO gewann mit 3:1.

Doch nur eine Woche später, am vergangenen Samstag, folgte ein 0:3 bei Rot-Weiss Essen. „Grundsätzlich bin ich ein Typ, der sofort wieder spielen will, ob er jetzt das vergangene Spiel 0:3 verloren oder 3:0 gewonnen hat. Aber die Derby-Niederlage hat mich schon gewurmt“, gesteht Müller, der trotz des „katastrophalen Ergebnisses“ ein ansprechendes Spiel seines Teams sah. „Wir waren frustriert, weil das Resultat nicht unsere Leistung auf dem Platz widergespiegelt hat. Wenn wir vorne mehr Durchschlagskraft zeigen, hätten wir sicherlich auch Tore schießen können.“

Eine komplette Trainingswoche bei RWO

Genau daran, die Abläufe im Spiel nach vorne zu verbessern, soll in dieser mal wieder kompletten Trainingswoche gearbeitet werden. Seit gut zweieinhalb Wochen steht Mike Terranova wieder als Coach an der Seitenlinie, der die Nachfolge des beurlaubten Dimitrios Pappas antrat. „Ich hatte in meiner Laufbahn einige Trainer, wo ich mir eher gewünscht hätte, dass sie rausfliegen. Dimi ist ein super Typ, bei dem das Training viel Spaß gemacht hat. Ich glaube, mehr Pech als er kann man als Trainer kaum haben.“

Müller spricht dabei vor allem das große Verletzungspech und die Corona-Zwangspause kurz vor dem Saisonstart an. „Vielleicht wäre es unter normalen Umständen ganz anders gelaufen.“

Lob für Trainer Mike Terranova

Terranova, den Müller bereits aus seiner ersten Saison bei den Rot-Weißen kennt, „tut den Spielern und der gesamten Mannschaft gut.“ Ob dieser allerdings auch längerfristig als RWO-Trainer erhalten bleiben wird? „Ich hätte nichts dagegen, auch wenn ich nicht derjenige bin, der das entscheidet. Terra ist ein sehr guter Trainer, hat ja nicht umsonst den Fußballer-Lehrer gemacht.“

Der SC Verl machte in der vergangenen Saison – Müller jetzt im RWO-Trikot – die Rückkehr in den Profifußball perfekt. „Meine Freunde sagen, ich ziehe einen Fluch hinter mir: her. Die Vereine steigen immer im Jahr nach meinem Abgang auf“, berichtet Müller mit einem Lachen und fügt an. „Vielleicht sollte ich mir das in meinen RWO-Vertrag schreiben lassen: Wenn der Verein ohne mich aufsteigt, holt er mich im Anschluss direkt zurück.“

„Ich fühle mich wohl hier“

Dass er damals bei Bayern München nicht den großen Durchbruch schaffte, darüber denkt Müller nicht im Groll zurück. „Es hätte noch in eine ganz andere Richtung gehen können. Aber um ehrlich zu sein, habe ich es mir auch selbst ein bisschen versaut. So ist das, wenn man jung ist, und zum ersten Mal Geld verdient“, gilt Müllers jetzige Konzentration allein dem SC Rot-Weiß.

„Ich bin nicht so ein Typ, der darüber nachdenkt, was hätte ich alles anders machen können. Man muss im Hier und Jetzt leben, um seine besten Leistungen zeigen zu können. RWO ist ein geiler Verein und ich fühle mich sehr wohl hier.“

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