Kindersportcamp

In der Vielfalt steckt die Chance für Kinder

Die Kinder sind mit Feuereifer dabei und spornen ihre Mitstreiter an - obwohl es beim Sportcamp nicht um Siege oder Zeiten geht.

Die Kinder sind mit Feuereifer dabei und spornen ihre Mitstreiter an - obwohl es beim Sportcamp nicht um Siege oder Zeiten geht.

Foto: Christoph Wojtyczka

Das Kindersportcamp ist zum zweiten Mal in Oberhausen. Leiter Peter Gerfen, ehemaliger Handballprofi, verrät das Erfolgsgeheimnis.

Es ist kurz vor halb elf, als die ersten Kinder das OTV-Gelände betreten. Für die Gruppen grün (neun bis zehn Jahre) und gelb (ab zehn Jahren) steht am zweiten Tag des Kindersportcamps für den Vormittag Leichtathletik und Tennis auf dem Programm. Petra Mehlich, erste Jugendwartin beim Buschhausener Tennisverein, begrüßt ihre heutigen Schützlinge. Und die sind schon ganz schön aufgeregt.

„Spielen wir wieder Tennis?“ fragen zwei Mädchen ganz hoffnungsvoll. „Das ist wirklich immer wieder erstaunlich. Gestern das erste Mal den Schläger in der Hand gehabt, vollkommen platt nach Hause gegangen und heute ist es der neue Lieblingssport“, kommentiert Mehlich sichtlich stolz. Allerdings geht es beim Viactiv-Kindersportcamp nicht darum, die Kinder nur für eine einzige Sportart zu begeistern. Hier wird dem Nachwuchs ein breitgefächertes Angebot präsentiert. Und am Ende können die kleinen Sportler dann für sich selbst entscheiden, was sie in Zukunft weiter machen wollen und was nicht.

Kunterbuntes Angebot

„Die Begeisterung wandelt sich ständig. Als wir heute morgen die Gruppen in Show-Dance und Beachvolleyball eingeteilt haben, war die Vorfreude bei einigen Jungs wegen des Tanzens nicht groß. Aber wenn sie erstmal angefangen haben, finden die das richtig gut und sind mittendrin“, so Peter Gerfen, Leiter des Kindersportcamps.

Der ehemalige Handballprofi entwickelte aus seiner eigenen Sportbegeisterung die Idee, Kinder bereits so früh wie möglich mit verschiedenen Sportarten zu konfrontieren: „Angefangen hat das alles mit Kursen für Erwachsene. Da merkte ich schnell, dass diese bei vielen simplen Bewegungsabläufen bereits Probleme hatten. Deshalb wollten wir sozusagen an die Basis gehen und schon bei den Kleinsten aktiv werden“, so der 47-jährige Familienvater.

Aus der Idee wurde schließlich das Kindersportcamp, das dieses Jahr zum zweiten Mal in Oberhausen stattfindet. Während sich letztes Jahr noch knapp 60 Kinder angemeldet hatten, sind es in diesem Jahr bereits 90 Bewegungslustige. Aber auch sonst hat sich einiges getan.

„Wir haben die Verbindung zu den Vereinen hier in Oberhausen weiter vorangetrieben. Das ganze Sportspektrum ist ebenfalls gewachsen. Letztes Jahr hatten vier Sportarten, jetzt sind es fast schon doppelt so viele. Und so wollen wir uns ständig steigern“, meint Gerfen.

Neben Oberhausen war das Sportcamp in diesem Jahr bereits in Bochum unterwegs und wird im Oktober noch in Hildesheim sein. Doch nicht nur die Disziplinen an sich stehen im Fokus der vielen Trainer: „Neben den Sportarten selbst schauen wir auch darauf, dass die Kinder motorisch geschult werden. Wir bieten sehr viele koordinative Übungsabläufe mit an“, so Gerfen. „Das läuft unter dem Begriff Bewegungsspiele und ist eine Mischung aus Turnen und Leichtathletik. Alles in spielerischer Form verpackt.“

Zusammenarbeit mit Sportvereinen

Zu den Sportarten in Oberhausen gehören Beachvolleyball, Basketball, Karate, Leichtathletik, Tennis, Show Dance, Fußball und Hip-Hop/Dance. Alles in direkter Nähe und in Zusammenarbeit mit den Sportvereinen: „Wir gucken, dass wir viele Trainer aus dem Raum Oberhausen bekommen, da wir möchten, dass wenn die Kinder alle Sportarten kennengelernt haben, sie auch zu den Vereinen wandern. Dann haben sie ihre Trainer bereits bei uns kennengelernt.“

Bei den einzelnen Sportarten sind in der Regel um die 15 bis 20 Kinder zusammen. Die Gruppen sind extra so angelegt, dass sie nicht zu groß sind. Individuelle Betreuung wird beim Kindersportcamp groß geschrieben.

Allerdings kann man sich nicht nur an den Trainingsplan halten, weiß auch Mehlich, wenn sie über ihre Tennisschüler spricht: „Es geht darum, dass die Kleinen ein Ballgefühl bekommen. Aber in erster Linie wollen die Kinder natürlich den Schläger in die Hand nehmen und den Ball über das Netz schlagen. Und das muss man ihnen auch lassen.“

Auch Josef Ziegenfuß, erster Vorsitzender des OTV, freut sich über das große Engagement der Kinder: „Die sind sofort voll bei der Sache. Und das kommt alles von selbst. Denen hat keiner irgendwas vorgegeben.“

Bei der Leichtathletik sind es viele Elemente, die näher gebracht werden: Dazu gehört Weitsprung, Hindernislauf oder das beliebte Staffel-Rennen. Und obwohl das Ganze keinen Wettkampfcharakter hat, wollen die Teilnehmer doch immer wieder wissen, wie sie sich geschlagen haben: „Die Kinder kommen dann angelaufen und wollen ihre Zeit wissen, obwohl wir die gar nicht messen. Das zeigt deren Ehrgeiz, aber auch deren Energie“, so Ziegenfuß.

Abschlusspräsentation

Am Freitag werden zum Abschluss alle Trainer auf dem OTV-Gelände noch einmal alle Sportarten in einem zehnminütigen Ausschnitt präsentieren. Gerfen: „Die Kinder haben bis dahin eine kleine Choreographie einstudiert, die sie den Eltern präsentieren. Schließlich sollen die auch wissen, was ihre Kinder so über die Woche gemacht und gelernt haben.“

Neben der Abschlusspräsentation wird am Freitag von 12 bis 15 Uhr der ehemalige Fußballprofi Christoph Metzelder zu Besuch am OTV-Gelände sein. „Wir wollen den Kindern für jedes Camp einen bekannten Sportler präsentieren. In Bochum war die Ruderin und Olympia-Siegerin Carina Bär dabei“, berichtet Gerfen. Der Vize-Weltmeister von 2002 wird mit den Kindern eine Trainingseinheit leiten. Im Anschluss folgt noch eine Fragerunde. „Wir haben schon etwas mit den Kindern darüber gesprochen. Die Fragen gehen dann in die Richtung: Was war ihr peinlichsten Erlebnis auf dem Fußballplatz? Eben keine klassischen Journalisten-Fragen.“

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