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Franz Krauthausen: „RWO gehört nicht in die Regionalliga“

Beim 50. Jubiläum des Bundesliga-Aufstiegs wurden die alten Helden (fast sprachlos: Franz Krauthausen) im Stadion Niederrhein gefeiert.

Beim 50. Jubiläum des Bundesliga-Aufstiegs wurden die alten Helden (fast sprachlos: Franz Krauthausen) im Stadion Niederrhein gefeiert.

Foto: Sebastian Stachowiak

Oberhausen.  Mit Bayern München wurde er zweimal Deutscher Meister. Doch seine schönste Zeit als Spieler hatte Franz Krauthausen nach eigener Aussage bei RWO.

Franz Krauthausen hat in seinem Fußballer-Leben einiges erlebt. Feierte er 1965 für den 1. FC Köln sein Bundesliga-Debüt, wo er gleich in seinem ersten Spiel bei der 2:3-Niederlage in Kaiserlautern ein Tor erzielte, wurde er mit dem FC Bayern München 1972 und 1973 zweimal Deutscher Meister. Doch keine Zeit, so gibt der gebürtige Oberhausener zu, hat ihn so geprägt, wie jene fünf Jahre, die er bei Rot-Weiß Oberhausen verbrachte. Eine Zeit, die „von Kameradschaft und Zusammenhalt geprägt war“, denn: „Anders wäre der Bundesliga-Aufstieg auch nicht möglich gewesen.“

Am 25. Juni 1969 machten die Kleeblätter um Trainer Adi Preißler ihr Meisterstück und lösten durch ein 0:0 im letzten Spiel der Aufstiegsrunde gegen den Freiburger FC im Stadion Niederrhein das Bundesligaticket. Vor 35.000 Zuschauern. „Das war schon unglaublich emotional, die Fans haben ja sogar auf der Laufbahn gestanden und uns zugejubelt. Heute undenkbar“, erinnert sich der 74-Jährige. „Wir waren zuvor oft genug knapp gescheitert, weshalb wir den Erfolg ausgiebig gefeiert haben.“

Immer für einen lockeren Spruch zu haben

Doch nicht nur wegen seiner sportlichen Qualitäten verzieh ihm selbst Vereinsboss Peter Maaßen so manche Feierstunde mit den Worten: „Selbst ein besoffener Krauthausen ist immer noch besser als viele andere nüchtern!“ Wohl auch wegen dieser Leichtigkeit des Seins war der „Schwatte“ ein absoluter Fanliebling. „Ich will es mal so sagen, ich war immer für ein Späßchen und einen lockeren Spruch zu haben. Man darf sich auch selbst nicht zu ernst nehmen. Und ich glaube, das mochten die Leute an mir.“

1946 zog Krauthausen als Achtjähriger von Alstaden nach Jülich, wo er beim FC Germania Dürwiß das kicken lernte und anschließend 1961 zum SC Jülich wechselte. Mit 19 Jahren ging es dann zum 1. FC Köln, wo er seine ersten Schritte in der Bundesliga machte. Sein großer Durchbruch gelang ihm aber in der Heimat, als er 1966 zu Rot-Weiß Oberhausen in die Regionalliga, damals die zweithöchste Fußball-Klasse, wechselte. „Das Ziel war immer der Aufstieg“, so Krauthausen, der vor allem dank seiner unwiderstehlichen Dribblings und knallharten Zweikampfhärte sowohl im offensiven Mittelfeld, als auch auf den Außenpositionen glänzte.

„Der Respekt war groß, aber Angst hatte ich keine“

In 139 Spielen für die Rot-Weißen erzielte Krauthausen 46 Treffer und hatte erheblichen Anteil daran, dass RWO aufstieg und zweimal die Klasse hielt. Doch 1971 verließ der Fanliebling Oberhausen Richtung bayrische Landeshauptstadt. Der FC Bayern München hatte sich die Dienste des Offensivspielers gesichert. „Nein, da konnte ich nicht absagen. Auch weil mein eigener Anspruch war, immer nach ganz oben zu kommen“, sagt Krauthausen, der nun zusammen mit Franz Beckenbauer, Sepp Maier und Gerd Müller aufs Feld lief.

„Der Respekt war groß, aber Angst hatte ich keine. Es klingt banal, aber wenn man Fußball spielen kann, kann man es überall schaffen.“ Zwei Meistertitel gewann der „Schwatte Franz“ mit den Bayern, lief daneben auch im Europapokal der Pokalsieger und Landesmeister auf. Doch da es beim Star-Ensemble keine Stammplatzgarantie gab, ging er 1973 zum FC Schalke 04. „Ein Missverständnis“, wie Krauthausen einräumt, der als Nachfolger von Sturmlegende Klaus Fischer geholt worden war. „Einen Klaus Fischer kann man nicht ersetzen. Auch weil ich kein reiner Stürmer war, sondern mich eher hinter den Spitzen wohl gefühlt habe.“

„Wenn es einem irgendwo nicht gefällt, muss man eben weiter gehen“

Da auch noch einige Verletzungen hinzukamen, verließ Krauthausen nach zwei schwierigen Jahren die Knappen wieder. Nach einem kurzen Engagement bei Sterkrade 06/07 entwickelte sich Krauthausen im Anschluss zu einem Wandervogel, spielte unter anderem für verschiedene Fußballvereine in den USA. „Wenn es einem irgendwo nicht gefällt, muss man eben weiter gehen“, so das Lebensmotto des Oberhauseners, der seit 30 Jahren gemeinsam mit seiner Frau in Schliengen bei Lörrach lebt.

Auch dort verfolgt Franz Krauthausen aufmerksam den Werdegang seiner Kleeblätter und besucht den Verein regelmäßig. Zuletzt am 18. Mai 2019, als nicht nur das 50. Jubiläum des Bundesliga-Aufstiegs gefeiert wurde, sondern RWO im Heimspiel gegen den SC Verl den Aufstieg in die 3. Liga schaffen wollte. Letztlich reichte es gegen Verl nur zu einem 3:3 und Viktoria Köln ging anstelle der Rot-Weißen eine Liga höher. „Sehr schade, das hätte diesen tollen Tag die Krone aufgesetzt“, denkt Krauthausen gerne an jenen sonnigen Mai-Tag zurück.

„Die Regionalliga ist eine Hungerliga“

Überhaupt wünscht sich die RWO-Legende, dass der Verein so schnell wie möglich wieder nach oben kommt. „Die Regionalliga ist eine Hungerliga, jenseits von Gut und Böse. RWO gehört da nicht hin.“ Doch auch Krauthausen weiß, dass ein Aufstieg nicht planbar ist und vor allem in Corona-Zeiten auch der Faktor Geld eine wichtige Rolle spielt. „Soweit ich das von außen beurteilen kann, machen die Verantwortlichen seit Jahren einen sehr guten Job und werden auch durch die Krise kommen.“

Dabei setzt Krauthausen auch auf die Unterstützung der Fans, die ihn und seine Mannschaftskollegen vor über 50 Jahren mit in die Bundesliga peitschten. „Irgendwann müssen sich ja mal die ganzen Anstrengungen bezahlt machen. Ich werde die Hoffnung nicht aufgeben und würde mich freuen, nochmal einen RWO-Aufstieg mitzuerleben. Und das dann live vor Ort.“

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