Rot-Weiß Oberhausen

Die Schlammschlacht und das Tor von Julian Lüttmann

Was für ein Spiel! Beseelt gingen die Rot-Weißen um Julian Lüttmann (vorn), Marklus Kaya und Dimi Pappas nach dem Sieg vom Platz.

Was für ein Spiel! Beseelt gingen die Rot-Weißen um Julian Lüttmann (vorn), Marklus Kaya und Dimi Pappas nach dem Sieg vom Platz.

Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   Der ehemalige RWO-Mittelstürmer traf oft, zuletzt im Finale beim Masters. Doch mit einem besonderen Tor wird er immer in Erinnerung bleiben.

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Besser spät als nie. So lautete das Fazit von Julian Lüttmann beim Gewinn der NRW-Traditionsmasters vor wenigen Tagen in Mülheim. Denn der ehemalige RWO-Stürmer erzielte für die Traditionself seinen ersten und einzigen Turniertreffer ausgerechnet im Endspiel zum wichtigen 1:1 (Endstand 2:1) gegen den VfL Bochum. Dabei war es nicht das ersten Mal, dass der heute 36-Jährige im richtigen Augenblick seinen ausgeprägten Torriecher unter Beweis stellte.

Im Sommer 2007 hatte sich Lüttmann als Torschützenkönig in der Oberliga Westfalen bei den Sportfreunden Lotte für die Kleeblätter empfohlen, die gerade frisch in die Regionalliga aufgestiegen waren. „Unser damaliges Ziel war ganz klar, uns für die eingleisige Dritte Liga zu qualifizieren“, erinnert sich der gebürtig aus Rheine stammende Angreifer. Dies bedeutete, die Spielzeit mindestens auf Platz zehn zu beenden.

Im Dauerregen am 2. Dezember 2007

Doch in jener Saison wuchsen die Rot-Weißen unter Trainerfuchs Günter Bruns über sich hinaus und feierten am Ende den überraschenden Aufstieg in Liga zwei. Großen Anteil hatte daran auch Lüttmann, wobei wohl besonders ein Tor den Kleeblatt-Fans im Gedächtnis geblieben sein sollte.

Es war der 2. Dezember 2007, als RWO den ewigen Rivalen RWE zu Gast im Stadion Niederrhein hatte. Wie es sich für ein solches Kampfspiel fast schon gehört, schüttete es an diesem Tag wie aus Eimern und verwandelte den Rasen in einen von Matsch und Wasserpfützen übersäten Untergrund. Eigentlich unbespielbar, aber im Prinzip der Boden auf dem Fußballspiele zu großen Dramen wachsen können.

Mit der Stirn in den Schlamm

Vor über 11.000 Zuschauern fiel der Treffer des Tages in der 54. Minute: Markus Kaya hatte den wieselflinken Marcel Landers mit einem Steilpass auf die Reise geschickt. Der flankte und der Ball senkte sich über den Essener Torhüter Daniel Masuch an den Pfosten – und von dort aus landete das Leder direkt vor die Füße des einschussbereiten Julian Lüttmann.

Auch der anschließende Jubel sorgte für unvergessliche Momente, als der 1,86 Meter große „Lütti“ im Rasen steckenblieb und mit dem Gesicht im Schlamm landete. Der Erfolg hinterlässt eben auch auf ungewöhnliche Art und Weise so seine Spuren.

Historischer Doppel-Erfolg gegen RW Essen

Nach dem 4:1 im Hinspiel an der Hafenstraße, wo Lüttmann ebenfalls einnetzte, war es der zweite Sieg gegen die Essener in jener Spielzeit. Ein historischer: Denn es war der erste Doppel-Derbyerfolg für die Oberhausener seit der Saison 1933/34. Durch diesen Sieg kletterten die Rot-Weißen auf den zweiten Tabellenplatz, den sie bis zum Schluss halten sollten.

Entscheidend war das letzte Duell jener Spielzeit, das die Kleeblätter bekanntlich zu Union Berlin in die Alte Försterei führte. 3:0 gewann RWO, darunter erneut ein Treffer von Julian Lüttmann zum vorentscheidenden 2:0, der sich noch sehr gut an jene heißen Tage in der Hauptstadt erinnern kann.

Die Erfolgsgeschichte ging weiter

Auch an die Störversuche einiger Union-Fans, die die Mannschaft mit Silvesterraketen und einem Feueralarm mehrfach aus den Schlaf rissen. „Wir sind alle in Unterwäsche raus aus dem Hotel und haben da erstmal eine ganze Weile gestanden. Aber ehrlich gesagt, hat uns dieser Zirkus noch heißer gemacht.“

Nach dem Klassenerhalt im ersten Jahr Zweite Bundesliga verließ Lüttmann RWO in Richtung Sandhausen. Vor allem beim VfL Oldenburg, mit dem er 2012 den Aufstieg von der Oberliga Niedersachsen in die Regionalliga Nord feierte, erlebte Lüttmann einen weiteren Karriere-Höhepunkt. Nicht zuletzt wegen der selbst erzielten 17 Treffer in gerade einmal 22 Partien.

Die Zeit bei RWO hat Julian Lüttmann geprägt

Doch keine Zeit in seiner Profilaufbahn, so gesteht der Familienvater, hat ihn mehr geprägt, als jene zwei Jahre in Oberhausen. Eine Zeit, die von „Gemeinschaft, Ehrlichkeit und Spaß lebte“, wie es Lüttmann zusammenfasst.

Bis heute ist der Kontakt zu den ehemaligen Vereinskollegen eng und wird nicht nur durch die Traditionsmasters einmal im Jahr am Leben erhalten. „Der Austausch mit den Jungs ist ständig da. Von solchen Dingen wird oft geredet, aber bei uns ist es tatsächlich so: Wir sind zu Freunden fürs Leben geworden.“

Auch aktuell geht der Mittelstürmer auf Torejagd. Als Spielertrainer ist er beim B-Ligisten SC Reckenfeld tätig. „Diese Aufgabe macht mir neben meinem Hauptberuf wahnsinnig viel Spaß. Ich bin gespannt, wohin der Weg noch gehen wird. Das Potenzial ist auf jeden Fall da.“

Eine Klasse höher

Doch mit einem Auge schielt er doch auch auf den Werdegang seines ehemaligen Clubs, oder? „Klar, allein schon wegen Terra bin ich immer gespannt, wie sich RWO in der Regionalliga schlägt. Ich wünsche es ihm und dem gesamten Verein, das er möglichst bald wieder mindestens eine Klasse höher spielt. Das hätte der Club mit seinen tollen Fans absolut verdient.“

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