Jugendfußball

DFB-Reform zur Not auch gegen den Willen der Eltern

Viel Platz für Kreativität:

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Foto: SC/TuS Buschhausen

Oberhausen.   In Oberhausen wird das erste Turnier nach den Reformvorschlägen des DFB ausgetragen. Die Kids sind begeistert. Aber: Wo parkt man 40 Mini-Tore?

Verlierer gab es an diesem Tag keine. In sieben Runden hatten mehr als 100 junge Fußballer ihrem Spieltrieb freien Lauf gelassen. Am Ende hing um jeden Hals eine schicke Medaille und darüber ein fröhliches Kinderlächeln. Der Funino-Cup war der erste im Fußballkreis Oberhausen/Bottrop, der den Reformvorschlägen des Deutschen Fußball-Bundes gerecht wurde. Ein großer Erfolg, sieht man einmal von kleineren Kuriositäten ab.

Michael Lorenz nahm nach den Spielen das Mikrofon in die Hand. Der Jugendtrainer von Arminia Klosterhardt wollte von den Kids wissen: „Wer von Euch hat am vergangenen Wochenende ein Tor für seine Mannschaft geschossen?“ Zehn Finger schnellten in die Oberhausener Frühlingsluft.

Die Antwort auf die zweite Frage von Lorenz war eindeutiger und verblüffte vor allem die Trainer und die Eltern der F-Junioren. Denn an diesem Tag hatte tatsächlich jedes Kind mindestens einmal ins Schwarze getroffen. „Das ist das Wichtigste für jeden jungen Fußballer, alle wollen Tore schießen, darum geht es doch“, kommentierte Borris Hendges die Szene.

Alle Spieler sollen auch tatsächlich spielen

Der Jugendleiter des SC Buschhausen hatte das Turnier in Zusammenarbeit mit dem TuS Buschhausen auf der Sportanlage an der Simrockstraße ausgetragen. Hendges ist schon lange ein Verfechter des vom DFB angeschobenen Reformmodells. „Ich wünschte, wir hätten schon viel früher damit begonnen. Wie beispielsweise in Belgien.“

Im Gegensatz zu den traditionellen Turnieren ging es in Buschhausen nicht darum, wer die Gruppenphase übersteht, wer den Einzug ins Finale schafft und wer am Ende als strahlender Sieger dasteht. Beim Funinio-Cup drehte sich alles darum, allen Teilnehmern Einsatzzeiten und Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.

Nach jedem Treffer ein Spielerwechsel

Und die Vorgaben stellten sich bei der neuen Spielform fast schon zwangsläufig ein. Gespielt wurde im Modus „Drei gegen Drei“ auf vier Mini-Tore ohne Torhüter. Bei jedem Torerfolg waren die Trainer dazu verpflichtet, einen ihrer Spieler auszuwechseln. Lag eine Mannschaft drei Tore vorne, durfte der Gegner einen zusätzlichen Spieler aufs Feld schicken.

„Wir haben vor dem Turnier alle Trainer in einer Runde versammelt und die Regeln erklärt“, so Borris Hendges. Viele seien am Anfang skeptisch gewesen, aber: „Fußball ist für alle da, auch für die Schwächeren in einer Mannschaft. Alle sollen spielen.“

Fußballnachwuchs fordert Zugabe

Sechs Spielrunden waren geplant. Und als sich die Zuschauer schon auf das Turnierende einstellten, forderte der Nachwuchs vehement eine Extrarunde. „Den Kids hat diese Turnierform ausgesprochen große Freude bereitet. Wir haben sie noch ein siebtes Mal spielen lassen, bevor jeder seine Medaille bekam“, so Hendges. Der Oberhausener hofft, dass die Funino-Idee nun weitere Kreise zieht und sich in den Vereinen des Fußballkreises herumspricht.

Denn neben dem zusätzlichen Spaß sieht Hendges noch weitere Vorteile der Reformidee, die bereits in Bayern und Brandenburg flächendeckend praktiziert wird: „Die Kinder lernen schnell, sich hinter dem Ball zu positionieren. Sie müssen die Situationen lesen und entwickeln viel eher ein höheres Maß an Spielintelligenz.“ In einer traditionellen Mannschaft gehe dieser Aspekt oft unter. „Da werden dann nur die besseren Spieler mit diesen Aufgaben betraut“, sagt Hendges.

Immer mehr Jugendmannschaften melden sich ab

Die DFB-Forderung nach kleineren Mannschaftsstärken mache es Vereinen zudem viel leichter, neue Teams auf die Beine zu stellen. „Bislang sind mindestens zehn, besser 15 Spieler notwendig, um eine F-Jugend verlässlich am Spielbetrieb teilnehmen zu lassen. Für die neue Spielform reicht schon die Hälfte“, sagt Hendges und ergänzt: „Das Schöne daran ist, dass dann auch tatsächlich jeder Spieler zum Einsatz kommt. In unserem aktuellen Ligabetrieb schauen die Reservespieler bis zum Ende oft nur zu.“ Und sind dann auch ganz schnell wieder weg: In den vergangenen zwei Jahren verlor allein der Fußballverband Niederrhein mehr als 200 Jugendmannschaften.

Der Fußballkreis zeigt sich aufgeschlossen

Begeistert vom Erfolg des Turniers, an dem mit dem SV Rhenania, dem VfB Bottrop, BW Fuhlenbrock und den Welheimer Löwen auch vier Bottroper Vereine teilnehmen, zeigte sich Dieter Wilms. Der Vorsitzende des Kreis-Jugendausschusses machte sich selbst ein Bild und war am Ende nicht einmal besonders überrascht: „Das ist fast so wie in den späten 60ern, als ich selbst mit dem Fußball angefangen habe. Auf der Straße haben wir auch nur in kleinen Mannschaften gegeneinander gespielt. Die Reform könnte tatsächlich Früchte tragen. Das lese ich am Spaß ab, den die Kinder in Buschhausen hatten.“

Eine schlagartige Umsetzung der Reformvorschläge werde es im Fußballverband Niederrhein aber wohl nicht geben: „Unser Präsident Peter Frymuth hat sich dazu klar geäußert und lässt den Fußballkreisen freie Hand. Es könnte also Jahre dauern, bis sich diese Idee wirklich durchsetzt.“

Abgeneigt von der Reform ist Wilms aber keineswegs: „Wenn unsere Vereine an den Kreis herantreten und das einfordern, könnte das ganz schnell gehen.“ Bei der Kreistagung Ende Mai will der Vorsitzende ein Meinungsbild der Vereine einholen. Wilms hofft, dass sich die Vereine im Sinne ihrer jungen Fußballer ausrichten.

Notfalls auch gegen den Willen der Eltern

Im Vordergrund müsse stehen, junge Menschen für den Fußballsport zu begeistern. Notfalls auch gegen den Willen der Elternschaft. „Oft sind es gerade Väter und Mütter an der Seitenlinie, denen es nur um Tore und Siege geht. Dass darunter der Spaß leiden könnte, kommt den meisten gar nicht in den Sinn.“

Nur eine Frage bereitet Wilms beim „Drei gegen Drei ohne Torhüter“ noch Kopfzerbrechen: „Für das Turnier mussten 40 Mini-Tore her. Wie sollen unsere Vereine die nur beschaffen und unterbringen?“

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