RWO im Fazit

Das war eine Saison, wie man sie lange nicht mehr erlebt hat

Tarik Kurt wird im Moment der Trauer von Dominik Reinert getröstet, Jannik Löhden (l.) und Alexander Scheelen (r.) hingegen sind gefasster. Sie wissen, dass RWO in dieser Saison Großes geleistet hat.

Tarik Kurt wird im Moment der Trauer von Dominik Reinert getröstet, Jannik Löhden (l.) und Alexander Scheelen (r.) hingegen sind gefasster. Sie wissen, dass RWO in dieser Saison Großes geleistet hat.

Foto: Micha Korb

Oberhausen.   Am Ende heißt der Aufsteiger Viktoria Köln. Doch der Meister der Herzen steht zumindest für alle Oberhausener Fans fest. Das hat seine Gründe.

War’s Thorsten Binder, der im Laufe des Samstagnachmittags auf einmal den „Aufsteiger der Herzen“ proklamierte? Wahrscheinlich, und er hat einen Punkt zielgenau getroffen, der in den letzten Wochen in weiten Kreisen des Fußballwestens immer klarer wurde: Man gönnte RWO den Aufstieg von Herzen, und das aus mehreren Gründen.

Der Fußball: Mike Terranova hat aus einer Mannschaft, die vor der Saison bei kaum einem auf den Favoritenzettel stand, das einzige Team gemacht, das dem Haushochfavoriten Viktoria ernsthaft Paroli bot, den Krösus aus Köln haarscharf vor dem Stoß vom Thron hatte. Sich selbst hat der fußballverrückte Deutsch-Italiener zum Fußballlehrer gemacht, hat dabei aus alten Ahnungen neues Wissen gemacht und der Mannschaft vermittelt.

Etliche Verletzungen und Schicksalsschläge

Das Mitgefühl: RWO ging in die Saison mit den langzeitverletzten Philipp Gödde und Jasper Stojan und dem an Krebs erkrankten Alexander Scheelen, musste im Winter den Ausfall des groß aufspielenden Kapitäns Patrick Bauder hinnehmen, vor ein paar Wochen den Schlaganfall des beliebten Präsidenten Hajo Sommers – und gab nicht auf.

Die Ehrlichkeit: „Wir haben alles außer Kohle“, ist ja nicht nur ein witziger Spruch, er ist leider auch traurige Wirklichkeit. Die wurde nicht mit Hilfe von Landesbürgschaften, verschleierten Zuwendungen der öffentlichen Hand, umgeleiteten Stiftungserlösen oder ähnlichen Maßnahmen „bekämpft“, zu der hat man sich in einer Mischung aus Trotz und Stolz bekannt. Natürlich gab’s Leistungen von der Stadt oder Sponsoren, aber es gab auch immer die Gegenleistung vom Verein. Nichts schuldig zu bleiben, ist ein Gebot.

Vorstand ist weiter auf Betteltour

Als vor Tagen die Szenerie des Aufstiegs zum Anpacken nah war, graute es Hajo Sommers vor den letzten Tagen bis zur Lizenzerteilung: „Für die Bürgschaft müssen wir uns noch abstrampeln. Jetzt muss den schönen Worten endlich mal der Griff in die Geldbörse folgen. Aber wir gehen weiter auf Betteltour. Das ist traurig, das macht mich kaputt!“

Es gab zuletzt Zeichen, dass die „Betteltour“ erfolgreich ausgegangen wäre. Oberbürgermeister Daniel Schranz und Kämmerer Apostolos Tsalastras waren beeindruckt von der Herzlichkeit und offenen Zuneigung, die die Rekordkulisse ihrem Team (einschließlich Vorstand) zuteil werden ließ. „Für die nächste Saison muss sich die Stadt was einfallen lassen“, formulierte der Reporter, und Schranz nickte bedächtig, aber beifällig, und Tsalastras äußerte Zuversicht: „Da wird was möglich sein.“

Der Verein braucht Planungssicherheit

Was „nur“ nach Hoffnung klingt, sollte umgemünzt werden in konkrete Zusagen, denn der Verein braucht Planungssicherheit. Was er tun kann, hat er getan, wird er weiter tun. Dafür sprechen die ersten Personalia für die Saison 19/20. Dafür spricht die Zuneigung von überall her. Dafür sprechen Dank und Stolz für und auf eine Saison, wie man sie ganz lange nicht mehr erlebt hat.

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