Tischtennis SC 1912

Christian Strack ist nicht nur an der Platte die Ruhe selbst

Christian Strack voll konzentriert an der Platte und auch im Leben daneben.

Christian Strack voll konzentriert an der Platte und auch im Leben daneben.

Foto: Andreas Hofmann / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Der Routinier des Tischtennis-Drittligisten Buschhausen weiß genau, was er kann. Er ist stark in der Analyse und hat eine Antenne fürs Team.

Eigentlich standen die Zeichen auf Fußball. Per Zufall kam Christian Strack dann doch zum Tischtennis. 32 Jahre hat der gebürtige Mülheimer nun schon in seinem Sport verbracht, seit neun Jahren spielt er in Buschhausen und ist der Kopf der Mannschaft.

Mit sechs Jahren fuhr er mit seinem Vater zu Union Mülheim , bereit die Schuhe zu schnüren und das Leder über den Platz zu bolzen. „Das Training ist aber ausgefallen und dann bin ich nebenan zum Tischtennis gegangen“, lacht Strack. Losgelassen hat es ihn von da an nicht mehr, vielleicht auch weil zu Beginn erst einmal nur lockeres Spielen angesagt war.

„Ein älteres Rentnerpaar hat uns Kinder eigentlich eher bespaßt“, erinnert er sich. Das hat „Stracki“ nie gestört, noch immer spielt er lieber statt in 90-minütigen Übungen zu trainieren. Vom Spielen konnte er nicht genug bekommen, nach der Schule musste der Papa mit dem Handfeger im Anschlag mit zum Spielplatz, um die Steinplatte zu säubern zu machen und loszulegen.

Technische Ausbildung bei Chan Kong Wah

Schnell ging es im Verein weiter, dann auch mit der technischen Ausbildung . Ein jüngerer Trainer kam und nahm ihn unter seine Fittiche. Professionell war das nicht, doch der eigene Antrieb sorgte für den nächsten Schritt. „Mit elf, zwölf Jahren bin ich zu Post SV Mülheim gewechselt.“ Die spielten mit den Herren in der 1. Bundesliga und formulierten damit auch stellvertretend seinen Wunsch, immer weiter an sich zu arbeiten.

Bis in die höchste Spielklasse reichte es für Strack letztlich nicht, denn „obwohl ich immer mit Ernsthaftigkeit und Ambitionen dabei war, die Frage nach der Profikarriere stellte sich nie. Da hätte ich mit 17 schon 2. Bundesliga spielen müssen.“ Dazu kam es erst später, denn Stracks Leistungssprung geschah mit 16 Jahren. Unter dem Mülheimer Profi Chan Kong Wah bekam er eine Art Stützpunkttraining. Das finanzierten die Großeltern, spätestens dort bekam sein Spiel eine neue Qualität. „Es hat mich sehr geprägt, meine Schläge habe ich seitdem deutlich variabler gestaltet.“ Das wichtigste sei jedoch, dass „es meinem Spiel eine Grundsicherheit gegeben hat. Einfache Fehler vermeiden und in der Lage zu sein, selbst zu analysieren.“

Vizemeister in der 2. Liga mit Jülich

Der Stil des Hongkonger Trainers ist nicht seiner geworden, „er hat mir nichts aufgedrückt, sondern meine Qualitäten gesucht und entwickelt.“ 2002 entwuchs er den Mülheimern und wechselte zum ASV Wuppertal in die Regionalliga. Fünf Jahre später folgte ein Jahr beim Ruhrorter TV in der Oberliga, mit dem TTC BR Schaephuysen in zwei Spielzeiten der Aufstieg in die Regionalliga, ehe dann 2010 der Bundesligatraum doch wahr wurde. Bei Jülich ging er in der 2. Bundesliga an den Start und feierte dort eine Vizemeisterschaft. Einmal wäre sogar der Aufstieg drin gewesen, Jülich verzichtete jedoch.

Die „geschnupperte“ Luft der höchsten Spielklasse reichte Strack, zumal es auch schon in der 2. Bundesliga bedeutete Tischtennis, an die erste Stelle zu rücken.

Beruflich entschied er sich, selbstständig als Trainer im Deutschen Tischtennis-Zentrum zu arbeiten, Buschhausen stieg in der Saison 2012 in die Regionalliga auf. Der Wechsel war nur logisch, „schon mit 14, 15 Jahren war ich Mitglied in Buschhausen, aber nie aktiv“, erzählt er. Sein Kumpel Tarek Snoussi war der Kontakt zum SC 12, im Verbandsligateam trainierte er auch vorher regelmäßig mit Thorsten Lotz , Achim Goldau , Matthias Koch und Snoussi. Kontakt zu Michael Lange gab es im Laufe der Jahre auch, der ihn nach dem Aufstieg an Bord holte.

Auch beruflich mit Tischtennis verbandelt

Den Zwölfern tat die ruhige Art von Strack sofort gut. Mit Wuppertal gelang ihm zwar schon mal der Aufstieg aus der Regionalliga (damals dritthöchste Liga), in Buschhausen war es zwei Mal die Vizemeisterschaft und letztlich der Aufstieg in die 3. Bundesliga. Mit Genia Milchin bildet Strack ein formidables Doppel, beide ergänzen sich ideal. 2014 und 2017 wurden die beiden Dritter bei den Westdeutschen. Mit Andreas Küppers 2004 gewann er die Westdeutsche sogar, 2011 wurde er Dritter im Einzel, 2014 kam er ins Achtelfinale der Deutschen Meisterschaften .

Alles erreicht und Karriereende in Sicht? „Ich spiele, so lange ich kann und solange ich gebraucht werde“, verspricht der Dreier. Beruflich ist er nach seiner Trainerstation im Landeszentrum Behindertensport nun als Storemanager für Butterfly in Krefeld angestellt. Zeit fürs Training ist rarer geworden, doch Strack versichert: „Wenn ich meine Vorbereitung so genießen kann, wie ich sie brauche und Zeit habe, um meine Abläufe zu festigen dann kann ich mein Niveau über die Saison halten. Aber es wird natürlich immer schwerer.“ Drei Wochen lang geht es intensiv an die Platte, bis Selbstvertrauen und Abläufe sitzen.

Niveau halten durch konzentrierte Vorbereitung

Daher blickt Strack doppelt bang auf die aktuelle Unterbrechung. „Wenn die Hallen geschlossen sind, geht im Tischtennis gar nichts.“ Das merkt er aktuell auch im Geschäft. Den Leuten fehlt das Spiel, ein Schlägerkauf sorgt beinahe für Wehmut. Doch wie in der Pandemie gibt es mit den ausstehenden Partien der Hinrunde auch sportlich eine Aussicht. Doch Strack mahnt zur Vorsicht: „Die Saison bisher ist gefährlich, wir haben auch davon profitiert, dass viele andere Teams auf ausländische Profis gesetzt haben.“

„Wir haben eine gute Mannschaft“

Doch er weiß auch: „Wir haben eine gute Mannschaft. Michi Servaty ist der Einser, den wir brauchen, um uns oben festsetzen zu können und mit Thomas haben wir jemanden, der kraftvoll spielt und immer unangenehm zu bespielen ist.“ Dazu kommt mit Strack, Milchin und Manuel Kupfer dahinter ein ausgeglichener Unterbau, der „mit jedem mithalten kann.“ Bitter daher, dass die Schläger aktuell ruhen müssen, denn an die Steinplatte wie früher mit dem Papa, das ist keine Option mehr.

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